Erster Diamantring vollständig aus synthetischem Diamant

Antwerpen ist das europäische Zentrum des Diamantenhandels. Man kann also davon ausgehen, dass die Händler und Juweliere dort nicht oft etwas vorgelegt bekommen, das sie umhaut. Manchmal passiert es doch: Der "Hoge Raad voor Diamant" hat erstmals einen Diamantring zertifiziert, der aus einem synthetischen Diamanten geschliffen wurde.

Diamantring aus synthetischem Diamant

Diamantring aus synthetischem Diamant (Bild: HRD Antwerp)

Beim Stichwort „Labor“ gehen bei den meisten Menschen die Mundwinkel eher nach unten. Man denkt automatisch: Was künstlich hergestellt wird, das ist auch von minderer Qualität.

Die Diamantexperten sind voll des Lobes. Für die wichtigsten Merkmale – Klarheit, Farbe, Schliff, Symmetrie und Fluoreszenz (das für Diamanten typische Leuchten unter UV-Licht) – hat der Labor-Stein Bestnoten bekommen.

Der Labor-Ring ist in jeder Beziehung imposant. Das liegt nicht nur am Gewicht, sondern auch an der Erscheinung: Es ist nicht etwa ein Goldring, mit einem kleinen gefassten Edelstein. Der Ring ist komplett aus dem Labor-Rohdiamanten herausgeschliffen und kommt auf sagenhafte 3,865 Karat – also ein echt schwerer Brocken. Dazu hatte man zuvor im Labor eine Rohdiamant-Platte gezüchtet, die 155 Karat hatte, also um ein Vielfaches schwerer war.

Der Diamantschliff besteht aus 133 Facetten, die mit einem Lasermesser in den Stein geschliffen wurden. Zum Vergleich: Der Standard liegt bei 57 Facetten. Es ist das erste Schmuckstück aus einem Labor-Diamanten und stellt in jeder Hinsicht Rekorde auf.

Der Ring ist eine deutsch-niederländisch-belgische Teamarbeit. Der Rohdiamant wurde in einem deutschen Labor gezüchtet. Von dort ging es zu einem niederländischen Diamantenschleifer: Dutch Diamond Technologies. Sie wollten zu ihrem zehnten Geburtstag etwas ganz Besonderes präsentieren und haben diesen Ring erfunden und hergestellt. Dann kommt der Hohe Diamantenrat in Antwerpen – die führende Institution in Europa, wenn es um die Begutachtung von Diamanten geht – ins Spiel. Der hat das Schmuckstück schließlich zertifiziert

Einen Rohdiamanten von 155 Karat synthetisch herzustellen, ist noch gar nicht so lange möglich. Bisher hat man diese Technik ausschließlich für industrielle Zwecke genutzt. Basis ist ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffgas und Wasserstoff, das in einer Vakuumkammer auf 900 bis 1.200 Grad Celsius erhitzt wird. Um eine Platte von der Größe und dem Gewicht herzustellen, wie man für den Ring gebraucht hat, braucht es etwa fünf Wochen. Die Anfertigung von dem Ring hat insgesamt ein Jahr gedauert.

belga/hrd/sh

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