Vor 100 Jahren: Kaiser Wilhelm II. wird in Spa entmachtet

Am 9. November vor genau 100 Jahren endete das deutsche Kaiserreich mit der Abdankung von Kaiser Wilhelm II. und der Ausrufung der Republik in Berlin. Belgien spielte dabei eine gewisse Rolle, denn der deutsche Kaiser, Wilhelm II., befand sich damals in Belgien, genauer gesagt in Spa.

Kaiser Wilhelm II.

Kaiser Wilhelm II. mit Generalfeldmarschall von Hindenburg (links) und dem Ersten Generalquartiermeister Ludendorff im Großen Hauptquartier 1917

Der Sommer 1918 war in Deutschland geprägt von der Erkenntnis, dass der Erste Weltkrieg nicht mehr zu gewinnen ist. Ende August sah das auch die Oberste Heeresleitung ein, und suchte von ihrem damaligen Hauptquartier in Spa Gespräche mit den Alliierten.

Als dann Ende Oktober 1918 die Marineleitung völlig überraschend noch einmal zur Offensive bläst, kommt es in Kiel zum Aufstand der Matrosen. Die Revolte ergreift schnell das ganze Reich bis hin nach Berlin. Zahlreiche adelige Herrscher werden zur Abdankung gezwungen.

Wie Kaiser Wilhelm II. auf diese revolutionäre Welle reagierte, fasst der Eupener Geschichtsprofessor Christoph Brüll wie folgt zusammen: „Es stellte sich auch die Frage, ob dann der Kaiser abdanken müsse. Dem hat sich Wilhelm II. entzogen, indem er sich quasi am 29. Oktober nach Spa ins Generalquartier der Obersten Heeresleitung absetzte.“

Bei der Obersten Heeresleitung in Spa fühlt sich der Kaiser sicher. Wilhelm II. erhoffte sich Unterstützung von den Militärs, die er auch bekam. Gemeinsam wurden Pläne geschmiedet, wie auf die Revolution in Deutschland und vor allem die politischen Ereignisse in Berlin reagiert werden könnte. „Als dann am 9. November die Republik ausgerufen wurde von Philipp Scheidemann, einem SPD-Mitglied, und dann noch ein zweites Mal nachmittags von dem Führer der unabhängigen, also der Minderheits-SPD, Karl Liebknecht, da hatte Wilhelm II. erkannt, dass es für ihn keine Chance mehr gab, kurzfristig nach Deutschland zu kommen und auch sein Amt weiter auszuüben.“

Doch bevor der Kaiser einsah, dass alles für ihn verloren schien, hatte er noch einmal versucht, den Schaden in Grenzen zu halten. „Am 9. November ließ Wilhelm II. erst einmal die Regierung in Berlin telegraphisch wissen, dass er zum Kompromiss bereit war. Und dieser Kompromiss wäre gewesen, Preußischer König zu bleiben, aber als Kaiser abzudanken. Aber das Telegramm, mit dem Wilhelm II. und sein Umfeld Berlin informierten, traf dort zu spät ein. Das heißt zu einem Zeitpunkt, als die Republik bereits proklamiert war.“

Waren es also nur unglückliche Umstände, die das Schicksal Wilhelms II. und damit der Kaiserwürde in Deutschland besiegelten? Historiker Brüll meint: Nein. „Der Kompromissvorschlag ist in Berlin halt zu spät eingetroffen. Aufgrund der revolutionären Dynamik, die in Berlin und in Gesamtdeutschland zu dieser Zeit schon im Gange war, glaube ich aber auch nicht, dass er irgendwelche Chancen auf Erfüllung gehabt hätte.“

Die erzwungene Abdankung, die Reichskanzler Max von Baden eigenmächtig in Berlin verkündet hatte, seine Niederlage also hat Wilhelm II. dann relativ schnell eingesehen. Und die nötigen Konsequenzen gezogen. „Er ist dann am 10. November an die niederländische Grenze gereist und hat die niederländische Königin Wilhelmina quasi um politisches Asyl gebeten. Was ihm auch nach 24 Stunden gewährt worden ist. Und er hat dann bis zu seinem Lebensende 1941 im niederländischen Exil verbracht, auch wenn er immer die Hoffnung hatte, vielleicht doch auf den deutschen Thron zurückkehren zu können. Letztmals nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten.“

Von den letzten Tagen des deutschen Kaisers ist in Belgien heute immer noch etwas zu sehen, zum Beispiel „die Villen, in denen die deutschen Generäle wohnten und die Villa Fraineuse, in der Wilhelm II. damals lebte und die einem Großindustriellen in der Region, Peltzer, gehörte – all dies steht natürlich noch“, sagt Brüll.

Kay Wagner

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