Afrikanische Schweinepest: Jäger machen sich Sorgen

Die afrikanische Schweinepest hat Belgien erreicht. Die Verantwortlichen in der Wallonie, wo die toten Tiere gefunden wurden, nehmen die Sache ernst. Am Sonntag fand eine erste Informationsveranstaltung für Mitarbeiter der Wallonischen Region, Bürgermeister und Jäger statt. Eine Veranstaltung, die die Sorgen der Betroffenen nicht besänftigt haben.

Wildschwein

Illustrationsbild: Pixabay

Die afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. Nachdem sie vor viereinhalb Jahren das erste Mal in der jüngeren Vergangenheit in Osteuropa, genauer gesagt in Litauen, nachgewiesen worden ist, breitet sie sich seitdem stetig langsam Richtung Westen aus. In allen baltischen Staaten, dazu Polen, Rumänien, Ungarn und Tschechien sind dieses Jahr Fälle bekannt geworden. 123.000 Keulungen von Wild- und Hausschweinen soll es bis Ende August dieses Jahr schon gegeben haben. Und jetzt ist die afrikanische Schweinepest auch erste Mal in Westeuropa nachgewiesen. Genauer gesagt in Belgien, im Süden der Wallonie.

Eine Nachricht, die gerade die Jäger beunruhigt. Benoît Petit, Präsident der Jägervereinigung Royal Saint-Hubert Club de Belgigue sagt: „Das ist der erste Fall in Westeuropa. Europa ist erschüttert. Wir sind es auch.“

Erschüttert ja, aber die Region ist schon dabei, auf den Nachweis der afrikanischen Schweinepest zu reagieren. Walloniens Landwirtschaftsminister René Collin wollte sich am Montag schon mit dem zuständigen EU-Kommissar treffen, und hat für diese Woche eine interministerielle Konferenz geplant.

Gebiet absperren?

Am Sonntag schon informierte ein EU-Experte in Etalle westlich von Arlon über Aspekte der afrikanischen Schweinepest und mögliche Vorgehensweisen gegen die Seuche. „Wir sind gerade dabei zu überlegen, ob wir die Zone, in denen die Fälle vorgekommen sind, eventuell schließen sollten“, berichtete Guy Maréchal als Vertreter lokaler Jäger nach der Veranstaltung. Das Gebiet sei ungefähr 15.000 bis 16.000 Hektar groß. „Wir haben das Beispiel von Tschechien, wo 16.000 Hektar geschlossen worden sind, um die Wildschweine einzusperren. Das hat dort gut geklappt“, sagte Maréchal.

Nicht alle Jäger allerdings finden diese Idee gut, das Gebiet mit den möglicherweise infizierten Schweinen einfach abzusperren. Jäger Stéphane Devillet ärgert sich: „Wenn man die Frage stellt, ob man vielleicht nur ein kleines Stück des Gebiets absperren könnte, ob so etwas in der Richtung möglich ist, dann kriegt man keine Antwort. Niemand nimmt unsere wirtschaftlichen Überlegungen wirklich ernst. Aber die Jagd hat auch etwas mit Geld zu tun.“

Finanzielle Einbußen

Dass die Jäger mit wahrscheinlich großen finanziellen Einbußen rechnen müssen, scheint unausweichlich. Der EU-Experte stellte am Sonntag in Aussicht, dass auf zwei Jahre hin die normale Jagd in dem betroffenen Gebiet nicht mehr möglich sein wird. Der Virus, der wohl Anfang August in die Wallonie eingeschleppt worden sein muss, wird wohl in vier bis sechs Monaten seinen Höhepunkt erreichen. Hunderte Wildschweine würden dann verenden. Nächstes Jahr müsse man dann alle Tiere in der Region töten. Wenn dabei der Virus ausgerottet werden kann, könnte 2020 eine normale Jagd wieder möglich sein.

Über das genaue Vorgehen besteht zwar Uneinigkeit. Aber die meisten Jäger sind bereit, bei dem Kampf gegen den Virus zu helfen. „Man wird jeden Tag immer mehr tote Tiere finden. Das wird bedeuten, dass die Verwaltungsmitarbeiter überlastet sein werden. Die Jäger werden dann bereitstehen, um dabei zu helfen, die toten Tiere zu finden“, sagt Jäger Pierre Kauten.

Sandwich als Ursache?

Wie die Pest in die Wallonie gekommen ist, darüber gibt es noch keine Klarheit. Benoît Petit vermutet, dass ein Lkw-Fahrer aus Osteuropa ein Sandwich mit infiziertem Schweinefleisch in der Natur entsorgt habe. Für den Menschen ist der Virus ungefährlich. Aber Wildschweine hätten sich durch den Verzehr des Brotes durchaus anstecken können.

90 Tage hat die Wallonie jetzt Zeit, der EU-Kommission einen Plan für den Kampf gegen die afrikanische Schweinepest vorzulegen. Nach der Info-Veranstaltung am Sonntag sagte Jäger-Präsident Petit: „Wir wissen jetzt ein bisschen mehr. Wir wissen jetzt, dass die Situation ernst ist, noch ernster, als wir es uns vorgestellt hatten.“

Betreten verboten

In dem Risikogebiet in der Provinz Luxemburg ist es bis auf Weiteres untersagt, den Wald und die Waldwege zu betreten. Das Verbot gilt für mindestens einen Monat.

Die Risikozone in der Provinz Luxemburg umfasst 63.000 Hektar. In einem ersten Schritt war dort schon die Jagd verboten worden.

Kay Wagner

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