Jean-Pascal van Ypersele: „Es ist eigentlich zu spät“

Die Hitzewelle neigt sich offenbar ihrem Ende zu. Schon für Dienstagabend sind Gewitter vorhergesagt, die stellenweise auch richtig heftig ausfallen können, warnen die Meteorologen. Ob der Supersommer damit zu Ende ist oder ob er nur eine Pause macht, bleibt noch abzuwarten. In jedem Fall sind in den letzten Wochen diverse Hitzerekorde gepurzelt. Und Klimaforscher sehen sich in ihren düsteren Vorhersagen bestätigt.

Jean-Pascal van Ypersele

Jean-Pascal van Ypersele (3.v.r., obere Reihe) bei der Pariser Klimakonferenz im Dezember 2015 (Archivbild: Benoit Doppagne/Belga)

Jean-Pascal van Ypersele fühlt sich oft wie der Prediger in der Wüste. Buchstäblich, könnte man fast sagen. Seit fast 40 Jahren warne er schon vor der Erderwärmung, sagte der Klimaforscher von der Katholischen Universität Löwen in der RTBF. Und, ja, er komme sich manchmal vor, als wiederhole er immer das gleiche. Und es sei schon frustrierend zu sehen, wie wenig er und seine Kollegen Gehör finden.

Er könne jedenfalls nur feststellen, dass unsere Gesellschaften immer noch viel zu wenig tun gemessen an der Herausforderung, mit der wir konfrontiert sind. Dabei beginne sich jetzt eigentlich schon ziemlich genau das zu bewahrheiten, wovor die Klimatologen vor einigen Jahren gewarnt haben: eine Häufung extremer Wetterphänomene, wie eben die Hitzewellen, die wir gerade erlebt haben, oder dann sehr heftige Regenfälle. Was er selbst in einem Interview vor 15 Jahren vorhergesagt hat, zeige sich heute – wobei ihn das jetzt nicht unbedingt stolz mache, sagt Jean-Pascal van Ypersele.

Stoppen kann man diese Entwicklung wohl nicht mehr. Man kann sie aber sehr wohl begrenzen. Konkreter: Man kann dafür sorgen, dass sich die Auswirkungen vielleicht doch noch in Grenzen halten. Das ist schließlich Sinn und Zweck des Pariser Klimaabkommens. Nur bedeutet das eben, dass wir unsere Kohlendioxid-Emissionen deutlich zurückfahren müssen.

Was aber bekanntlich bedeuten würde, dass wir unsere Lebensweise grundlegend ändern müssten. Sind wir bereit dazu? Im Moment wahrscheinlich nicht, stellt Van Ypersele fest. Es ist aber nicht so, als gäbe es da keine guten Beispiele. In den Niederlanden oder Dänemark entstehen schließlich immer mehr so genannte Radschnellwege. Andere Länder investieren massiv in Öffentliche Verkehrsmittel.

Die Bereitschaft, unsere Lebensweise umzustellen, steht also auch in enger Beziehung zu den möglichen Alternativen, die zur Verfügung stehen. Das ist wohl auch ein Appell an die Politik, eben mehr zu tun im Kampf gegen den Klimawandel.

Die meisten Politiker in Europa sehen aber leider nicht die Dringlichkeit. Bestes Beispiel, sagt Jean-Pascal van Ypersele: Das Pariser Klimaabkommen wurde immerhin schon vor fast drei Jahren verabschiedet. In der Praxis hat sich aber noch nichts geändert – auch nicht in Europa. Die konkreten Klimaschutzziele wurden noch nicht angepasst. „Unfassbar“, sagt Jean-Pascal van Ypersele. Er und seine Kollegen seien tatsächlich zunehmend frustriert darüber.

„Warum wechseln Sie nicht einfach mal die Seite?“, fragt ihn der RTBF-Journalist. In der Tat: Jean-Pascal van Ypersele ist in Belgien inzwischen ein bekanntes Gesicht. Jahrelang war er ja unter anderem Vizepräsident des Weltklimarates. Warum also nicht tatsächlich in die Politik wechseln, um dann tatsächlich vielleicht die Möglichkeit zu bekommen, selbst die nötigen Schritte einzuleiten?

Darüber nachgedacht habe er schon, sagt Jean-Pascal van Ypersele. Nur, es sei doch so: Im Moment könne er überall reden. Alle Parteien hätten ihn schon eingeladen. Wenn er einmal ein politisches Etikett habe, dann gehe das nicht mehr, dann verkleinere er eigentlich nur seinen potentiellen Hörerkreis.

Schließlich noch eine Frage: Ob er denn nachvollziehen könne, dass es nach wie vor Klimaskeptiker gebe? „Klar kann ich das“, sagt Jean-Pascal van Ypersele. Das sei nämlich ziemlich einfach, ziemlich komfortabel. Wer den Kopf in den Sand stecke, um die Gefahr nicht zu sehen, der brauche nämlich nichts zu tun.

Roger Pint

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13 Kommentare
  1. Dieter Leonard

    Es ist mir ein Rätsel, wie Professor Van Ypersele auch nach 40-jähriger Forschung in diesem Bereich, solch einen „Klimaquatsch“ erzählen kann, wo es doch bei uns ausgewiesene Klimaexperten gibt, die all dies bereits seit langem als Hirngespinste „links-grün versiffter“ Ideologen und verblendeter Anhänger der „Klimakirche“ entlarvt haben.
    Herr Van Ypersele und seine Kollegen weltweit, sollten ihren Wissensstand dringend den Erkenntnissen hiesiger Hobby-Klima-Leugner anpassen.
    Obwohl … die sind zur Zeit nicht zu sprechen, stecken ihre Köpfe doch tief in den sandigen Böden von Küchelscheid bis Eimerscheid.

  2. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Werter Herr Léonard.
    Es geht hier um wissenschafliche Theorien und nicht um religioese Dogmen. Und es ist vollkommen normal, dass solche Theorien kontrovers diskutiert werden. Ist das uebliche Prozedere in der Wissenschaft. Und nur weil dieser oder jener etwas sagt, muss Ich es noch lange nicht glauben. Ich bilde mir lieber meine eigene Meinung. Es sei Ihnen ueberlassen, was Sie fuer wahr und richtig halten. Bitte bedenken Sie, wir leben in einem freien Staatswesen mit Rechten und nicht in einer linken Diktatur, die kein Respekt vor Privatbesitz hat.

  3. Guido Scholzen

    Wenn dieser Herr Professor meint, wir Menschen würden mit CO2 eine Klimakatastrophe heraufbeschwören, dann soll dieser sich zuerst mal ein E-Auto kaufen und durch die Gegend fahren. Mal sehen, wie weit der kommt. Weltverbesserer sollten sich zuerst selbst verbessern.
    Aber ich gehe jede Wette ein, dass dessen ‚ökologischer Fußabdruck‘ nicht besser als Otto-Normal-Verbraucher, und viel schlechter als Menschen in ärmeren Gefilden.
    Er gehört zu den grünen Pharisäern, die Wasser predigen und den Wein selber saufen.
    Matthäus-Evangelium: „Sie schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rühren, um die Lasten zu tragen. Alles,was sie tun,tun sie nur, damit die Menschen es sehen:Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Gewändern lang,bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz und in der Synagoge die vordersten Sitze haben, und auf den Straßen und Plätzen lassen sie sich gern grüßen und von den Leuten Rabbi (Meister) nennen.“

  4. Dieter Leonard

    Wenn Sie unter Meinungsbildung verstehen, sich gegen den Konsens der wissenschaftlichen Forschung zu stellen und stattdessen beim Feldzug ihres Bruders gegen „Klimaquatsch“ und alles „links-grün Versiffte“ (wie regenerative Energien und die Energiewende) als Steigbügelhalter zu fungieren ist dies ihr gutes Recht in einer freien Gesellschaft. Mit wissenschaftlichem Diskurs hat dies alles nichts zu tun. Allenfalls mit persönlich motivierter Rache.

  5. Guido Scholzen

    Herr Leonard, in der Wissenschaft werden keine fundamentalen Aussagen durch einen Konsens festgelegt. Die Wissenschaft ist nicht demokratisch. Ich hatte schon vor Jahren Probleme damit, als „die Wissenschaft“ den Planeten Pluto zum Zwergplaneten degradierte, und das per Abstimmung. Nein, das Ergebnis von Forschung sind wiederholbare Resultate unter den gleichen Bedingungen, seien es Experimente oder Berechnungen. Sollen wir etwa abstimmen, ob Einsteins Relativitätstheorie richtig oder falsch ist? Damals (1915) waren fast 200 namhafte Physiker zuerst mal gegen Einstein. Das Nobelpreis-Komitee hatte niemals daran gedacht, dass dies richtig wäre. Einstein hat nie einen Nobelpreis für seine Relativitäts-Theorien erhalten.

    In Sachen Klima ist die atmosphärische Gegenstrahlung des angeblichen Treibhauseffektes weder experimentel noch rein rechnerisch nachvollziehbar. Ich nehme an, Sie wissen überhaupt nicht, wovon ich hier überhaupt schreibe. Stimmt’s oder hab‘ ich recht?

  6. Dieter Leonard

    Das Problem Herr Scholzen ist nicht, dass ich nicht weiß wovon sie reden, sondern, dass sie nicht wissen, was sie sagen.
    Noch problematischer ist jedoch die Motivation, mit der sie dies tun.
    Diese hat nämlich nichts mit wissenschaftlicher Offenheit und deren Annäherung an eine Problemstellung oder eine Theorie zu tun, sondern mit rein persönlichen Ressentiments.
    Wer von „Klimaquatsch“ redet und den anthropogenen Klimawandel und die Bedeutung des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre in diesem Zusammenhang gegen den Konsens der Wissenschaftler weltweit und ohne jegliche Qualifikation dies zu tun, in Abrede stellt, muss an Größenwahn leiden.
    Wer das Zukunftsprojekt der Energiewende als Hirngespinst „grüner Schlümpfe“ oder „links-grün versiffter“ Idioten darstellt, verrät mit jedem seiner diffamierenden und beleidigenden Posts seine Gesinnung.
    Nochmal Herr Scholzen: sie und ihre Mitstreiter haben bisher zu keinem Zeitpunkt einen konstruktiven Beitrag in den erwähnten relevanten Fragen geliefert.
    Stecken sie ihren Kopf weiter in den Sand. Ihr destruktiver Feldzug verläuft genau dorthin.

  7. Guido Scholzen

    Zitat: „Nochmal Herr Scholzen: sie und ihre Mitstreiter haben bisher zu keinem Zeitpunkt einen konstruktiven Beitrag in den erwähnten relevanten Fragen geliefert.“

    Es gibt kein Klimaproblem, also muss man es auch nicht lösen.

    Im Mittelalter hielt die Kirche Konzile ab, um herauszufinden, wie viele Engel es im Himmel gibt. Heute im öko-Sozialismus der Vereinten Nationen gibt es eben Klimakonferenzen, die herausfinden wollen, wie viel CO2 unsere Atmosphäre verträgt.
    In dieser Klima-Religions-Industrie entstehen eben viele sinnlose Arbeitsplätze. Und diese sinnlosen Jobs müssen erhalten bleiben wegen des Erhalt staatlicher Autorität, das ist der einzige Grund. Nicht unser Klima, sondern unsere Freiheit ist bedroht.
    Früher gab es in jeder Pfarrgemeinde einen Pfarrer, und heute muss eben jede Gemeinde einen Klimabeauftragten haben, denn das gehört sich so, oder?
    Klimaschützer sind genau so wissenschaftlich und überflüssig wie Gravitationsüberprüfer.

    Ich habe fertig.

  8. Dieter Leonard

    Es gibt keine Klimaprobleme und auch die Frage der künftigen Energieversorgung stellt sich laut dem von „grünen Schlümpfen“ verfolgten G. Scholzen nicht.
    Im Fachjargon heißt dies: Realitätsverweigerung.
    Es stimmt Herr Scholzen: Sie haben fertig.

  9. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Werter Herr Léonard.
    Eine Form der Realitaetsverweigerung besteht auch darin, wenn man blind anderen nachlaeuft, wie ein Schaf dem anderen, Richtig Abgund (gestuetzt auf irgendwelche Expertenmeinungen). Hat so manches Land und Volk ins Unglueck gestuerzt. Hinter sogenannten Experten stecken Interessen.

  10. Dieter Leonard

    @MSE
    Wenn sie damit meinen, dass es Menschen gibt, die unqualifizierten Klimaleugnern blind hinterherlaufen, statt sich eine Meinung anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse zu bilden, kann ich dem ersten Teil ihrer Schlussfolgerung nur zustimmen Herr Scholzen.
    Ihre abschließende Feststellung ist nichts anderes als blanker Unsinn.
    Nicht die Warnung vor drohenden Gefahren hat „so manches Land und Volk ins Unglück gestürzt“, sondern das Schweigen, Wegschauen und Leugnen von Gefahren.
    Welche Interessen hinter der Klimaleugnerszene allgemein und bei ihrem Bruder speziell stecken, muss ich ihnen nicht nochmal verdeutlichen. Sie kennen sie selbst.

  11. MARCEL SCHOLZEN eimerscheid

    Werter Herr Leonard,

    Es gab auch mal Zeiten, da wurden Rassentheorien von Wissenschaftlern formuliert und versucht zu beweisen. Und auf Grund einer Rassentheorie hatten auch die belgischen Kolonialherren die Bevölkerung von Burundi und Ruanda in diverse Klassen aufgeteilt, in „Hutu“, „Tutsi“ und „Twa“. Die Folgen waren bekanntlich schrecklich und erreichten ihren Höhepunkt mit einem Völkermord in den 90er Jahren. Ebenso die Rassentheorie der Nazis. Die wurde auch von Wissenschaftlern unterstützt und versucht zu beweisen. Zum Beispiel gab es 1938/39 eine Deutsche Tibet-Expedition, die von der SS organisiert wurde, die „nach Indizien suchte für die Hypothese, in der Abgeschiedenheit des Himalaya hätten sich Reste ur-arischer Populationen erhalten.“ (Zitat Wikipedia).

    Und darum bin ich vorsichtig bezüglich wissenschaftlicher Theorien. Man muss nicht alles glauben.

  12. Wahl, Joachim

    In den 40 Jahren, in denen der Herr Professor vor der Erwärmung warnt, sollte ihm aufgefallen sein, dass es seit 20 Jahren keine Erwärmung gegeben hat. Desweiteren hat er versäumt, in 40 Jahren den physikalischen Beweis sowie die Aussage seiner Behauptung wissenschaftlich zu beweisen. „Glauben und wiederholen“ reicht nicht. Das Ignorieren von thermodynamischen Prozessen auch nicht. Das Beschimpfen von Kritikern als „Klimaleugner“ ebenfalls nicht. In der Vergangenheit hat es Sommer gegeben, die viel heisser waren und länger andauerten. Die NASA hat unlängst Temperturen von nahezu -100° Celsius in der Antarktis gemessen. Bis dato lag der Kälterekord bei -92,8°. Was hat der Professor denn dazu zu sagen? „Radwege ausbauen“!!!

  13. Alexander Hezel

    Fantastische Milchmädchenrechnung Herr Wahl, aber ich habe nichts anderes erwartet: Vergangene Woche war es auch wärmer als in dieser Woche, das heißt aber nicht, dass es langfristig kühler wird. Genauso verhält es sich mit ihren „20 Jahren“: selbst wenn es keinen Temperaturanstieg in diesen 20 Jahren gab, steigt die Durchschnittstemperatur dennoch langfristig, stetig und vor allem immer rascher an. Hitzeperioden mag es der Menschheitsgeschichte schon gegeben haben, aber noch nie haben sie so sehr wie heute unser aller Fortbestand bedroht. Wenn man sich aber die Zahlen zurechtschustert, damit sie ins klimawandelleugnerische Weltbild passen, dann ist man für solche langfristigen Überlegungen und Perspektiven wahrscheinlich unempfänglich…

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