Besuch im Repair-Café von Ixelles

Die Kaffeemaschine kocht keinen Kaffee mehr, der Drucker druckt auch mit frisch gekaufter Tinte nicht, und das Radio findet keinen Sender. "Reparieren kann man die Sachen heutzutage nicht mehr", hört man da häufig. Deswegen haben viele den Reflex, das Gerät einfach zu ersetzen beziehungsweise wegzuwerfen. Das muss aber nicht die einzige Option sein. Immer mehr Menschen gehen mit dem defekten Teil zu einem sogenannten "Repair-Café".

Kaffeemaschine

Bild: Funsworks/Pixabay

Das Dampfbügeleisen von Antoine ist kaputt. Wegwerfen möchte er es aber nicht. Deshalb ist er ins Repair-Café Ixelles gekommen. Hier hofft er, das Gerät reparieren zu können. Am Eingang nimmt Julia ihn in Empfang. Julia möchte wissen, ob das Bügeleisen reparabel ist. Antoine glaubt schon.

Das Repair-Café findet jeden ersten Sonntag im Monat im Kulturzentrum Elzenhof in der Brüsseler Stadtgemeinde Ixelles statt. Repair-Café, das heißt: Profis und Hobby-Bastler helfen anderen Leuten beim Reparieren. Zum Beispiel von kaputten Elektrogeräten oder auch kleineren Näharbeiten – und das kostenlos. Dazu gibt es Kaffee und Kuchen.

Antoine ist begeistert von dem Konzept. Er sagt: „Ich bin nicht der größte Bastler auf Erden. Da ist es praktisch, jemanden zu haben, der sich auskennt und der die passenden Werkzeuge hat.“

Die Idee des Repair-Cafés stammt ursprünglich aus den Niederlanden, erklärt Martine Depauw. Sie war schon dabei, als vor fünf Jahren das allererste Repair-Café in Brüssel stattfand, damals auch schon in Ixelles. Seitdem habe sich aber einiges getan. Denn mittlerweile gibt es in jeder Gemeinde Brüssels mindestens ein Repair-Café. Seitdem sei der Andrang auch nicht mehr so groß, sagt Martine. Und das sei auch gut so, denn anfangs kamen jedes Mal sehr viele Leute.

Martines Kollege Philippe ist Hauptorganisator des Repair-Cafés in Ixelles. Für den Grundschullehrer geht es dabei auch darum, das Phänomen der sogenannten geplanten Obsoleszenz zu bekämpfen: Also wenn der Hersteller die Lebensdauer seiner Produkte absichtlich begrenzt hat. Nach einer bestimmten Zeit geht dann einfach etwas kaputt oder funktioniert nicht mehr, erklärt Philippe. Deshalb werde zu viel weggeschmissen und neu gekauft, obwohl es gar nicht schwer wäre, es zu reparieren. Dagegen anzukämpfen sei auch die Motivation der Gründer der ersten Repair-Cafés gewesen:

In den letzten Jahren hat sich in Belgien und anderen Ländern eine Art Szene rund um Repair-Cafés herausgebildet. Es gibt auch eine Internetseite, die die verschiedenen Repair-Cafés in Belgien koordiniert: repairtogether.be. Die Homepage ist eine Initiative der Gründer des Repair-Cafés Ixelles. Dort finden Interessierte Termine und Informationen zu Repair-Cafés in ganz Belgien.

Und Antoine und sein Dampfbügeleisen? Hobby-Bastler Pierre hat sich der Sache angenommen. Vermutlich ist der Schlauch das Problem. Das kann man noch reparieren – da freut sich Antoine.

Peter Eßer

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