Studenten-Lied mit grenzwertigem Inhalt sorgt für Proteste

Studententaufen gehören an belgischen Universitäten immer noch zum guten Ton. "Bleus" müssen einige Aufgaben bewältigen, um in eine Studentenvereinigung aufgenommen zu werden. Zur Tradition der Studententaufen gehören auch die Studentenlieder. Eins davon hat beim Festival des belgischen Studentenliedes für Aufregung gesorgt. Denn für einige Ohren überschritt der Liedtext die Grenzen des noch Zulässigen.

Saint-Ve: Fest der Studenten der ULB in Brüssel

Illustrationsbild: Virginie Lefour/Belga

„Analverkehr“ ist noch das unverfänglichste Wort in dem Lied der Gruppe, die sich auch „Nochmal ein doppelter Analverkehr“ nennt. Sie singen über Schließmuskel, große Schwänze und kleine Hinterteile. Der Titel des Lieds: „Eine letzte Sodomie“.

Acht studentische Vereinigungen hatten sich im Vorfeld des Festivals des belgischen Studentenliedes, das vom Cercle Polytechnique der Freien Universität Brüssel ULB organisiert wird, über diesen Song beschwert. Das Lied überschreite die Grenzen des Lustigen. Vielmehr könnte man das Lied als eine Verherrlichung von Gewalt beim Sex ansehen. Oder auch als Aufruf zur Vergewaltigung.

„Es könnte auch ein Lied über eine Vergewaltigung sein, in dem kritisiert wird, was geschieht. Und das die Leute anklagt, die so etwas machen. Aber in diesem Fall passiert das nicht“, erklärt Lucile Bazantay, eine der Studentinnen, die sich gegen das Lied eingesetzt hatte, in der RTBF. „Das Lied soll nur zum Lachen animieren, kritische Gedanken werden ausgeblendet. Die Leute scheinen sich nicht bewusst zu sein, was für eine Wirkung dieses Lied haben kann. Das ist eine Form von Leichtsinnigkeit, die sexuelle Gewalt und seine Folgen banalisiert.“

Der Protest der studentischen Vereinigungen stieß bei den Organisatoren des Festivals auf Ablehnung. „Dieses Festival darf man auf keinen Fall zu ernst nehmen“, sagt Thomas Defoin, Präsident der Studentenvereinigung Cercle Polytechnique. „Es geht um Witz, Humor, und natürlich wird es da auch Lieder geben, die ein bisschen schwer zu verdauen sind. Und wenn man diesen Aspekt halt weit dehnt, klar, dann werden sicher auch manchmal einige Befindlichkeiten verletzt.“

Kein Verbot

Blieb also noch die Universitätsleitung, um das Lied aus dem Wettbewerb zu ziehen. Doch auch da hatten die Proteste keinen Erfolg. „Die Universitätsleitung hat entschieden, dieses Lied nicht zu verbieten“, erklärt Laurent Licata, ULB-Co-Rektor und Beauftragter für Genderpolitik. „Allerdings haben wir uns mit den Veranstaltern des Festivals zusammengesetzt, damit vor dem Lied das Ganze durch einführende Worte in einen bestimmten Kontext gestellt wird. Aber das Lied haben wir natürlich nicht verboten.“

Der Cercle Polytechnique hat sich aufgrund der Diskussionen um das Lied dazu verpflichtet, einen Dialog mit dem feministischen Studentinnenverband aufzunehmen, und eine öffentliche Diskussion zu veranstalten zu dem Thema: „Kann man über alles lachen?“

Lucile Bazantay bleibt dennoch kritisch. „Ich bin auch bei der Aufnahme an der Uni getauft worden. Auch für mich ist Folklore etwas Wichtiges an der ULB, was man als Tradition behalten sollte. Aber man sollte über die Formen der Folklore neu nachdenken.“

Kay Wagner

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