100 Jahre Minenschlacht: Gedenkfeier in Mesen

Hoher Besuch am Mittwoch in Westflandern: Der britische Prinz William war neben Vertretern Australiens, Neuseelands und Kanadas gekommen, um auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges der Schlacht von Mesen zu gedenken, die vor genau 100 Jahren begann.

Prinz William und Prinzessin Astrid am Mittwoch bei den Gedenkfeiern in Mesen

Prinz William und Prinzessin Astrid am Mittwoch bei den Gedenkfeiern in Mesen

7. Juni 1917, 3:10 Uhr: Ein Offizier gibt ein diskretes Startzeichen, auf das man monatelang hingefiebert hatte. Eine Explosion, nein, nicht eine, 19 gewaltige Sprengsätze explodieren zeitgleich. Deponiert war der Sprengstoff in unterirdischen Stollen, die australische, neuseeländische, kanadische und britische Mineure gegraben hatten. Die Gänge führten genau bis unter die deutschen Stellungen.

Rund anderthalb Jahre hatte man für die Grabungen gebraucht. Die Tunnelenden wurden dann buchstäblich vollgestopft mit Sprengstoff. Die deutschen Schützengräben wurden also buchstäblich unterminiert. Das war aus deshalb möglich, weil sich der Frontverlauf ja monatelang so gut wie nicht verändert hatte. Einige der Sprengsätze explodierten nicht – aber immerhin: 19 Minen mit durchschnittlich 21 Tonnen Sprengstoff, die gleichzeitig hochgehen. Die Detonation muss gewaltig gewesen sein.

Eine der größten nichtnuklearen Explosionen aller Zeiten

„Plötzlich hob sich der Boden“, so schilderte ein Augenzeuge in einer BBC-Reportage von 1964 seine Eindrücke. „Dann: eine Fontaine aus Dreck und Steinen, die aussah wie eine gewaltige, dunkle Zypresse, die einen Kilometer hoch in den Himmel schoss. Und im selben Moment wurden wir dann auch schon von der Druckwelle buchstäblich umgeblasen.“

Die Detonation gilt bis heute als eine der größten nichtnuklearen Explosionen aller Zeiten. Es heißt, der Knall sei bis London zu hören gewesen.
Nach Schätzungen wurden etwa 10.000 deutsche Soldaten auf einen Schlag getötet.

Ort des Geschehens war Mesen. Im englischsprachigen Raum ist der Ort unter seiner französischen Bezeichnung Messines bekannt. Strategisch wichtig war der Ort, weil er etwas höher lag als das umliegende, flache Feld. In den weiten Ebenen Westflanderns war gerade in dieser Zeit eine kleine Anhöhe Gold wert.

Vorangegangen war tagelanges Trommelfeuer – ein Stahlgewitter, das am 21. Mai eingesetzt hatte. Nachdem am frühen Morgen des 7. Juni dann die Minen gesprengt worden waren, starteten die Briten ihre Offensive. Wegen der 19 gewaltigen Explosionen brachen die deutschen Verteidigungslinien schnell zusammen. Messines wurde eingenommen. Der Preis waren aber immer noch schwere Verluste auf beiden Seiten.

Militärstrategisch nutzlose Offensive

Auch, weil sich im Grunde seit Ende 1914 der Frontverlauf so gut wie gar nicht mehr verschoben hatte, gilt die Schlacht bei Messines als erfolgreichste Offensive der Alliierten im Ersten Weltkrieg. Die Briten werden von ihrem Generalstab aber erstmal in ihrem Elan gestoppt: Die Führung in London will weiter Kräfte bündeln, um dann die eigentliche Großoffensive zu starten, die als Dritte Flandern- oder Ypernschlacht in die Geschichte eingehen sollte. Ziel waren die Häfen von Ostende und Seebrügge, von wo aus die deutschen U-Boote operierten.

Dieses Ziel haben die Alliierten nie erreicht. Die Offensive endete am 6. November 1917 mit der Eroberung des Dorfes Passendale. Gebracht habe das Ganze eigentlich nichts, sagte auch Jean-Michel Sterkendries, Professor an der Königlichen Militärakademie, in der RTBF. 500.000 Tote auf beiden Seiten. Gemessen an diesem Blutzoll waren die Geländegewinne waren minimal. Das Ziel hat man bei weitem verfehlt. Militärstrategisch war die Offensive nutzlos.

Trotz des spektakulären Auftakts mit der Sprengung der 19 Minen steht also auch diese Schlacht mehr denn je für die absolute Sinnlosigkeit in allen Belangen, gerade des Ersten Weltkrieges.

Gedenkfeiern

Eben zum 100. Jahrestag der Sprengung der Minen wurde am Mittwoch noch einmal der buchstäblich unzähligen Opfer der Flandernschlachten gedacht. Briten, Neuseeländer, Australier, Kanadier, sie alle haben an ihre Soldaten erinnert, die in Flandern gefallen sind. Für Großbritannien war sogar eigens Prinz William angereist – ohne Prinzessin Kate, übrigens.

Doch nicht nur die Heldenfriedhöfe im Westhoek erinnern an die Schlachten des Ersten Weltkrieges. Gerade der 7. Juni 1917 hat buchstäblich Narben in das Gelände geschlagen. Die Explosionen waren so gewaltig, dass sie riesige Krater hinterließen. Viele von ihnen existieren noch. Es sind inzwischen Teiche, die sich so ein bisschen wie Perlen auf dem damaligen Frontverlauf aufreihen.

Diese „unnatürlichen“ kleinen Seen wolle er jetzt unter Schutz stellen, sagte der für Denkmalschutz zuständige flämische Ministerpräsident Geert Bourgeois. Diese Krater seien stille Zeugen dieser ebenso blutigen wie strategisch sinnlosen Schlachten. „Das Ganze lässt uns nachdenken über Krieg und Frieden“, sagte Bourgeois.

Roger Pint - Bild: Emmanuel Dunand/AFP

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