Manchester-Attentäter hatte Kontakt nach Belgien

Die Zeitung Het Laatste Nieuws berichtet am Dientag, dass der Attentäter des Terrorangriffs in Manchester vor zwei Wochen, Salman Abedi, Kontakte nach Belgien gehabt hatte. Journalisten der Zeitung New York Times haben darüber mit US-Geheimdienstmitarbeitern gesprochen.

Salman Abedi

Salman Abedi

Salman Abedi soll mehrmals nach Belgien telefoniert haben. In Belgien soll es nämlich einen Mittelsmann gegeben haben beziehungsweise immer noch geben, der eine Art Bindeglied zwischen Salman Abedi und einer Eliteeinheit des Islamischen Staats in Libyen war. Dieser Mann soll sich abwechselnd mal in Deutschland, mal in Belgien aufgehalten haben – und eben Informationen zwischen dem künftigen Attentäter und der Eliteeinheit übermittelt haben.

Diese Eliteeinheit selbst soll – und das ist auch noch interessant – wiederum großen Einfluss auf belgische Dschihadisten haben. Die mittlerweile  verbotene Salafistenvereinigung Sharia4Belgium soll im Namen dieser Eliteeinheit Kämpfer aus Belgien und Frankreich nach Syrien geschleust haben. Darunter war ja auch der künftige Kopf der Pariser Anschläge vom November 2015, der in Brüssel geborene Abdelhamid Abaaoud.

Es scheint also, dass diese Eliteeinheit vom IS schon jahrelang Kontakte nach Belgien gepflegt hat und über Belgien ihre Aktivitäten in Europa koordiniert hat.

Battar Brigade wird diese Eliteeinheit genannt und besteht im Kern aus Kämpfern aus Libyen, die teilweise schon in Afghanistan und im Irak gekämpft haben. 2012 gehörten sie zu den allerersten ausländischen Dschihadisten, die für den IS nach Syrien kamen. Sie sollen sehr tapfer und furchtlos sein, eben eine Eiliteeinheit. Spätestens Anfang 2015 war die Eliteeinheit aber wieder in Libyen. Die IS-Spitze soll sie dahin zurückgeschickt haben, um von dort die Terrormiliz zu unterstützen.

Die Experten, die die New York Times zitiert, gehen davon aus, dass die Eilteeinheit damals auch bewusst den Auftrag bekommen hat, von Libyen aus dann Anschläge in Europa vorzubereiten. Quasi als lenkende, planende Basis der Attentäter in Europa. Libyen deshalb, weil dort nicht so intensiv gegen den IS gekämpft wird, wie in Syrien und im Irak. Mehr Ruhe also, um Anschläge in Europa vorzubereiten.

Weitere Fakten

Man kann beobachten, dass die Anschläge in Europa tatsächlich mit dem Anschlag auf Charlie Hebdo Anfang 2015 so richtig losgingen. Für den Pariser Anschlag scheinen die Verbindungen zwischen der Eliteeinheit und den Attentätern ja klar. Und auch der deutsche Selbstmordattentäter Anis Amri hatte auch nach Libyen telefoniert, bevor er im Dezember den Anschlag in Berlin ausführte. Auch hier gehen Experten davon aus, dass er die Anweisungen eben aus Libyen und dann wahrscheinlich von besagter Eliteeinheit bekommen hat. Beim Manchester-Attentäter war es dann ja jetzt genauso.

Davon ausgehen, dass auch in Belgien bald wieder etwas passieren wird, muss man nicht. Da müsste man jetzt spekulieren. Aber es liegt auf der Hand, dass diese engen Kontakte, die es zwischen dieser Eliteeinheit und belgischen Dschihadisten gibt, nicht unbedingt zur Beruhigung der Belgier beitragen. Da muss man einfach den belgischen Geheimdiensten vertrauen.

Und dass die nicht untätig sind, das hat man gerade erst wieder erfahren. Es gab laut der Zeitung La Libre Belgique am Dienstag mehr als ein Dutzend Hausdurchsuchungen landesweit in Belgien, allein acht in der Brüsseler Stadtgemeinde Schaerbeek. Zwölf Personen sollen dabei festgenommen worden sein. Alles im Zusammenhang mit den Attentaten von Brüssel.

Da scheinen die belgischen Geheimdienste also durchaus wachsam zu sein. Aber gerade die Anschläge in England haben auch gezeigt: Alles kann man auch durch beste Prävention nicht verhindern.

Kay Wagner - Bild: AFP