Vor 50 Jahren: Inno-Großbrand in Brüssel fordert über 250 Menschenleben

Es ist ein Ereignis, an das sich sicher alle Belgier der älteren Generation erinnern. Und es ist ein Ereignis, das das Land nachhaltig geprägt hat: der Brand des Kaufhauses Innovation in der Brüsseler Innenstadt. 50 Jahre ist es am Montag her, als Flammen das Kaufhaus verwüsteten. So viele Menschen wie damals kamen seitdem nicht mehr bei einem Brand in Belgien ums Leben.

Inno-Großbrand am 22. Mai 1967

22. Mai 1967: Das große Kaufhaus Innovation in der Brüsseler Innenstadt brennt. Hunderte von Kunden befinden sich zu dieser Zeit im Kaufhaus, werden von Flammen und Rauch eingeschlossen. Menschen werden zu lebenden Fackeln. Menschen, die von hohen Etagen in die Tiefe springen – manchmal in den Tod. Die offizielle Bilanz wird später 251 Tote zählen und 62 Verletzte.

Über den Grund des Brandes herrschte lange Ungewissheit. Viele gingen damals von einem Anschlag aus. Kommunisten, so hieß es, sollten den Brand gelegt haben. In der Brüsseler Rue Neuve, wo das Kaufhaus stand, fand zur gleichen Zeit eine amerikanische Woche statt, der Protest gegen den Vietnam-Krieg lief auf Hochtouren.

Die Theorie vom Anschlag konnte nie wirklich nachgewiesen werden. Neuen Nährstoff für sie bietet ein neuer Roman. Johan Swinnen von der Freien Universität Brüssel hat ihn geschrieben. Swinnen hatte bei dem Brand seine Eltern verloren.

Kurzschluss und Gasleck

Der Historiker Siegfried Evens von der Katholischen Universität Löwen kommt dagegen zu einem anderen Ergebnis. Er hat sich wissenschaftlich mit dem Brand beschäftigt. Und in seinem Buch zieht er den Schluss, dass die Theorie vom Anschlag falsch ist. Ursache für den Brand war laut Evens eine kleine Lampe in einer Zwischendecke eines Lagerraums. Diese Lampe hat einen Funken geschlagen. Gleichzeitig gab es ein Gasleck. Und in einer Umgebung, wo viel Gas in der Luft lag, konnte sich der Brand – durch den Funken entfacht – schnell ausbreiten.

Das alles geschah zu einer Zeit, in der sich viele Menschen im Kaufhaus aufhielten: nämlich zur Mittagszeit. Das Restaurant in der dritten Etage war gut gefüllt, rund 200 Menschen sollen allein dort gewesen sein, als um 13:20 Uhr eine Verkäuferin erstmals Brandgeruch in die Nase bekam. Einige Minuten später wird Feueralarm ausgelöst. Doch die Bediensteten interpretieren das Signal zunächst falsch: Ende der Mittagspause denken sie. Erst Minuten später wird klar, um was es sich handelt.

Eine halbe Stunde später trifft die Feuerwehr ein. Die Flammen hatten sich unterdessen rasch ausgebreitet. Dabei half auch die Gebäudekonstruktion. Das sagt Alain George, ehemaliger Leiter des belgischen Vereins für Brandschutz (ANPI), der sich nach der Katastrophe von vor 50 Jahren gegründet hatte. Das Kaufhaus, so George in der RTBF, habe aus einer ungesicherten Metallkonstruktion bestanden. Die leiste einem Feuer nur 15 bis 20 Minuten Widerstand. Bei der Größe des Feuers musste es dann zwangsläufig zu einer Katastrophe kommen. Außerdem habe es nicht genügend Notausgänge gegeben. Die Treppen seinen nicht vom Rest des Gebäudes abgetrennt gewesen, hätten keinen Schutz gegen die Ausbreitung des Feuers geboten.

Allgemein hätte damals, in den 60er Jahren, in Belgien noch das Bewusstsein dafür gefehlt, dass solche großen Gebäude wie das Kaufhaus in Flammen aufgehen könnten. Der Brand von Innovation in Brüssel habe das geändert. Heute sind Brandschutzvorrichtungen in allen Geschäften Pflicht. Es habe halt dieser Katastrophe von vor 50 Jahren bedurft, um dorthin zu gelangen, sagt Alain George.

Gedenkveranstaltung

An den Brand erinnert heute noch eine kleine Inschrift am Eingang des aktuellen Gebäudes von Innovation in der Brüsseler Innenstadt, in der Rue Neuve. Auf französisch und niederländisch ist dort zu lesen: „Wir gedenken respektvoll der Opfer der Tragödie vom 22. März 1967.“ Opfer, die man übrigens nicht alle identifizieren konnte. Deshalb ist die Zahl von offiziell 251 auch nicht unumstritten. Die Feuerwehr spricht immer noch von 323 Toten, zunächst war man von rund 450 Toten ausgegangen. Historiker Evens glaubt allerdings, mit 251 die richtige Zahl zu nennen.

Allen Opfern wurde auf dem Friedhof der Brüsseler Stadtgemeinde Evere ein Denkmal errichtet. Am Montagvormittag um 11:00 Uhr fand dort die offizielle Gedenkveranstaltung statt, an der neben Überlebenden und Familienmitgliedern von Opfern auch viele politische Vertreter teilnahmen.

Kay Wagner - Archivbild: BELGA

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