Ein Jahr nach den Anschlägen: Rückkehr in ein neues Leben

In dieser Woche blickt Belgien auf das wohl schmerzhafteste Ereignis seit dem Zweiten Weltkrieg zurück: die Terroranschläge vor einem Jahr. Wir stellen zwei Frauen vor, die die Bombenanschläge trotz ihrer schweren Verletzungen überlebt haben und die, ein Jahr danach, langsam wieder in den Alltag zurückkehren. Es ist die Geschichte von der Rückkehr…in ein neues Leben.

Die indische Stewardess Nidhi Chaphekar ist am Montag von König Philippe und Königin Mathilde empfangen worden

Die indische Stewardess Nidhi Chaphekar ist am Montag von König Philippe und Königin Mathilde empfangen worden

Béatrice De Lavalette wird von ihrer Mutter auf ihr Pferd gehoben. Ein Mal die Woche kommt die 18-Jährige in die Reithalle und geht ihrem alten Hobby nach. Auf dem Rücken ihres Schimmels kann sie das ganze Leid und die Schmerzen der letzten Monate vergessen.

Béatrice wurde bei den Explosionen in der Abflughalle von Zaventem schwer verletzt. Die Ärzte mussten der jungen Frau beide Unterschenkel amputieren. „Hier kann ich den Stress ablegen, alles Schlechte hinter mir lassen“, erklärt Béatrice, die trotz ihrer schweren Behinderung inzwischen wieder selbständig reiten kann. Die junge Frau hat sogar einen Traum: Sie möchte bei den Paralympics 2020 in Tokyo antreten, den Olympischen Spielen für Personen mit einer Behinderung.

Nidhi Chaphekar ist seit Sonntag wieder in Brüssel. Zum ersten Mal seit den Anschlägen kehrt die indische Flugbegleiterin in die Abflughalle des Brussels Airports zurück. Ihr Foto ging damals um die Welt: Verstörter Blick, staub- und blutüberströmt mit zerrissenen Kleidern auf einer Bank Flughafen sitzend. Das Bild entstand mitten im Chaos, kurz nach den Explosionen. „Ich habe mich damals so hilflos gefühlt. Um mich herum schrien die Menschen um Hilfe. Ich stand unter Schock und konnte nichts machen“, erinnert sich die 43-Jährige an den 22. März 2016.

Die Ereignisse von Paris oder Szenarien aus brutalen Filmen im Hinterkopf habend, hatte sie furchtbare Angst, dass der Spuk noch nicht vorbei war und dass nach den Explosionen andere Terroristen mit Maschinenpistolen ein weiteres Blutbad anrichten könnten. Deshalb stellte Nidhi sich zunächst tot. Vorsichtig öffnete sie später ihre Augen, doch wegen der starken Rauchentwicklung und des Staubs konnte sie kaum etwas erkennen.

Richtig wach wurde sie erst im Krankenhaus in Antwerpen. Um den geschwächten Körper der Inderin zu schonen, haben die Ärzte sie einen Monat lang ins künstliche Koma versetzt. Ein Jahr danach geht es Nidhi viel besser. Abgesehen von Verbrennungen an den Händen macht inzwischen „nur“ noch ihr rechter Fuß Probleme und wird ein weiteres Mal operiert werden müssen.

Hinter ihr liege ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Sie habe aber gelernt, die Ereignisse hinter sich zu lassen und sich nicht mit Fragen wie „Warum ich?“ zu quälen. Stattdessen genieße sie nun das Hier und Jetzt.

Alain Kniebs - Bild: Eric Lalmand/BELGA

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