Bierkultur in Belgien als Unesco-Kulturerbe anerkannt

Wir Belgier wussten es ja schon immer: Unser Bier ist etwas ganz Besonderes. Eine Art Bestätigung kommt jetzt von den Vereinten Nationen, genauer gesagt von der Unesco, die die Bierkultur in Belgien in ihre Liste aufnimmt und als "immaterielles Kulturerbe" weltweit anerkennt.

Belgische Bierkultur ist Unesco-Weltkulturerbe: Für Flanderns Kulturminister Sven Gatz, Alda Greoli, Kulturministerin der Französischen Gemeinschaft, Jean-Louis Van de Perre, Vorsitzender der belgischen Brauer, und Isabelle Weykmans, Kulturministerin der Deutschsprachigen Gemeinschaft, ein guter Grund auf der Brüsseler Grand Place anzustoßen

Belgische Bierkultur ist Unesco-Weltkulturerbe: Für Flanderns Kulturminister Sven Gatz, Alda Greoli, Kulturministerin der Französischen Gemeinschaft, Jean-Louis Van de Perre, Vorsitzender der belgischen Brauer, und Isabelle Weykmans, Kulturministerin der Deutschsprachigen Gemeinschaft, ein guter Grund auf der Brüsseler Grand Place anzustoßen

Die Entscheidung ist am Mittwochvormittag im äthiopischen Addis Abeba gefallen. Die DG hatte den Antrag bei der Unesco gestellt.

Für das belgische Bier ist die Entscheidung der Unesco schon eine große Ehre und eine wichtige Anerkennung, auf die man als Belgier besonders stolz sein darf. Und es ist ein Entscheid mit einer weltweiten Dimension, denn diese Liste der Unesco mit dem immateriellen Kulturgut ist – genau wie das Weltkulturerbe – auf dem ganzen Planeten gültig.

Man muss sagen: Es ist nicht das belgische Bier, das aufgenommen worden ist, sondern die belgische Bierkultur. Das heißt die Vielfalt, die Jahrhunderte alte Tradition und der Stellenwert, den Bier hierzulande hat.

Anerkannt wird alles, was mit Bier zu tun hat in Belgien – und das ist besonders viel. Es gibt mehr als 1.500 verschiedene Sorten: Spezialbiere, Fruchtbiere, Abteibiere etc. Und ständig kommen welche dazu. Es gibt fast 200 Brauereien in Belgien. Bier wird hier zelebriert, es gibt Bierfeste. Fast jede Sorte hat ihr eigenes Glas. Besondere Bräuche und Rituale gibt es. Bier ist in Belgien Kultur und deswegen also die Aufnahme in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes.

DG hat Antrag bei Unesco gestellt

Den Antrag bei der Unesco hat nicht der Föderalstaat, sondern die kleine Deutschsprachige Gemeinschaft gestellt. Kultur ist in Belgien nämlich Sache der Gemeinschaften. Und weil Flandern und die Französische Gemeinschaft schon andere, eigene Projekte auf der Warteliste hatten und damit es schneller geht, haben sie gemeinsam mit den belgischen Bierbrauern 2013 in Ostbelgien angeklopft und um Hilfe gebeten.

2014 hat die Deutschsprachige Gemeinschaft den Antrag dann eingereicht und am Mittwochmorgen ist die Entscheidung dann gefallen – sozusagen Schützenhilfe aus Eupen für ganz Belgien. „Die Anerkennung durch die Unesco ist die Krönung der Arbeit zahlreicher Bierbrauer, Bierliebhaber, Bierförderer und Zythologen, die unserer Bierkultur zu einem Status verholfen haben, der sie erhaltenswert macht“, wird Ministerin Weykmans in der Pressemitteilung zitiert.

„Diese Anerkennung wird der belgischen Bierkultur noch mehr Glanz und Ausstrahlung verleihen. Ich freue mich ganz besonders, dass die Deutschsprachige Gemeinschaft als kleinste Gemeinschaft des Landes einen so wichtigen Beitrag zur Anerkennung einer Kultur leisten konnte, die Teil unserer Identität ist und auf die wir alle stolz sind und stolz sein dürfen.“

Das gesamte Land profitiert jetzt von dieser Anerkennung – allen voran die belgischen Bierbrauer. Vielerorts auf der Welt will man dieses „belgische Bier“ jetzt sicher probieren wollen. Aber nochmal zum Verständnis: Es ist die belgische Bierkunst die Kulturerbe geworden ist, nicht das Bier an sich. Das heißt, es darf jetzt nicht ein Unesco-Logo auf die belgischen Bierflaschen geklebt werden.

Anerkennung wird bei Vermarktung helfen

Aber: Die Anerkennung wird natürlich bei der Vermarktung helfen – und der Biersektor in Belgien ist ziemlich groß. Letztes Jahr sind hierzulande fast 20 Millionen Hektoliter Bier hergestellt worden. Tendenz steigend, obwohl die Belgier immer weniger trinken.

Heißt also: Es fließt immer mehr in den Export. Mittlerweile sind es über 60 Prozent. Es geht viel nach Frankreich, Italien, in die USA und nach China. Belgisches Bier bekommt man fast überall auf der Welt. Und inzwischen ist klar: Wir exportieren nicht nur Gerstensaft, sondern auch ein Stück Kultur, das jetzt zum immateriellen Kulturerbe der Unesco gehört.

Übrigens auf dieser Liste befinden sich für Belgien schon unter anderem der Karneval von Binche, die Heilig-Blut-Prozession von Brügge und das Krabbenfischen auf Pferden in Oostduinkerke.

mitt/km/akn/mg - Bild: Thierry Roge/BELGA

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5 Kommentare
  1. Jean-Pierre DRESCHER

    Es scheint sonst echt keine anderen Probleme im Land zu geben. Die Alkis auf den Straßen und Komasaufen auf kommerziellen Parties hinter jeder Dorfhecke im Busch, all das habe ich mir anscheinend nur eingebildet und unsere Jugend von alt bis jung rennt stattdessen in allen Provinzen von Flandern und Wallonien nur so die Bibliotheken ein um Goethe, Schiller und Kant von Freitag abend bis Montag früh zu lesen ….

  2. Kerstges Angela

    oh nein ! Auf solche ! Anerkennung kann ich verzichten für unser Land ! Ruft bei mir, einen unappetitlichen Nebengeschmack hervor !

  3. Ramscheid Bernard

    Das ist doch toll! Seid doch nicht so negativ!

  4. Hermann Grabowski

    In der ursprünglichen Bedeutung ist Wort „toll“ eher negativ belegt, und zwar im Sinne von „töricht, umnebelt, betäubt 😉

  5. Ramscheid Bernard

    Das ist doch „wunderbar“!

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