Die Presseschau von Montag, dem 1. August

Auf den Titelseiten strahlen heute die niederländische Tour de France-Siegerin und das englische Frauenfußball-Team um die Wette. Manche Leitartikel greifen ebenfalls den Frauensport auf, es geht aber auch um den trockenen Sommer, den Ukraine-Krieg und seine geopolitischen Auswirkungen, sowie um die Inflation im Vereinigten Königreich.

Annemiek Van Vleuten

Annemiek Van Vleuten (Bild: Jeff Pachoud/AFP)

„Van Vleuten hat ihre Gegnerinnen in Grund und Boden gefahren“, titelt Het Laatste Nieuws. „Jetzt auch der Toursieg für die Radsportkönigin Annemiek van Vleuten“, schreibt De Standaard auf Seite eins. „Annemiek ist die Königin der Tour de France“, so die Schlagzeile von L’Avenir. Erstmal sieht man die Niederländerin Annemiek van Vleuten auf vielen Titelseiten. Sie hat ja gestern die Tour de France der Frauen gewonnen. Zu sehen sind aber auch die englischen „Löwinnen“: „England gewinnt die Frauen-EM“, schreibt Le Soir auf Seite eins. „Die englischen Fußballfrauen erobern ihren ersten europäischen Titel“, so die Schlagzeile von De Standaard.

Frauensport konsequenter fördern!

„Frauen an die Spitze!“, fordert denn auch Het Nieuwsblad in seinem Leitartikel. Der Sommer 2022 mag für einige Ereignisse in Erinnerung bleiben: Es gab wieder die ersten Corona-freien Festivals, in der Tour de France waren die Belgier obenauf, und es war einer der trockensten Sommer aller Zeiten. Es war aber auch der Sommer, in dem Frauensport endlich die Aufmerksamkeit bekam, die ihm längst zusteht. Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen und die Tour de France der Frauen haben auch hierzulande für hohe Einschaltquoten gesorgt, und das trotz der Tatsache, dass die Belgierinnen hier allenfalls in Nebenrollen zu sehen waren. Damit ist auch das Königsargument vom Tisch, nämlich dass es doch nur folgerichtig sei, dass Frauen im Leistungssport weniger verdienen als Männer, eben, weil die Aufmerksamkeit geringer sei. Bis zu einer Gleichbehandlung ist es aber noch ein weiter Weg. Sport ist und bleibt nämlich eine Männerbastion.

„Platz den Frauen“, so auch die Parole von L’Avenir. Der gestrige Tag gehörte dem Frauensport. Erst der beeindruckende Tour-Sieg von Annemiek van Vleuten, dann gewinnt eine Frauenmannschaft die 24 Stunden von Francorchamps in ihrer Kategorie, und dann noch das sehenswerte EM-Finale, in dem die Engländerinnen die Mannschaft aus Deutschland besiegten. In allen drei Fällen gab es tolles Spektakel und stimmten auch die Einschaltquoten. Heißt das also, dass wir in Zukunft mehr davon bekommen werden? Fraglich! Vorher müssten sich wohl noch die Mentalitäten verändern. Hier sind vor allem die Medien gefragt. Sie müssen den Mut haben, Frauensport noch konsequenter zu fördern, und nicht nur einmal im Jahr, im Sommer, wenn eine große Meisterschaft ansteht.

Vom „kranken Mann Europas“ und vom kranken Klima

Auch Le Soir kommt auf den Sieg der Löwinnen zurück. Der Gewinn der Europameisterschaft der Frauen müsste England doch eigentlich Auftrieb geben. Doch der am Abend demonstrativ zur Schau gestellte Stolz kann nicht die allgemeine Depression verbergen, in der Großbritannien gerade versinkt. Das Land, dem einst ein Empire gehörte, in dem die Sonne nie unterging, dieses Land kriegt gerade die Folgen seines EU-Austritts mit voller Wucht zu spüren. Eine zweistellige Inflationsrate, das niedrigste Wachstum unter den G7-Staaten, eine explodierende Staatsschuld: Man fühlt sich in die dunklen 1970er Jahre zurückversetzt, in denen das Vereinigte Königreich als „der kranke Mann Europas“ galt. Trotz des Triumphs von Wembley weht der Union Jack auf halbmast.

Einige Blätter sind beim Wetter und ziehen eine Zwischenbilanz des Sommers: „Es war der trockenste Monat Juli seit 137 Jahren“, titelt Het Nieuwsblad. In der Referenzstation in Uccle sind im Juli nur fünf Millimeter Regen pro Quadratmeter registriert worden. Sonst sind das etwas mehr als 70 Millimeter. Das letzte Mal, dass so wenig Regen gefallen ist, war 1885. Und ein Ende der Trockenheit ist erstmal nicht in Sicht. Eine Folge davon steht auf Seite eins von Gazet van Antwerpen: „Trinkwasser wird teurer werden“, schreibt das Blatt.

Der Ukraine-Krieg und die Weltwirtschaft

De Standaard blickt besorgt auf die Ukraine. „Jede Nacht Bomben auf Charkiw“, titelt das Blatt. Charkiw ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine und liegt seit Monaten unter russischem Beschuss. Jede Nacht um 4:00 Uhr sind Explosionen zu hören. Kein einziges Viertel ist mehr sicher.

Der Kreml ist gerade sehr bemüht, das internationale Image Russlands aufzupolieren, analysiert De Standaard in seinem Leitartikel. So lud man die UNO und auch das Rote Kreuz ein, um den Angriff auf ein Kriegsgefangenenlager mit mehr als 50 Toten in einem russisch besetzen Gebiet im Osten der Ukraine zu untersuchen. Russland und die Ukraine geben sich gegenseitig die Schuld. Indem man internationale Beobachter einlädt, suggeriert Moskau, dass Russland unschuldig ist. Doch es ist offensichtlich, dass der Kreml blufft. Weder die UNO noch das Rote Kreuz verfügen über Ermittlerteams, die militärische Untersuchungen anstellen können. Davon abgesehen hat Russland dem Roten Kreuz bislang – trotz einer Anfrage – noch nicht den Zugang zu dem Gefangenenlager gewährt. Und auch nicht vergessen: Die Tinte unter dem Getreideabkommen mit der Ukraine war noch nicht trocken, da bombardierte Russland schon wieder die Hafenstadt Odessa. Wenn Russland noch einen letzten Rest Glaubwürdigkeit für sich beanspruchen will, dann muss der Kreml eine Untersuchung der Kriegsverbrechen zulassen.

Apropos: Nicht zuletzt der Krieg in der Ukraine sorgt dafür, dass die Weltwirtschaft zunehmend unvorhersehbar zu werden droht, meint La Libre Belgique. Wobei die allgemeine Tendenz nach unten zu zeigen scheint. In Europa befürchtet man, dass Russland den Gashahn zudrehen könnte. Und auch in den USA geht das Rezessionsgespenst um. Der Krieg in der Ukraine birgt aber auch langfristige Risiken. Denn eigentlich leben wir in einer Zeit, in der internationale Zusammenarbeit großgeschrieben werden müsste. Stattdessen drohen sich wieder starre, konkurrierende geopolitische Blocks zu bilden, was zu einer Fragmentierung der Weltwirtschaft führt. Das ist angesichts der globalen Herausforderungen extrem kontraproduktiv. Nur, wenn weltweit alle Staaten an einem Strang ziehen und koordiniert vorgehen, kann – allen voran – der Klimawandel noch gestoppt werden.

Roger Pint