Die Presseschau von Montag, dem 29. November 2021

Auf den Titelseiten bleibt die Corona-Krise unter anderem wegen der neuen Variante sehr präsent – die Leitartikel blicken aber vor allem auf den offenen Konflikt um die belgische Teststrategie. Außerdem wirft die anstehende Entscheidung über den Atomausstieg bereits ihre Schatten voraus.

Corona-Test (Illustrationsbild: Christophe Archambault/AFP)

Corona-Test (Illustrationsbild: Christophe Archambault/AFP)

„Künftig nur ein Test für Geimpfte mit Hochrisikokontakt – Teststrategie erzürnt Ärzte und Experten“, greift das GrenzEcho ein großes Corona-Thema des Wochenendes auf. „Hausärzte wollen der Teststrategie der Behörden nicht folgen“, titelt Het Belang van Limburg dazu. „Noch nie dagewesener Krach zwischen Ärzteverbänden und Ministern für Volksgesundheit“, fasst Gazet van Antwerpen zusammen.

Het Nieuwsblad fühlt sich in puncto Bewältigung der vierten Corona-Welle immer mehr an die ersten Monate der Pandemie erinnert. Ein Konzertierungsausschuss mit lauter losen Enden, bürokratische Regeln, die wenig mit der Realität zu tun haben und Zusammenstöße zwischen föderalen und flämischen Ministern.

Am schlimmsten ist aber das Chaos rund um die Teststrategie. Hierbei fällt auf, wie scharf die Hausärzte reagieren. Es ist deutlich, dass sie mit ihrer Geduld am Ende sind – nach anderthalb Jahren an vorderster Front, balancierend zwischen sich ständig verändernden Regeln und den Bedürfnissen ihrer Patienten.

In der gesamten Gesellschaft spürt man mittlerweile Überempfindlichkeit. Die vierte Welle ist dramatisch und führt zu enormer Unsicherheit, wir sind an einem explosiven Punkt in dieser Krise angelangt. Umso wichtiger ist es, klare, eindeutige und konsequente Maßregeln zu haben. Es ist vollkommen nachvollziehbar, dass das aufgrund der Natur des Virus nicht immer so einfach ist. Aber das nun herrschende Chaos war vermeidbar. Es scheint fast so, als ob wir die vergangenen Monate nichts gelernt hätten, seufzt Het Nieuwsblad.

Nur eine Lösung

So etwas wie diesen Krach zwischen den Ministern und Hausärztevereinigungen hat es noch nie gegeben, kommentiert Het Belang van Limburg. Dabei sollten sie doch eigentlich das gleiche Ziel vor Augen haben: die Überlastung der Ärzte in diesen schwierigen Zeiten zu verringern.

Was es auch noch nie gegeben hat, ist, dass die Ärzte mehr oder minder unverhohlen die Gefolgschaft verweigern. Für das Ganze gibt es nur eine Lösung: Alle müssen sich wieder gemeinsam an den Tisch setzen und eine Teststrategie entwickeln, mit der alle leben können, fordert Het Belang van Limburg.

Eine konstruktive Zusammenarbeit wäre das Mindeste

Gazet van Antwerpen bezeichnet die Verwerfungen als traurigen Krieg zwischen Ministern und Ärzten. Das ist auf dem Tiefpunkt dieser vierten Welle nicht nur sehr schmerzhaft, sondern verwirrt und wird zu noch mehr Chaos führen.

Es ist sehr betrüblich, dass die wochenlangen Beratungen zwischen den Ministern und den Hausärzten zu nichts geführt haben. Die Leidtragenden sind jetzt die Patienten. Die wussten schon vorher nicht, woran sie waren – und jetzt noch viel weniger.

Die Empfehlungen und Regeln für Tests und Quarantänen sind nun einmal sehr komplex. Da darf man sich auch nicht wundern, dass besorgte Menschen ihre Hausärzte anrufen. Jetzt, da es Zehntausende von Ansteckungen pro Tag gibt, schaffen die Ärzte das natürlich nicht mehr. Und just in dieser prekären Lage lassen die Regierungen sie im Regen stehen, fegen ihre Vorschläge zur Teststrategie vom Tisch und verordnen einfach autoritär eine andere Vorgehensweise.

Unter den gegebenen Umständen sollte man doch zumindest erwarten, dass konstruktiv mit den Hausärzten zusammengearbeitet wird, kritisiert Gazet van Antwerpen.

Georges-Louis Bouchez und sein Benzinkanister

Neben der Corona-Pandemie liegt diese Woche aber noch ein ganz anderes hoch brisantes Dossier auf dem Tisch: der Atomausstieg: Die Föderalregierung soll einen Prozess zu Ende führen, der vor rund 18 Jahren im Jahr 2003 begonnen hat, führt Le Soir aus. Sie muss darüber entscheiden, ob Belgien vollständig aus der Atomenergie aussteigt – oder ob die zwei jüngsten Reaktoren am Netz bleiben sollen.

Diesbezüglich soll die grüne Energieministerin Tinne Van der Straeten ihren Vivaldi-Kollegen ein Gutachten vorstellen. In einer idealen Welt würde dieser Bericht politisch Verantwortlichen vorgelegt werden, die bereit wären, sich die Argumente anzuhören und eine erwachsene Diskussion zu führen. Mit dem Ziel, die Energieversorgung des Landes zu sichern, die Preise unter Kontrolle zu halten und den Energiemix der Zukunft auf die klimatischen Herausforderungen abzustimmen.

Querzuschießen, nur um politisch zu punkten, sollte sich von selbst verbieten. In dieser Hinsicht hat die Vivaldi-Koalition aber schon einen ziemlich schlechten Start hingelegt. Dank des intensiven und wenig freundlichen Schlagabtausches zwischen der MR in Form ihres Vorsitzenden Georges-Louis Bouchez und dem Duo Ecolo-PS.

Aber nicht nur ein offener Konflikt muss vermieden werden. Genauso wenig darf es einen scheinheiligen Kompromiss geben, der zwar die Vivaldi-Koalition retten, aber dafür Transparenz oder Sicherheit opfern würde. Es muss endlich Schluss sein mit der Verspottung der Verbraucher und Investoren, wettert Le Soir.

Georges-Louis Bouchez hat am Wochenende dazu geraten, im Falle eines Atomausstiegs einen Stromgenerator und einen Kanister Benzin für zu Hause zu besorgen, schreibt Het Laatste Nieuws. Der Mann weiß worüber er spricht, schließlich läuft er schon seit geraumer Zeit mit einem Benzinkanister in der Gegend rum, um politische Brände zu legen.

Und wenn Bouchez morgen wieder mit seinem Kanister an der Tankstelle gesichtet werden sollte, dann darf das nicht überraschen – denn seine hochentzündliche Strategie scheint zu funktionieren.

Wenn die Regierung De Croo eines Tages stürzt, dann werden es nicht die frankophonen Liberalen von der MR gewesen sein, die sie zu Fall gebracht haben werden – dafür ist Bouchez zu schlau. Aber wundern Sie sich nicht, wenn in der Nähe ein leerer Benzinkanister gefunden werden sollte, giftet Het Laatste Nieuws.

Boris Schmidt