Die Presseschau von Donnerstag, dem 23. September 2021

Die neuen Geldautomaten werden in reduzierter Zahl losgekoppelt von den Zweigstellen. In den Zeitungen wirft das viele Fragen auf. Groß kommentiert wird ebenfalls das ständige Knistern in der Vivaldi-Koalition. Schließlich geht es auch um eine umstrittene Verordnung im flämischen Hoeilaart.

"Neutraler" Bancontact-Geldautomat in Anderlecht (Bild: Hatim Kaghat/Belga)

"Neutraler" Bancontact-Geldautomat in Anderlecht (Bild: Hatim Kaghat/Belga)

Le Soir schreibt: Barzahlungen sind rückläufig, es wird kontaktlos gezahlt und viele nutzen ihr Smartphone als mobile Bank. Aber der Teil der Bevölkerung, der keinen Zugang zur digitalen Welt hat, ist aufgeschmissen. Für diese Menschen ist diese Entwicklung ein Albtraum. Die Coronakrise hat gezeigt, wie wichtig es ist, Dienstleistungen auf lokaler Ebene anzusiedeln. Nehmen wir das Unternehmen Batopin, das die neuen Geldautomaten verwaltet beim Wort und hoffen, dass es seiner sozialen Verantwortung gerecht wird.

La Libre meint: Die Basis-Dienstleistungen der Banken geraten immer mehr in den Hintergrund. Die Aktionäre von Batopin, die in den letzten Jahren Rekordgewinne erzielt haben, überzeugen nicht mit dem Argument einer Verbesserung der Dienstleistungen. Denn an den Bankautomaten können keine Überweisungen gemacht werden. Es liegt auf der Hand, dass die Banken die Aktivitäten reduzieren wollen, die Geld kosten. Manche überlegen sogar, sie an Bpost zu vergeben. So wäre für die Banken ein für alle Mal Schluss mit Basis-Dienstleistungen.

Vivaldi-Koalition mit Mitte-Links-Kurs

Um Vivaldi geht es heute in dem Kommentar von Het Laatste Nieuws. Die Zeitung glaubt, dass die flämischen Liberalen um Egbert Lachaert an Glaubwürdigkeit verloren haben und sich innerhalb der Vivaldi-Koalition nicht richtig behaupten können. Kaum ist ein Maulwurfshügel im Boden aufgetreten, taucht schon der nächste auf. Die PS kommt mit einem umstrittenen Rentenplan, Thomas Dermine will einen Solidaritätsfonds für die Wallonie und Pierre-Yves Dermagne bietet Menschen, die kündigen, noch Arbeitslosengeld. Die Regierung verfolgt eine Mitte-Links-Politik, das ist schwierig für die Liberalen. Lachaert ist gefordert ebenso wie Alexander De Croo.

Das GrenzEcho fragt sich, ob Vivaldi den vierten Satz der „Vier Jahreszeiten“ überhaupt noch erlebt. Hätte Vivaldi seine Werke so komponiert, wie die Vivaldi-Koalitionäre miteinander umgehen, hätten sich die Musiker auf der Bühne vor lauter Misstönen wahrscheinlich gegenseitig die Instrumente um die Ohren gehauen, meint die Zeitung. Den falschen Kammerton vorgegeben hat Georges-Louis Bouchez. Mittlerweile bleiben der PS-Vorsitzende Paul Magnette und die Minister aus seiner Riege dem MR-Vorsitzenden kaum eine Antwort schuldig. Ein Beispiel dafür ist wohl der Vorschlag von Pierre-Yves Dermagne, Arbeitslosengeld trotz eigener Kündigung zu gewähren. Kein Wunder, dass sich der eine oder andere langsam wie in einer Komischen Oper vorkommt.

Den Vorschlag von Dermagne kommentiert auch die Zeitung L’Echo. „Ist der Vorschlag die Rückkehr zu einem aktiven Sozialstaat?“, fragt sich die Zeitung. Die Idee steht im Gegensatz zu der Tendenz, die Schrauben anzuziehen. Die Zukunft wird uns zeigen, ob diese Idee von Anfang an eine Totgeburt war.

La Dernière Heure lehnt den Vorschlag von Dermagne ab. Aufgabe besonders der Frankophonen ist es, die Maschine zu ölen, die zur Beschäftigung führt und nicht zur Auszahlung von Sozialleistungen. Dann könnte man ja auch eine Prämie auszahlen, wenn jemand kündigt. Gazet van Antwerpen fragt sich, welches Ziel die frankophonen Sozialisten damit verfolgen. Wollen sie mehr oder weniger Menschen Arbeit verschaffen? Vielleicht hat es die PS damit nur auf Stimmen abgesehen.

Administrative Willkür auf dem Rücken der Schwächsten

De Morgen plädiert in ihrem Kommentar für die Freiheit der Kinder. In der Gemeinde Hoeilaart hat der Bürgermeister verfügt, dass Kinder unter zwölf nach der Schule nicht mehr gemeinsam spielen oder Sport treiben dürfen. Der Grund: die Zunahme von Corona-Infektionen in der Gemeinde. Aus dem benachbarten Overijse kommt Beifall, schreibt die Zeitung. Dort hat der Arzt und Stadtverordnete Dirk Devroye angekündigt, dass Kinder aus Hoeilaart in naher Zukunft dort nicht willkommen sind. Sollen sie etwa wie Pestkranke im Mittelalter mit einer Warnklapper durch die Lande ziehen? Beide Gemeinden sind am Wochenende Gastgeber der Rad-WM mit tausenden Fans und Touristen. Offenbar besteht bei der Massenveranstaltung keine Gefahr. Die Gefahr geht eher vom Samstagspiel der kleinen Teufel aus Hoeilaart aus. Das ist reine Willkür auf dem Rücken der Schwächsten, die keine Lobby haben, so nach dem Motto: Maske auf und halt den Mund.

Chantal Delhez