Die Presseschau von Samstag, dem 4. April 2020

Einige Zeitungen nehmen in ihren Wochenendausgaben die zumindest nicht noch schlechteren Zahlen der Corona-Pandemie in Belgien zum Anlass, um die Frage des Danachs zu stellen. Doch es gibt auch Warnung, dass es dafür noch zu früh ist. Außerdem steht Ostern vor der Tür - für die Kirche ist dieses Jahr so einiges anders.

CHU Liège (Illustrationsbild: Benoit Doppagne/Belga)

Illustrationsbild: Benoît Doppagne/Belga

„Unsere Leben danach“, titelt heute Le Soir. „Die Welt nach dem Coronavirus“, schreibt auch La Libre Belgique. Und auch Aktienanleger blicken anscheinend in die Zukunft: „Onlineanlegen auf Höhenflug wegen Coronakrise“, steht auf Seite eins von De Tijd. Auch in den Leitartikeln beschäftigten sich die Zeitungen heute mit dem, was uns noch bevorsteht.

„Die Kurve flacht endlich ab“, schreibt De Tijd. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen stabilisiert sich. Das muss sich noch bestätigen, doch es ist ein kleiner Lichtblick am Ende des Tunnels. Dann gibt es noch die zweite Kurve: Die der wirtschaftlichen Folgen der Krise. Auch diese Kurve gilt es abzuflachen. Und dafür müssen wir die Debatte über die Exit-Strategie beginnen. Wie und wann können wir die Einschränkungen des öffentlichen Lebens wieder aufheben? Wichtig ist dabei, dass möglichst viele Corona-Tests durchgeführt werden. Es ist nicht undenkbar, dass Angestellte bald wieder vom Home Office in die Betriebe zurückkehren, wenn sie einen negativen Test vorweisen können. Es ist auch denkbar, dass Menschen eine Art Logbuch führen und notieren, welches Taxi sie genommen haben und welches Gebäude sie besucht haben. Im Fall eines positiven Tests können dann Menschen, die dieselben Orte besucht haben benachrichtigt werden. Es wird nicht einfach, aber wir müssen versuchen, die beiden Aspekte, den gesundheitlichen und den wirtschaftlichen, unter einen Hut zu bekommen, meint De Tijd.

Eine bessere Zukunft

L’Echo geht in seinem Blick in die Zukunft noch einen Schritt weiter. Ja, wir müssen die Maschine wieder ans Laufen bekommen. Aber dabei können wir nicht einfach weitermachen wie zuvor. Diese Krise hat uns die Grenzen unserer globalisierten Industrie aufgezeigt. Wenn wir nicht unsere wirtschaftliche Logik anpassen, riskieren wir, morgen schon wieder in die nächste Krise zu schlittern. Deshalb ist jetzt der Augenblick, um kreativ zu sein. Wir müssen vor allem auf zukunftsträchtige Aktivitäten setzen, angefangen bei dem Wesentlichen: Gesundheit, Ernährung, Bildung im weitesten Sinn, Energie. Es geht hier mehr um die langfristige, als um die mittelfristige Vision, ist L’Echo überzeugt.

Wie kommen wir aus dem Alptraum wieder raus?, fragt sich auch Le Soir. Weg von diesem täglichen Meiden der Mitmenschen, den maskierten Gesichtern, dem Kampf in den Krankenhäusern und Altenheimen, von diesen Bildern, die wir jeden Tag voller Ungläubigkeit präsentiert bekommen. Es wird ein „Danach“ geben, versprochen! Und wir müssen es uns schon vorstellen, davon träumen. Danach machen wir es besser, versichert Le Soir.

La Libre Belgique träumt ebenfalls von einer besseren Zukunft. Morgen? Heute ist schon morgen. Wir müssen unverzüglich beginnen uns zu fragen, was da passiert ist. Die Sozialversicherung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt. Es wäre gut, wenn dieses Virus uns jetzt einen ähnlichen Anschub gibt. Lasst uns einen nationalen Rat der Widerstandsfähigkeit einberufen und Philosophen, Psychologen, Künstler, wahllos ausgewählte Bürger, Wirtschaftswissenschaftler, Unternehmer und Gewerkschafter zusammenbringen, um gemeinsam über unsere gemeinsame Zukunft nachzudenken, schlägt La Libre Belgique vor.

Nicht zu voreilig

Seit drei Wochen herrschen nun schon starke Einschränkungen, seit über zwei Wochen steht das öffentliche Leben in Belgien praktisch still, stellt das Grenzecho fest. Mittlerweile dürfte es aber auch dem Letzten aufgegangen sein, dass diese Maßnahmen erforderlich waren. Unsere Gesundheitssysteme hätten die Anzahl infizierter Menschen schlichtweg nicht verkraftet. Auch wird immer deutlicher, dass die meisten Länder nicht oder nur unzureichend auf eine Pandemie vorbereitet waren. Wir wissen noch nicht, wie groß die wirtschaftlichen und finanziellen Folgen dieser Krise sein werden. Fakt ist aber, dass in unserem Land die verschiedenen Verantwortungsebenen gemeinsam nicht schlecht funktioniert haben – was übrigens auch international so wahrgenommen wurde, lobt das Grenzecho.

Wir müssen realistisch sein, die Corona-Krise ist noch lange nicht vorbei, warnt De Standaard. Das tägliche Zahlenritual bietet einen Anschein von Kontrolle. Aber wir wissen viel weniger, als die Zahlen suggerieren. Viele Corona-Tote werden nicht oder verspätet gemeldet oder nicht dem Virus zugeschrieben. Über die tatsächlichen Infektionszahlen wissen wir noch viel weniger. Jetzt wird von einer abflachenden Kurve geredet und die Osterferien stehen vor der Tür. Da wird es den Menschen immer schwieriger fallen, sich an die Regeln zu halten. Und die lauten: Drinnen bleiben, Abstand halten, Hände waschen. In Italien und Spanien, zwei Länder, die uns beim Corona-Ausbruch voraus sind, ist ein Ende der Quarantäne-Maßregeln noch nicht in Sicht. Es wäre unverständlich und unvorsichtig davon auszugehen, dass es bei uns anders sein wird. Der Druck, die Zügel ein wenig zu lockern, nimmt zu. Alle wollen nach draußen. Aber es ist noch zu früh, selbst wenn die Sonne scheint, mahnt de Standaard.

Hoffnung

Auch für die katholische Kirche brechen merkwürdige Tage an, jetzt da der Höhepunkt des Kirchenjahres vor der Haustür steht, notiert Gazet van Antwerpen. Ostern ist das Fest der Auferstehung und des Sieges über den Tod und das Leiden. Doch wenn nächsten Sonntag die Glocken der Antwerpener Kathedrale läuten, wird das Gotteshaus doch leer bleiben.

Bischof Bonny wird alleine hinter dem Altar stehen. Die Messe kann im Internet verfolgt werden. Doch gerade jetzt sollte Ostern gefeiert werden, meint der Bischof. Im Interview mit der Zeitung hat er folgenden Ratschlag parat: „Jetzt, in Zeiten, in denen der Tod in der Luft hängt, muss Ostern umso mehr gefeiert werden. Wir haben alle Angst. Doch Ostern ist ein Tag der Hoffnung, nicht der Verzweiflung, ein Tag der Freude und nicht der Sorge“, zitiert Gazet van Antwerpen den Bischof der Stadt.

Peter Eßer

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