Die Presseschau von Montag, dem 30. März 2020

Die Coronakrise bestimmt auch zum Wochenanfang die belgische Presse. Auf der einen Seite geben die neuesten Zahlen Anlass zu ein wenig Hoffnung. Auf der anderen Seite kritisieren aber auch einige Zeitungen die fehlende Solidarität innerhalb der Europäischen Union.

Illustrationsbild: Piero Cruciati/AFP

Illustrationsbild: Piero Cruciati/AFP

¨Krankenhäuser stehen vor der Woche der Wahrheit,¨ schreibt De Standaard. ¨Eine entscheidende Woche¨ titelt L’Avenir und Het Belang van Limburg berichtet auf Seite 1: ¨Die Kurve der aufgenommenen Corona Patienten flacht ein wenig ab.¨
De Standaard fragt sich: Gibt es genug Betten auf den Intensivstationen. Das ist die Frage, die momentan jeden beschäftigt. Die Zeitung fügt hinzu. Die Prognosen sehen gut aus, aber es wird spannend. Stand Sonntag, liegen 4139 Corona Patienten in den belgischen Krankenhäusern, davon 867 auf Intensivstation.

Katastrophe statt großer Katastrophe

Het Nieuwsblad schreibt in seinem Leitartikel dazu: in den kommenden Tagen dürften wir weiterhin schlechte Nachrichten erwarten. Die Zahl der Toten wird weiter steigen, die Zahl der Aufnahmen auf Intensivstation auch. Nur Solidarität kann uns jetzt und nach der Krise retten. Die Zahlen sind jedes Mal ein Schlag. Doch bevor es zu einer Wende kommen kann, muss es zuerst eine Verlangsamung des Anstiegs geben. Experten sehen, dank der solidarischen Anstrengungen erste vorsichtige Zeichen einer möglichen Besserung. Wir entwickeln uns von steil bergauf nach flach. Aber es erfordert noch weitere schwere Anstrengungen bis wir den Peak erreichen, um dann tatsächlich zu sinken.

Wir können versuchen aus einer großen Katastrophe eine Katastrophe zu machen, sagte Virologe Marc van Ranst am Sonntagabend. Dass wir diese Chance überhaupt haben, liegt daran, dass wir schnell eingegriffen haben, dass wir die Entwicklung täglich kommuniziert haben, und dass wir unser Gesundheitssystem nicht kaputtgespart haben, so wie das Italien und Spanien auf Drängen der EU und des Internationalen Währungsfonds tun mussten. Und wie es die Niederlande freiwillig gemacht haben, um das gute Vorbild abzugeben. Und alle Ultraliberalen applaudiert haben.

Licht am Ende des Tunnels

Der berüchtigte Peak wird noch kommen, aber es scheint Licht am Ende des Tunnels zu geben, schreibt auch Het Belang van Limburg. Die Kurve der Anzahl aufgenommener Patienten in den belgischen Krankenhäusern scheint etwas abzuflachen. Das heißt: Die Zahl steigt zwar, aber nicht mehr so schnell. Die Zeitung zitiert einen Biostatistiker der Uni Hasselt. Dieses Abflachen der Kurve kann nur beibehalten werden, wenn sich jeder weiterhin an die Regeln hält. Sollte sich dann der Trend bestätigen, dann könnten einzelne Maßnahmen vorsichtig gelockert werden.

Het Laatste Nieuws gibt diesbezüglich erste Vorschläge von Wirtschaftsministerin Nathalie Muylle (CD&V) wieder. ¨Zuerst die Schulen öffnen, dann Heimarbeit abbauen und erst dann wieder in die Cafés und Restaurants.¨ Deshalb gehe es jetzt darum, den Horeca-Sektor maximal zu unterstützen. Muylle will mit jedem Bereich einzeln die Maßnahmen besprechen, wie es danach weitergehen könnte.
De Morgen titelt: ¨10.000 Tests pro Tag.¨ Ab kommender Woche sollen mehr Menschen auf das Coronavirus getestet werden können. Es müsse nur noch entschieden werden, wo die Tests gemacht werden sollen. Ein Plan der momentan auf dem Tisch liege, sei, jeden Patienten, der in ein Krankenhaus kommt zu testen. Egal, ob er Symptome hat, oder nicht.

Von der Leyens politischer Fehler

Le Soir schaut auf die EU. ¨Die Europäische Union im Angesicht einer existenziellen Krise¨, so die Schlagzeile auf Seite Eins. Mehrere europäische Regierungschefs warnen: Wenn Europa sich jetzt nicht solidarisch zeigt, um den Folgen der Epidemie entgegen zu treten, dann verliert es. Dazu schreibt die Zeitung: In einem Interview mit der deutschen Presse hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Coronabonds, also gemeinsame Anleihen, ausgeschlossen, sie als Slogans betitelt. Die Aussage wurde zwar schnellstens korrigiert, es bleibt aber ein politischer Fehler, wenn man bedenkt, dass sich die Tage der Europäer inzwischen nicht mehr in Stunden, sondern in Toten zählen. Die Coronabonds sind vielleicht nicht die Lösung, da liegt aber nicht das Problem. Am Samstag hat Von der Leyen das getan, was sie den anderen Staatschefs und Regierungen vorwirft: sich in Brüssel einsetzen, und zu Hause das Gegenteil sagen. Nur, zu Hause, Frau von der Leyen ist jetzt Brüssel, nicht mehr Berlin.

Scheitern keine Option

De Standaard kommentiert dazu: Die EU-Mitgliedsstaaten haben es in der vergangenen Woche zweimal nicht geschafft, übereinzukommen, wie die Corona-Krise finanziell gestemmt werden kann. Es scheint verführerisch geringschätzend von der Ohnmacht Europas zu sprechen. Selbst in dieser enormen Krise zanken sich die Mitgliedsstaaten lieber, als zur Tat zu schreiten. Doch der Zwiespalt ist verständlich. Die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, können für Europas Zukunft ausschlaggebend sein. Dass diese, trotz der Dringlichkeit, zu heftigen Diskussionen führen, ist nicht mehr als logisch. Ein europäischer Kompromiss, der alle zufriedenstellt, erfordert finanztechnische Kreativität und politische Überzeugungskraft. Es liegt jetzt an Europas Politikern, staatsmännisches Geschick zu zeigen. Scheitern ist keine Option. Dafür ist die aktuelle Krise zu ernst

Volker Krings

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