Die Presseschau von Donnerstag, dem 23. Januar 2020

Die Zeitungen machen am Donnerstag auf mit den Sorgen angesichts der neuen Lungenkrankheit, die sich in China immer weiter ausbreitet und auch schon in anderen Ländern aufgetreten ist. Weitere Themen sind die Hasskommentare, die nach der großen Suchaktion in De Panne aufgetaucht waren, sowie die Krise an der Spitze der VRT.

Corona-Virus (Bild: Nicolas Asfouri/AFP)

Bild: Nicolas Asfouri/AFP

„Eine Stadt von elf Millionen Einwohnern ist abgeriegelt“, so die fast schon dramatische Schlagzeile auf Seite eins von Het Laatste Nieuws. Die Rede ist von der chinesischen Stadt Wuhan im Zentrum des Landes. Dort waren im Dezember die ersten Fälle einer neuartigen Lungenkrankheit aufgetreten. Wuhan gilt nach wie vor als das Zentrum der Epidemie. Die Stadt steht seit Donnerstagmorgen unter Quarantäne. Alle Flug-, Zug- und Busverbindungen wurden unterbrochen.

Damit will man verhindern, dass sich das Coronavirus weiter ausbreitet. „Aber das Coronavirus breitet sich weiter aus“, schreibt L’Echo auf seiner Titelseite. In einigen asiatischen Nachbarländern und auch in den USA sind schon erste Fälle der neuen Lungenkrankheit aufgetaucht. „Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Coronavirus auch Europa erreicht“, zitiert De Tijd aus Expertenberichten. „In Belgien müssen wir uns aber keine Sorgen machen“, sagen Fachleute auf Seite eins von De Morgen.

„Es geht um die Signalwirkung“

Einige Zeitungen kommen noch einmal zurück auf die spektakuläre Suchaktion, die am Dienstag den Küstenort De Panne in Atem gehalten hatte. Ein Boot mit 14 Transitmigranten war bei eisigen Temperaturen gekentert. Die Behörden mobilisierten ein Großaufgebot an Einsatzkräften, um die Menschen zu finden. In der Folge hagelte es rassistische Kommentare in Sozialen Netzwerken. Die Polizei ermittelt jetzt wegen Verstoßes gegen die Antirassismus-Gesetzgebung.

„Und das ist gut so!“, findet Het Laatste Nieuws in seinem Leitartikel. Acht Flüchtlinge, darunter zwei Kinder, wären beinahe ums Leben gekommen. Wer glaubt, dass man über ein menschliches Drama abfällige Bemerkungen oder Hasskommentare in die Welt setzen muss, der sollte durchaus zur Verantwortung gezogen werden. Mag sein, dass am Ende nicht sehr viele dieser Hetzer tatsächlich verurteilt werden. Doch ist das nicht das Wichtigste. Hier geht es vielmehr um die Signalwirkung. Die gerichtliche Untersuchung sorgt hoffentlich dafür, dass künftig der eine oder andere zweimal nachdenkt, bevor er seine „Meinung“ in die Welt setzt. Die Debatte über Asyl und Migration darf, nein, sie muss geführt werden. Aber bitte ohne verletzende Kommentare.

Rassismus ist eine Straftat

Rassismus ist keine Meinungsäußerung, sondern eine Straftat, betont auch Le Soir. Und die Urheber werden inzwischen mehr und mehr tatsächlich auch wie Täter behandelt. Problematisch wird es allerdings, wenn man auch die Onlineplattformen zur Verantwortung zieht, also die Internetforen, in denen die Hasskommentare verbreitet werden. Das ist der falsche Weg, glaubt Le Soir. Letztlich machen wir damit Online-Riesen wie Facebook, Google oder Twitter zu Richtern. Sie entscheiden dann allein, welche Meinungen in die Debatte einfließen. Rassismus ist aber ein Gesellschaftsproblem, das sich nicht durch Algorithmen eindämmen lässt. Dieser Kampf sollte ab der Schule geführt werden, allgegenwärtig in unserer Gesellschaft sein; entsprechend sollten auch einige Politiker damit aufhören, den Hass noch zu befeuern.

„Zwei von drei Belgiern haben mindestens einen laufenden Kredit“, so derweil die Aufmachergeschichte von Le Soir. Das Gesamtvolumen der Hypothekendarlehen in Belgien belief sich Ende letzten Jahres auf 330 Milliarden Euro. „Und weniger Belgier stehen auf der ’schwarzen Liste'“, notiert das GrenzEcho. Die Zahl derer, die einen Kredit nicht zurückzahlen können, die ist im letzten Jahr gesunken.

Tabula rasa bei der VRT

In Flandern sorgt derweil das Chaos an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Medienhauses VRT weiter für Diskussionsstoff. Am vergangenen Montag hatte die flämische Regierung die Entlassung des bisherigen VRT-Direktors Paul Lembrechts beschlossen. Hintergrund war ein Streit auf der Führungsebene des Rundfunkhauses.

Lembrechts hatte dem Verwaltungsrat die Entlassung der Nummer zwei der Direktion empfohlen, war aber desavouiert worden. Eben diese Vertrauenskrise wurde von der Regierung als Grund angeführt, sich von Lembrechts zu trennen. Am Mittwoch allerdings musste der CD&V-Medienminister Benjamin Dalle einräumen, dass er den Bericht der Vermittler, in dem der Vertrauensbruch dokumentiert wird, gar nicht gelesen habe. Dalle sieht darin kein Problem. Die Krise sei offensichtlich gewesen.

„An der VRT-Spitze muss Tabula rasa gemacht werden“, ist De Tijd überzeugt. Der Konflikt zwischen den verschiedenen Managern war vollends aus dem Ruder gelaufen. Und da gibt es eigentlich nur Verlierer. Sogar der neue Minister Benjamin Dalle wird nicht unbeschadet aus dieser Geschichte herauskommen. Um die VRT wieder auf Kurs zu bringen, sollten alle beteiligten Verantwortlichen in der VRT-Chefetage ihren Platz räumen, um einen Neuanfang zu ermöglichen.

Gazet van Antwerpen kann die ganze Sache nur bedauern, das Königsdrama bei der VRT kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Drastische Sparmaßnahmen stehen im Raum. Und in Kürze soll über einen neuen Geschäftsführungsvertrag verhandelt werden. Und ausgerechnet jetzt wird die VRT geköpft. Damit wird politischer Einflussnahme Tür und Tor geöffnet. Die wirkliche Krise ist die Art und Weise, wie die Politik mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk umgeht.

„Ich bin ein Unitarist“

„Ich bin ein Unitarist“, das sagt schließlich der neue MR-Chef Georges-Louis Bouchez auf Seite eins von De Standaard und Het Nieuwsblad. Heißt: Bouchez ist demnach offensichtlich ein Verfechter des Einheitsstaates. Die Aussage aus einem Interview mit dem Magazin Wilfried sorgt insbesondere in Flandern für hörbares Naserümpfen. Het Nieuwsblad bringt es auf den Punkt: „Bouchez‘ Aussagen haben den anderen Parteien den Atem verschlagen“.

Roger Pint

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