Aus Sicht des BRF war die Themenwoche zur Menopause ein voller Erfolg. Dass die Kolleginnen und Kollegen einen Nerv getroffen haben, zeigte sich Donnerstagabend bei der Podiumsdiskussion in Eupen: volles Haus, jeder Stuhl besetzt - sogar auf den Treppen saßen Gäste.
Und trotzdem darf man enttäuscht sein: Auch mehrere Dutzend Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft waren eingeladen worden. Gekommen ist kein einziger.
Das Bild wurde komplett, als ein Video von Gesundheitsministerin Lydia Klinkenberg eingespielt wurde: Darin berichtete sie, dass in Brüssel zwar vor zwei Jahren eine Arbeitsgruppe für einen strukturellen Aktionsplan zur Menopause gegründet worden sei, sich seitdem aber eigentlich nichts getan habe.
Zur Erinnerung: Bei der letzten Zählung leistete sich Belgien fünf echte Gesundheitsminister und sieben weitere, die auch für Gesundheitsthemen zuständig sind.
Gefordert ist aber nicht nur die Politik, sondern die ganze Gesellschaft. Die Wechseljahre sind kein Problem, das man weglösen kann, sondern ein Lebensabschnitt, der die Lebensqualität von Frauen trifft - von kaum merkbar bis hin ins Unerträgliche. Erschreckend ist, wenn man am Themenabend hört, dass selbst viele Ärzte und Ärztinnen beim Thema Menopause überfordert und ratlos sind oder zu wenig darüber wissen.
"Ja, was geht mich das denn an?", mag sich jetzt so mancher Mann fragen. "Wenn schon die Fachleute sich schwertun. Und überhaupt: Früher war das doch auch kein Problem!"
Das stimmt nicht: Das Phänomen der Menopause wurde bereits in der antiken Welt beschrieben. Glücklicherweise sind die Zeiten vorbei, in denen das bloße Überleben einer Geburt und das Erreichen der Wechseljahre als weibliches Lebensziel reichen mussten.
Wenn wir als Gesellschaft erwarten, dass Frauen bis ins hohe Alter berufstätig, sexuell aktiv oder für die Betreuung von Enkelkindern verfügbar bleiben, darf uns ihr Wohlbefinden nicht gleichgültig sein.
Was ist also zu tun? Keine Frau erwartet, dass der Nachbar oder der Arbeitskollege sie durch die Wechseljahre begleitet oder ihre Probleme löst. Vielen würde es aber schon helfen, wenn ihr Umfeld im Alltag ehrliches Interesse und Verständnis zeigt - etwa dann, wenn zum Beispiel Hitzewallungen sie aus dem Konzept bringen.
Damit das klar ist: Wer einer Frau nach wie vor an den Kopf wirft, sie bekomme wohl bald ihre Tage, zeigt damit nicht ein Minimalverständnis für den viel komplexeren Hormonhaushalt einer Frau, sondern benimmt sich einfach rüpelhaft.
Hilfreich wäre auch, wenn Frauen sich nicht scheuen müssten, das Thema anzusprechen - wann immer sie möchten.
Ein ganz natürlicher Lebensabschnitt wie die Menopause sollte einfach nicht mit Scham behaftet sein. Nicht nur während einer Themenwoche, sondern jederzeit.
Manuel Zimmermann