Wer in diesen Sommerferien mit dem Auto in Frankreich unterwegs war, ist ihnen immer wieder begegnet: Gut gemeinten Appellen auf den elektronischen Hinweistafeln über der Autobahn oder Route Nationale. Nicht etwa zwecks Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit oder zwecks Verzichts aufs Handy am Steuer.
Nein, wegen der anhaltenden Trockenheit wurden die Verkehrsteilnehmer höflich darum gebeten, doch ihre Zigarettenkippen nicht aus dem Auto zu werfen. Kein Witz.
Wer dieser Tage mit dem Auto über die wieder geöffneten Vennstraßen fährt, wird mittels klassischer Verkehrsschilder darauf hingewiesen, Tempo 50 einzuhalten und nicht am Straßenrand zu parken. Überall da, wo sich ein Waldweg oder eine Schneise Richtung Brandfläche auftun, erinnern Flatterband und Warnhinweise daran, diesen Bereich nicht zu betreten. Zur eigenen Sicherheit.
Wer in den Sommerferien in den Alpen unterwegs war, um sich an der sprichwörtlichen Sommerfrische im Gebirge zu erfreuen, samt Pool und Wellnessdusche im Hotel, der konnte im Gespräch mit Einheimischem erfahren, dass sie von der Gemeinde zum strikten Wassersparen angehalten wurden: Statt täglich duschen täte es auch mal eine Körperpflege mit dem Waschlappen. In diesen von Gebirgsbächen verwöhnten Regionen wird das Wasser knapp. Und wo noch reichlich Wasser nachkommt, ist das ein Hinweis darauf, dass der Gletscher schmilzt.
Wer im auch vom Wasser verwöhnten Ostbelgien lebt, hat in diesem Sommer hier und da von seiner Gemeinde die Empfehlung bekommen, doch bitte etwas sparsamer mit dem Wasser umzugehen statt den vertrockneten Rasen zu sprengen, das Auto zu waschen oder den aufblasbaren Pool zu füllen. Gut, ausreichend Wasser trinken war bei den extremen Temperaturen schon geboten.
Bei alledem frage ich mich: Warum braucht es solche Appelle, Hinweise, Empfehlungen? Für Verhaltensweisen, die selbstverständlich sind. Wir sprechen gerne vom "gesunden Menschenverstand". Der drückt sich aus in Sprichwörtern wie: "Wer nicht hören will, muss fühlen." Verlassen können wir uns auf ihn nicht.
Nachdem seit dieser Woche vieles darauf hindeutet, dass beim Vennbrand der fahrlässige Einsatz einer Mähmaschine der Auslöser gewesen sein könnte, erhielten wir die anonymisierte Botschaft eines "Zuhörers". Er hinterfragte den in letzter Zeit häufig beschriebenen Zusammenhang zwischen Hitze, Dürre und Klimawandel - mit Hinweis auf das offensichtlich menschengemachte Problem. Zumindest was das letztere betrifft, scheint er es verstanden zu haben.
Stephan Pesch
Es gibt keine einheitliche Definition des Begriffs "gesünder Menschenverstand". Das macht alles so schwer. Was für den einen vernünftig ist, ist für den anderen total verrückt.