Eine nie enden wollende Menge an Spielen, unzählige Werbe-, sorry, Trinkpausen und atemberaubend teure Ticketpreise auf einer natürlich fairen Ticketbörse. Die WM 2026 war die beste WM aller Zeiten – zumindest für die Bankkonten und Machtphantasien einiger weniger. Und mehr Geld ist immer toll – denn mit Geld kann man alles kaufen oder besser gesagt: alle.
That’s how the FIFA works … und das schon seit vielen Jahren. Also warum nicht das Geld einsetzen, das man gerade ehrlich erwirtschaftet hat, indem man Verbänden Geld anbietet – im Gegenzug für eine "Ja"-Stimme, um Anteile an FIFA-Fußballturnieren wie der WM für noch mehr Geld zu verkaufen?
Wenn man dabei dann auch noch ein Ultimatum bis September stellt, um ein wenig Druck aufzubauen, klingt das doch toll. Also nicht unbedingt demokratisch, aber come on, es geht hier ja auch um die FIFA und um Infantino. Und der scheint wohl in den vergangenen Monaten bei Telefonaten ins Weiße Haus einiges gelernt zu haben.
Und wenn man bei jemandem etwas lernen kann, dann wohl beim ersten Preisträger des FIFA-Friedenspreises. Dessen erste Regel: Gründe neue Gremien, bringe Freunde und Familie unter und mach dich selbst zum lebenslänglichen Vorsitzenden! Obwohl – das musste Fußballliebhaber Trump ihm ja gar nicht in einem Telefonat erzählen. Richtig, er hat Infantino ja selbst zum Mitglied des Friedensrates ernannt. Und der macht es jetzt mit der FIFA Forward Enterprise nach.
Infantino könnte nach dem Ende seiner FIFA-Präsidentschaft 2031 Kommissar der sogenannten FFE werden. Gleichzeitig gehört zum Investorenkreis ein Joshua Kushner. Der Vorname mag vielleicht nicht jedem bekannt sein, aber beim Nachnamen klingelt's. Genau, das ist einer vom Trump-Clan. Gut gemacht, Gianni.
Aber wie soll man es ihm verübeln? Wie groß war der Aufschrei nach der Balogun-Affäre? Selbst Sepp Blatter, der schon vor Infantino als FIFA-Präsident wusste, wie schwammig die Begriffe Demokratie und regelkonforme Überweisung doch sein können, äußerte sich gegen das Vorgehen von Infantino. Auf den Aufschrei – auch bei der UEFA – folgte dann aber eigentlich nicht viel. So sollen mehr als 200 Verbände Infantino bei der Wiederwahl zum FIFA-Präsidenten unterstützen. Das meldete der britische "Guardian".
Also klar: Wenn selbst diese Affäre keine Folgen hat, dann kann man auch aufs Ganze gehen und die Grenzen weiter austesten. Doch scheint die Grenze des Möglichen jetzt erreicht und sogar überschritten zu sein. Mit der UEFA, der AFC und der CONCACAF haben sich jetzt gleich drei große Konföderationen gegen die Pläne gestellt. Damit fallen 136 von 211 stimmberechtigten Verbänden weg.
Ein klares Zeichen: Drei Konföderationen, die alle doch auch irgendwie keine Kinder von Traurigkeit sind, stellen sich gegen das Vorhaben. Damit dürfte es eigentlich keine Chance mehr haben – sollte Infantino nicht noch ein Ass im Ärmel haben. Auch für die Wiederwahlpläne im März könnte das jetzt der eine Skandal zu viel gewesen sein – wobei man hier doch lieber im Konjunktiv bleiben sollte. Denn das mit der Demokratie und der FIFA, das hatten wir ja schon mal. Und so geht der Wahnsinn munter weiter.
Mit Spannung kann man auf die ersten kommenden FIFA-Spiele europäischer Teams blicken. Im Oktober sind die Mannschaften in der Qualifikation für die Frauen-WM 2027 aktiv und bereits da droht schon ein UEFA-Boykott. Die FIFA liefert Filmmaterial vom Feinsten und die Rechte an diesem Drehbuch sollte man sich sichern, bevor Christopher Nolan das Ganze in drei Jahren als bildgewaltiges Epos verfilmt.
Also mal schauen, was Infantino als Antwort auf die klaren Botschaften der Konföderationen bringt. Vielleicht den Verbänden noch mehr Geld bieten oder die vielen Millionen doch anders einsetzen? Wenn es Infantino als Mitglied des Friedensrates und als Frieden- und Freude-stiftendem FIFA-Präsidenten schon nicht in die Reihe der ausgewählten Persönlichkeiten für die neuen Euro-Banknoten geschafft hat, könnte er der EZB doch ein paar Millionen Euro zur Verfügung stellen. Möglicherweise ist in der Motivreihe der heimischen Vögel ja noch ein Platz frei…
Robin Emonts