Mindestens eine Million Euro soll allein das Konzert am Abend des Nationalfeiertags im Jubelpark gekostet haben. Feuerwerk und Drohnenshow wahrscheinlich nicht inbegriffen. Genaue Zahlen sind nicht bekannt.
Wie viel Streit es um diese Euro im Kernkabinett der Föderalregierung gegeben hat, ist ebenfalls nicht bekannt. Die Öffentlichkeit weiß allerdings sehr wohl, dass die gleiche Regierung zurzeit an allen Ecken und Enden versucht, die Ausgaben für das Land zu drosseln.
Warum also plötzlich so spendabel? Brot und Spiele - könnte man höhnisch sagen. Premierminister Bart De Wever ist halt klassisch gebildet. Er weiß, wie er das Volk bei Laune hält - auch wenn die Zeiten schlecht sind. So haben es auch römische Kaiser gerne gehalten. Brot und Spiele für das Volk - dann bleibt es ruhig.
Doch das wäre allzu zynisch gedacht. Denn wer sich auch nur ein paar Bilder der fröhlichen Party am Dienstagabend im Jubelpark anschaut, der sieht, dass es nicht nur um reine Volksberieselung ging.
Es ging um mehr. Es ging um die Feier des Landes. Eine Feier für Belgien. Eine Feier, die den Wunsch des Königs nach Einheit des Landes so überaus gut mit Leben erfüllte. Denn Einigkeit wurde gelebt an diesem Abend im Jubelpark. Und das in beeindruckend unaufgeregter, fast schon natürlicher Art. Auf der Bühne zum Beispiel mit Moderatoren aus allen drei Sprachgemeinschaften. Das ganze Land konnte die deutsche Sprache hören und wurde daran erinnert, dass es die Deutschsprachigen gibt.
Einigkeit auch über Generationen und gesellschaftliche Stellungen hinweg. Viele normale Bürger, viele junge Menschen aus Brüssel, Belgier und nicht Belgier waren gekommen. Und dann war auch der König da, der interessiert wie eigentlich immer den einheizenden Elektrobeats von DJ Netsky lauschte.
Viel könnte über die gelungene Party noch gesagt werden. Zum Beispiel auch, dass sie sicher viel weniger Geld gekostet hat als die Privatparty der US-Botschaft zu 250 Jahren USA ein paar Wochen zuvor an gleicher Stelle. Das belgische Feuerwerk fiel dann auch bescheidener aus. Aber das passte hervorragend ins Gesamtbild, ergänzte die große Laser- und Lichtshow am Boden und zeigte auch hier das, was Belgien im Selbstverständnis ausmacht: ein kleines, bescheidenes Land, das seinen Platz kennt, und trotzdem stolz auf das ist, was es mit seinen Mitteln hervorbringt.
Jeder, der die Bilder am Dienstag gesehen oder die Feier vielleicht auch im Park selbst miterlebt hat, wird sicher etwas von all dem gespürt haben. Wird ein Gefühl bekommen haben, dass man mit Belgien als Motto eine prima Party feiern kann. Dass das Land viele Facetten, Hautfarben und Sprachen hat, die völlig ungezwungen ein tolles Ganzes bilden. Dass man gemeinsam lachen, tanzen, singen und staunen kann. Dass man auf Belgien stolz sein kann, ohne abzuheben.
Dass man in einem Land lebt, dass trotz aller Sorgen auch gemeinsam feiern kann. Was zum Menschsein nun einmal dazugehört. Denn feiern heißt leben. Und zwischendurch tut es gut, das zu spüren.
Weshalb die mehr als eine Millionen Euro Steuergelder, die die Belgian Party gekostet hat und die jetzt zur Sanierung der Staatsfinanzen fehlen, alles andere als herausgeschmissene Euro sind. Sondern ganz im Gegenteil: gut investiertes Geld zum Wohle des Landes und seiner Menschen.
Kay Wagner