Wir in Belgien, beziehungsweise in Brüssel, haben die 250-Jahr-Feier der USA ja schon erleben dürfen. Exklusiv in der Preview sozusagen, letztes Wochenende, im Jubelpark. Wobei das eigentlich nicht stimmt. Die vom US-Botschafter organisierte, millionenteure Riesensause war ja nur für geladene Gäste. Das belgische Fußvolk musste draußen bleiben. Ausgesperrt aus seinem eigenen Park. Einer der wichtigsten grünen Lungen der Stadt. Und das bei dem Wetter. Kein Wunder also, dass sich der Enthusiasmus jenseits der schwer bewachten Absperrungen in Grenzen hielt. Unerwünscht waren offensichtlich übrigens auch US-Bürger, die kritische Fragen stellten.
Nach dem Wochenende blieb vor allem eines übrig, wie man heute unter anderem in La Dernière Heure lesen kann. Ein übel zugerichteter Rasen und sehr, sehr viel amerikanischer Müll. Möglicherweise, und man sollte wirklich betonen, möglicherweise, weil die offiziellen Untersuchungen noch laufen, könnten auch die historischen Gebäude am Jubelpark beschädigt worden sein. Vom Riesen-Feuerwerk der Amis. Als Metapher für Amerikas aktuelle Position in der Welt beziehungsweise alles, was die Trump-Administration und ihre Verbündeten anfassen, ist das alles fast schon zu perfekt, um noch Zufall sein zu können.
Währenddessen scheint in den Vereinigten Staaten selbst aber auch schon vor der Party eine gewisse Kater-Stimmung zu herrschen. Obwohl die Administration offenbar keine Steuergelder scheut, um die Menschenmassen zu locken, will der Funke einfach nicht überspringen. Vielleicht liegt's ja daran, dass selbst der überzeugteste Rotkappenträger, der sich nur über FOX News und rechte Podcaster informiert, mittlerweile Zweifel bekommt, ob der erweiterte Trump-Clan wirklich die Interessen der wie auch immer definierten Amerikaner im Sinn hat. Vielleicht hat The Donald es auch übertrieben mit all den Shows, die sich vor allem um ihn drehen? Schließlich ist es ja - zum Glück - nicht sein 250. Geburtstag, sondern der der Vereinigten Staaten. Oder vielleicht wollen die Menschen einfach mal zumindest einen Tag lang ihre Ruhe haben von den ständigen Kulturkriegen? Schwer zu sagen, vielleicht ist es ja ein bisschen von allem. Und vielleicht sollte man ja auch froh sein, wenn keine Funken fliegen, das kann bekanntermaßen ins Auge gehen.
Fakt ist jedenfalls, das sollten auch wir Europäer uns immer mal wieder in Erinnerung rufen, dass Trump und die Seinen im besten Fall einen Teil der Vereinigten Staaten repräsentieren. Auch wenn sie selbst das natürlich anders sehen, klar. In dem Sinne kann man den Amerikanern auch nur wünschen, dass sie, zumindest solange sie es noch dürfen, ihren Nationalfeiertag so begehen, wie sie es für richtig halten, nicht wie ihre Regierung das will.
Wenn die das Ganze zur MAGA-Feier machen will, bitte schön, man muss ja nicht mitmachen. Und es gibt für Narzissten bekanntermaßen ja nichts Schlimmeres, als ignoriert zu werden. Das heißt auch nicht, dass man sich von den Party-Poopern die ganze 250-jährige Geschichte der Vereinigten Staaten madig machen lassen muss. Eine Geschichte, die ganz klar ihre mehr als hässlichen Stellen hat, einige sogar, auch wenn gerade versucht wird, die ganz tief zu vergraben. Aber welches Land ist schon so schuldlos, dass es reinen Gewissens den ersten Stein werfen möchte?
Und neben dunklen Stellen gibt es auch viele Lichtblicke. Man möchte sich noch nicht mal ausmalen, wie die Welt heute aussehen könnte, wenn die Vereinigten Staaten nie existiert hätten. Und das ist wirklich nicht sarkastisch gemeint. Es soll aber auch keinesfalls eine Aufforderung sein, alles andere durch die rosarote Brille zu sehen.
Weil auch das sollte ein Vierteljahrtausend Existenz sein: ein Anlass, sich kritisch mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Selbst wenn es nur zu Hause im kleinen Kreis ist beim BBQ zum 4. Juli. Wer weiß, vielleicht bekommt der Slogan "Make America Great Again" so doch eines Tages wieder eine positive Bedeutung, es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass eine Idee gegen ihre Schöpfer eingesetzt wird. Und ja, man sollte auch ruhig daran erinnern, dass der 4. Juli eben auch der "Independence Day" ist. Und Unabhängigkeit bedeutet auch, sein Leben frei und ohne Angst leben zu können. Allein dieser Gedanke sollte es doch wert sein, das Feld nicht kampflos denen zu überlassen, die das genaue Gegenteil wollen.
Boris Schmidt
Sehr guter Kommentar!
Du warst schneller, als der eimerscheider Augure, Ralf. Respekt.
Deinem Kommentar schließe ich mich einfach mal so an...
Amerika ganz normal mit Pros und Cons.
Menschen wie Du und vermutlich ebenfalls ich mit Ecken und Kanten.
Kein Grund zum Klagen für mich über Nationen wie den USA, "Alt-UdSSR", Deutschland [DDR], dem Iran, Palästina oder Venezuela und Kuba.
Experimente halt zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Fehlerbehaftet wie vieles von uns Normalsterblichen. Doch legitim und kein Grund für ne Abmahnung.
Man sollte gelassen bleiben.Die Präsidentschaft von Trump ist gewiss ein Stresstest für die USA und ihre Institutionen.Nur hat Trump es bisher nicht geschafft, eine Diktatur wie in Russland oder China zu errichten.Die Institutionen funktionieren wie immer.Dies weil die USA ein Bundesstaat und kein Zentralstaat sind.Die Macht ist geteilt auf Ebene der Bundesstaaten und auf Ebene des Bundes.Dazu kommt noch die Gewaltenteilung auf jeder Ebene.Die Gründungsväter haben gute Arbeit geleistet.
Sehr guter Kommentar Herr Scholzen, schließe mich dem einfach mal so an.
Danke Herr Rademacher.
Laut Wikipedia gibt es in den USA 18.000 verschiedene Polizeidienste, die unabhängig von einander arbeiten. 97 Prozent haben weniger als 50 Mitarbeiter. Es ist einfach unmöglich ein zentrales Oberkommando einzurichten. Diese Zersplitterung verhindert eine Diktatur. In Frankreich wäre es eher möglich, weil Frankreich ein Zentralstaat ist.
Darum sollte man Trump nicht überbewerten. Der kocht auch nur mit Wasser bzw Bellende Hunde 🐕 beißen nicht.
Und die Armee kann Trump auch nicht so weiteres im eigenen Land einsetzen. Da haben Gerichte Grenzen gesetzt. Dazu hat die Armee im Ausland alle Hände voll zu tun.
Die USA sind eine Zusammenfassung von 250 Jahren Menschheitsgeschichte aus Gewalt, Gier, Mord, Betrug, Expansion, Kriegen, Machtpolitik.
Nachdem sie auf dem eigenen Territorium die indigene Bevölkerung genozidal beseitigt hatten, Mexico militärisch besiegten und deren Hälfte des Landes stahlen, begann ihre globale Macht-Politik.
Start war 1898 die gewaltsame Übernahme der spanischen Kolonien im Karibischen Raum,
1902 gegen die Philippinen,
1903 in gesamtem Lateinamerika für ca. 30 Jahre als "Banana-Wars" für United Fruit Company + Sicherung des Panamakanal,
ab 1915 Krieg und Besatzung auf Haiti+ Dominikanische Republik,
1914-1945 1.+2. Weltkrieg in Europa und im Pazifik gegen Japan,
Kalter Krieg von 1945-90 gegen alle sozialistischen Länder weltweit,
1950-1953 Koreakrieg,
1953 Sturz im Iran,
Vietnamkrieg,
Sturz von Regierungen in Guatemala, Kongo, Indonesien....,
Militärputsch Chile 1973,
seit 1970 große militärische und finanzielle Hilfe für ihren Stellvertreter Israel,
Afghanistan mit Al Kaida 1979-1989,
Irak-Krieg_1 1991,
gesamter Balkan in den 90-Jahren,
Afghanistan 2001-2021,
Irakkrieg2 2003+ Einrichtung Folterzentrum Guantanamo,
Libyen & Syrien & "Arabischer Frühling" ab 2011,
Ukrainekrieg ab 2014 bis heute,
Irankrieg 2025,2026 bis heute.
Grauenhaft.
Als die USA 200 Jahre alt wurden in 1976, da schwebte das militärische Trauma des verlorenen Vietnam-Krieges über den USA in der politischen Realität des Kalten Krieges.
Und nun? Im Vergleich dazu ist ein Donald Trump ein armer Waisenknabe, der im Iran ein paar Fensterscheiben eingeworfen hat.
Wenn der "Störfaktor Trump" mal weg ist, dann geht die Show eben ohne den weiter. Wenn manche Linke (in USA und Europa) einen Trump als Diktator bezeichnen, dann kennen die wohl die politische US-Gesellschaft nicht gründlich: Der US-Präsident ist Chef der Armee und der Bundesangestellten, aber die US-Bürger sind nicht seine Untertanen. Die spätere Verfassung "We the People" verankert dieses Prinzip bis heute.
Herr Krapalies.
So eine Auflistung können Sie von jeder Großmacht machen, angefangen bei den alten Römern bis zum britischen Weltreich über die heutige russische Föderation. Da war keiner besser.
Herr Marcel Scholzen Eimerscheid,
wie können Sie dann behaupten,
"Nur hat Trump es bisher nicht geschafft, eine Diktatur wie in Russland oder China zu errichten."
wenn die USA - unter welchen Präsidenten auch immer - allen anderen Staaten der Welt diktieren, mit welcher Währung Rohstoffe weltweit ausgetauscht oder gekauft werden sollen. Das widerspricht sich mit dem gesamten "freiheitlichen" Unabhängigkeitsgedanken, den die USA offiziell repräsentieren.
Viele Völker hatten andere, eigenständige Ideen des Miteinander-Zusammenlebens weit, weit weg vom brutalen und asozialen US-amerikanischen Raub- & Klausystem. Diese wurden jedoch alle mit der usurpatorischen Weltgewalt des US-Dollar und Waffen zerstört oder deren demokratisch gewählte Anführer ermordet, entführt, durch lächerliche Marionetten ersetzt.
Die USA sind eine Weltdiktatur, die über 800 Militärstandorte in 112 Ländern besitzt und die damit vor Ort agierenden Regierungen und deren Völker jederzeit bedrohen und in einen erpressbaren Zustand halten.
Wegen Platzmangel fehlt noch Text zu US-kolonisierten Einstellungen, Kulturen, Sozialverhalten, Sprache, Mentalitäten, selbstzerstörerische Lebensstile....
Herr Krapalies.
Alles richtig was Sie schreiben.
Das ist eben das typische Verhalten einer Weltmacht. Die wollen alles bestimmen. Die USA sind nicht die ersten, die das so machen. Die alten Römern, Briten, etc machten es auch so.