Über fast 80 Minuten war Senegal die klar bessere Mannschaft. Die Afrikaner dominierten das Spiel, führten verdient mit 2:0 und ließen Belgien mit konsequentem Pressing und hoher Intensität kaum zur Entfaltung kommen. Die Mannschaft von Rudi Garcia wirkte ideenlos, produzierte viele Ballverluste und fand weder offensiv noch defensiv die richtige Balance. Der Frust war den Belgiern anzusehen - zwischenzeitlich gerieten sogar Mitspieler auf dem Platz aneinander.
Erst der Anschlusstreffer von Romelu Lukaku fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit brachte die Wende. Kurz darauf köpfte Youri Tielemans den Ausgleich, ehe derselbe Spieler Belgien in der 125. Minute vom Elfmeterpunkt ins Achtelfinale schoss.
Die Aufholjagd ist historisch. Sie ist sogar noch höher einzustufen als das legendäre 3:2 gegen Japan bei der WM 2018. Damals drehten die Roten Teufel ebenfalls einen Zwei-Tore-Rückstand, hatten dafür aber noch rund 25 Minuten Zeit und entschieden die Partie noch vor Ablauf der 90 Minuten. Gegen Senegal schien das WM-Aus bis in die Schlussphase der Verlängerung besiegelt, ehe Tielemans Belgien doch noch erlöste.
Gerade diese Moral macht Hoffnung. Gleichzeitig offenbart der Auftritt aber auch zahlreiche Baustellen. Im Spielaufbau fehlten Kreativität und Tempo, das Mittelfeld verlor viele Zweikämpfe und defensiv ließ Belgien dem Gegner zu viele Räume. Gegen einen spielstarken Gegner kann sich die Mannschaft eine derart lange Schwächephase kaum noch erlauben.
Im Achtelfinale wartet nun Gastgeber USA. Zwar gewann Belgien das Duell in der WM-Vorbereitung deutlich mit 5:2, doch die Amerikaner haben sich im Laufe des Turniers sichtbar gesteigert und treten vor eigenem Publikum mit großem Selbstvertrauen an. Die Roten Teufel werden deshalb eine klare Leistungssteigerung benötigen.
Die Moral aus dem Senegal-Spiel kann ein wichtiger Baustein sein - spielerisch muss Belgien gegen die USA aber von der ersten Minute an ein anderes Gesicht zeigen. Ein weiteres Fußball-Wunder dürfte sich kaum ein zweites Mal erzwingen lassen.
Christophe Ramjoie
Belgien spielt heute mittlerweile so, wie das Deutschland von früher sich sehr häufig so durch die Welt-Turniere in die Endspiele mogelte: Ohne großen Glanz und Gloria, immer mit etwas Glück, - das nur der Tüchtige hat - viel Durchhaltewillen und Ausdauer bis zum Schlusspfiff sowie einer gewissen selbstbewussten Nervenstärke vom Punkt.
Ein Turnier geht lang, es gilt Widerständen und Rückschlägen zu trotzen, die Kräfte einzuteilen und Steigerungspotential zu entwickeln. Die Teams, die bereits zu Beginn glänzen, halten ihr Niveau über die Wochen nur selten.
Bei der WM 1986 in Mexico wurde Belgien nur Gruppendritter nach einer Niederlage gegen den Gastgeber, einem Unentschieden gegen Paraguay und einen knappen Sieg gegen den Irak. Am Ende verlor man nur knapp im Halbfinale gegen den späteren Weltmeister Argentinien...
Etwas mehr Freude und Patriotismus über einen nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg stünde dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gut zu Gesicht.
Mahnende Worte in einem Kommentar sind ok - Schwarzmalerei, fast schon Nörgelei finde ich kontraproduktiv.
Die Roten Teufel haben erkannt, dass die eingangs gewählte Taktik nicht funktionierte: der Trainer korrigiert, wechselt aus … und es funktioniert. Glück ja, aber dies muss man sich auch erarbeiten: durch Können, Willen und Glauben an die eigenen Stärken.
Bravo, Rote Teufel!
Der ganzer Männlichkeitswahn "Wir Stolzen B*** sind echt sogar stärker wie Gott" hat nach 500 Jahren Nationalismus, Kriegs- und Kolonialvergangenheit abgeschafft zu werden.
Punkt!
Männerfußball mit Nationalismussymbolen oder sogar "Wir der Testosteron-Teufel!" sind mit weiteren Extremstsportarten, Wilde Lustparty und Komasaufen zu verbannen aus einer nach Zivilisation, Weisheit und Bildung plus Gerechtigkeits- und Friedensuchenden Welt!
Dies hat mal umgesetzt zu werden durch sofortige Abschaffung von Dingen wie der Fußball-EM und noch viel mehr Extremstsportevents.
Und zur Trump/Infantino-Affäre gibt es im öffentlich-rechtlichen BRF wirklich keinen Kommentar?