Wenn im Vorfeld von "drittklassigen Gegnern" gesprochen wird – wie es manche Experten vor dem Sechzehntelfinale Deutschlands gegen Paraguay taten –, darf man sich über die Schadenfreude im Rest der Welt nicht wundern. Wer den Gegner unterschätzt und dann auch noch im Elfmeterschießen ausscheidet, liefert die passende Antwort gleich selbst.
Auch Marokko überzeugte gegen die Niederlande mit einer starken Leistung und zog völlig verdient in die Runde der letzten 16 ein. Solche Ergebnisse sind längst keine Sensationen mehr, sondern Ausdruck einer Entwicklung, die viele in Europa noch immer nicht wahrhaben wollen.
Afrikanische Mannschaften sind schon lange keine bloßen Sparringspartner mehr, sondern ernst zu nehmende Gegner auf höchstem internationalen Niveau. Dennoch erfahren sie in der europäischen Wahrnehmung oft nicht die Wertschätzung, die ihren Leistungen zusteht. Dass sich bei dieser Weltmeisterschaft neun von zehn afrikanischen Teams für die K.-o.-Phase qualifiziert haben, spricht eine deutliche Sprache.
Es wäre an der Zeit, den Blick auf den internationalen Fußball zu verändern. Niederlagen gegen vermeintlich kleinere Nationen sind nicht automatisch eine Schmach oder Blamage. Häufig sind sie vielmehr das Ergebnis einer eigenen schwachen Leistung – oder Ausdruck der Stärke eines Gegners, der sich seinen Erfolg hart erarbeitet hat.
Statt über peinliche Pleiten zu diskutieren, wäre mehr Respekt angebracht: Respekt vor der Qualität anderer Kontinente, vor der Entwicklung des Weltfußballs und vor Gegnern, die längst auf Augenhöhe spielen.
Belgien scheint diese Lektion zumindest verstanden zu haben. Vor dem Achtelfinale wird Senegal nicht als Pflichtaufgabe, sondern als harte Nuss bezeichnet. Das ist ein guter Anfang – und vielleicht ein Zeichen dafür, dass sich im europäischen Fußballdenken langsam etwas verändert.
Christophe Ramjoie
Stimmt.
Ehjo 😉
Un da. 👍🤜