Ende Juni, Zeugniszeit. Dem einen oder anderen wird (hoffentlich) noch die Aufforderung in Erinnerung sein: "Weiter so!" Verbunden mit dem Gefühl der Erleichterung, dass die großen Sommerferien anstehen.
Ähnlich erleichtert dürften sich diese Woche all diejenigen gefühlt haben, die es mit den Krankenhäusern in St. Vith und Eupen halten oder mehr noch: für sie verantwortlich sind. Aber hier ist nichts mit "Schultasche in die Ecke schmeißen", für sie geht die Zeit der Prüfungen unvermindert weiter.
Es hätte auch anders kommen können: Der Expertenbericht, der den Gesundheitsministern als Grundlage für die Neugestaltung der Krankenhauslandschaft in Belgien diente, sah keine Ausnahme vor. Allein die Mindestgröße hätte ausschlaggebend sein sollen für die künftige Ausstattung der Krankenhäuser.
Das Ziel dieser Strukturreform ist hier wie anderswo - nicht zuletzt in Deutschland - eine Art Flurbereinigung. Nicht aus Lust und Laune, sondern wegen der ausufernden Kosten. In Belgien wurde diese Flurbereinigung angestoßen von der resoluten Maggie De Block. Sie kam selbst aus dem Gesundheitswesen und wusste, wovon sie sprach.
Damit Doppelstrukturen vermieden werden, sollten die Krankenhäuser sich vernetzen und spezialisieren. Die Krankenhausnetzwerke wie Move (mit unter anderem Eupen und St. Vith) oder Elipse (mit Malmedy) kamen unter teils schweren Geburtsschmerzen auf die Welt, mit Verteilungskämpfen und politischem Gerangel bis hin zur Vaterschaftsanfechtung.
Verteilungskämpfe und Nickligkeiten gab es auch in Ostbelgien. Erinnert sei nur an das Theater um den ersten "Kernspintomographen", der seinerzeit nach St. Vith ging. Inzwischen hat er ausgedient und wurde schon ersetzt. Und auch in Eupen gibt es längst einen solchen Magnetresonanztomographen. Die regionale Rivalität musste sich an größeren Bedrohungsszenarien neu ausrichten. Angesichts der drohenden Zusammenstreichung lautet die Marschroute seit einiger Zeit: an einem Strang ziehen. Nicht auf Gedeih und Verderb, eher schon auf Herz und Nieren.
Beim Kampf um die Aufrechterhaltung von Diensten und Abteilungen (und der Krankenhäuser allgemein) ist die Muttersprache ein schlagendes Argument. Sowohl Eupen als auch St. Vith haben sich aber längst als Anlaufstelle für die französischsprachigen Nachbarn etabliert - bis weit hinein in den Norden der Provinz Luxemburg, wo die hiesigen Diskussionen wie Luxusdebatten gesehen werden.
Dass den Krankenhäusern in St. Vith und Eupen wegen der sprachlichen und geographischen Situation nun doch eine Ausnahmeregelung gewährt wird, darf zu Recht als großer Verhandlungserfolg verbucht werden. Ein Pluspunkt für die Gemeinschaftsautonomie, in einem lebenswichtigen Bereich.
Zustande gekommen ist dieser Verhandlungserfolg in enger Abstimmung zwischen der Politik und den Verantwortlichen der beiden Krankenhäuser. "Weiter so", möchte man sagen, denn die Herausforderungen werden nicht kleiner und es wird weitere Verhandlungsrunden geben. In erster Linie gilt es natürlich, die Qualität der medizinischen Basisversorgung zu gewährleisten. Und die zugelassenen Dienste müssen ja auch personell besetzt und gemeistert werden können.
Das wird nicht ohne gegenseitige Unterstützung gehen: zwischen Eupen und St. Vith und innerhalb des dafür geschaffenen Netzwerks. Die angestrebte stärkere Zusammenarbeit der Krankenhäuser im Osten der Provinz Lüttich ist ein positives Signal.
Aufmerksam werden wir in Ostbelgien auch verfolgen, was aus dem Krankenhaus in Malmedy wird.
Stephan Pesch