"Projekt: Peacemaker" - so heißt ein amerikanischer Actionfilm aus dem Jahr 1997 mit George Clooney und Nicole Kidman in den Hauptrollen (und mit Armin Mueller-Stahl). Grob zusammengefasst: Nach dem Ende des Kalten Krieges sollen russische Atomwaffen in den Iran geschmuggelt werden. Das wollen Geheimdienstleute verhindern. Im weiteren Verlauf wird sogar New York zum nuklearen Anschlagsziel - aber am Ende geht alles gut aus. Hollywood.
Das ist fast 30 Jahre her, die Weltlage ist seither nur noch brenzliger geworden. In einer Neuauflage des Films würde wohl Donald Trump die Hauptrolle beanspruchen wollen, als "Peace-Deal-Maker". Dazu bräuchte es aber eine Vorstellungskraft, die selbst die Möglichkeiten der Traumfabrik Hollywood übersteigt.
Natürlich ist es zu begrüßen, wenn es nun endlich ein Abkommen gibt zwischen den USA und dem Iran oder, wie es auf Englisch heißt: ein "Memorandum of Understanding”. Dass Trump diese Absichtserklärung in Versailles unterschrieb, also da, wo 1919 der Vertrag zur formellen Beendigung des Ersten Weltkriegs unterzeichnet wurde, ist vielleicht etwas hoch gegriffen. Es gehörte zur Inszenierung des G7-Gipfels und zu den verzweifelten Versuchen, den US-Präsidenten bei Laune zu halten, was mit solchem Prunk und Pomp immer noch am besten funktioniert.
Immerhin haben wir es hier mit jemandem zu tun, der angedroht hatte, eine ganze Zivilisation auszulöschen oder die Pforten zur Hölle zu öffnen. Nun haben sich die USA in der Absichtserklärung verpflichtet, "gemeinsam mit ihren regionalen Partnern" mindestens 300 Milliarden US-Dollar in den Wiederaufbau im Iran zu investieren. Die von iranischen Vergeltungsschlägen getroffenen Golfanrainer wird’s freuen.
Das endgültige Abkommen muss ohnehin noch ausgehandelt werden. Mittelfristig sollen dann auch alle Sanktionen gegen den Iran fallen. Hauptsache, die Straße von Hormus geht auf und die Preise für Öl und Lebensmittel gehen runter. Dabei haben die USA die iranische Führung im wahrsten Sinne des Wortes auf den Trichter gebracht, was für ein machtvolles geopolitisches Instrument sie da in der Hand haben und dass sich damit auch in Friedenszeiten reichlich Mautgebühren abkassieren lassen.
Es liegt auf der Hand, dass die Vereinigten Staaten nur irgendwie aus dem selbstverschuldeten Schlamassel raus mussten. Das erinnert an frühere außenpolitische Pleiten. Hinter der Vereinbarung soll aber gar nicht der selbsternannte "Dealmaker" Trump stecken, sondern sein Vize JD Vance. Ihm dürfte nämlich daran gelegen sein, diesen Konflikt möglichst bald beizulegen - mit Blick auf seine eigene politische Karriere und auf das rechtskonservative Projekt der aktuellen US-Regierung.
Für Donald Trump bleibt nur das wenig schmeichelhafte Prädikat "Troublemaker".
Stephan Pesch