Dass der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, der kommende Woche zur Verleihung des Karlspreises in Aachen erwartet wird, kein ausgewiesener Kommunikator ist, liegt auf der Hand. Das sagen nicht nur seine schlechten Umfragewerte. Das zeigt auch sein sorgloser Umgang, mit dem, was er sagt.
Merz wähnte sich unbeobachtet, als er vor einer Woche Schülern in Marsberg, also in seiner sauerländischen Heimat, erzählte, dass die USA durch die iranische Staatsführung gedemütigt würden und "offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Konflikt gegangen" seien. Damit hatte er offensichtlich Recht. Aber er musste doch wissen, dass so etwas bereitwillig aufgegriffen wird.
Donald Trump jedenfalls war außer sich. Dass der US-Präsident, von Amts wegen Oberbefehlshaber, daraufhin ankündigte, 5.000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen und, was wichtiger ist, das von Joe Biden versprochene Fernraketen-Bataillon zurückzuziehen, wirkte darum wie eine Retourkutsche - wobei es wohl längst beschlossene Sache ist. Die kritischen Bemerkungen von Merz waren ein willkommener Vorwand für in diesem Fall sehr wohl überlegte strategische Planungen.
Während die einen sich über die Aussicht auf eine Erfüllung alter "Ami-go-home!"-Parolen freuen, machen sich die anderen Sorgen angesichts der wirtschaftlichen Konsequenzen (an Standorten wie Spangdahlem) oder angesichts der neuen russischen Bedrohung. Dabei tun Trump & Co. Deutschland und Europa einen Gefallen, indem sie zum x-ten Mal klar machen, dass die internationale Ordnung, wie sie gegen Ende des Zweiten Weltkrieges entstand, am Ende ist. Und dass Deutschland und Europa ein Interesse daran haben, ihre militärische Sicherheit selbst in die Hand zu nehmen - je schneller, desto besser.
Das dürfte neben dem Hype um den Kanzler-Besuch an ihrer Schule auch bei den Schülern am Carolus-Magnus-Gymnasium in Marsberg hängen geblieben sein. Marsberg liegt übrigens gleich neben Essentho, da, wo noch bis vor 30 Jahren belgische Streitkräfte stationiert waren.
Stephan Pesch
Fragt sich nur, bedrohen die Russen uns oder fühlen die sich vom Westen bedroht...🤔 Eine heikle Frage
Fest steht, dass Uncle Sam's weltweite Bedeutung allmählich zurückgeht. Deshalb sollte Europa sich auf seine eigene Stärke besinnen. Dann muss Europa selbst eine Lösung finden, um die amerikanischen Marschflugkörper zu ersetzen.
Bei seinem Antrittsbesuch im NATO-Hauptquartier in Brüssel im Februar 2025 als neuer US-Verteidigungs-(Kriegs-)minister sagte Pete Hegseth, die NATO müsse sich deutlich militarisieren und „schlagkräftiger“ werden.
Berühmt wurde sein Satz, die NATO dürfe kein „diplomatischer Klub“, sondern müsse eine „stärkere, tödlichere Streitmacht“ sein. Er verlangte von den europäischen Verbündeten höhere Verteidigungsausgaben (bereits erledigt) und mehr Eigenverantwortung für die Sicherheit in Europa = Rückzug der US-Streitkräfte, da diese anderweitig gebraucht werden. Die USA bestehen auf einer Arbeitsteilung: EU-NATO soll als Stellvertreter ab 2029 gegen Russland militärisch vorgehen, da die USA zusammen mit Israel einerseits gegen den Iran und danach etwas weiter östlich gemeinsam mit Japan gegen China die beginnende multipolare Weltordnung zerstören muss, um alleiniger Hegemon zu bleiben.
Trumps Rechnung gegen Iran ist eine andere - er behindert durch Chaos und Seeblockaden den Ölexport aus der Region nach China. Das hat er geschafft. 50% aller Ölimporte Chinas stammten aus Saudi-Arabien, Iran, Irak, Oman, VAE...