Von Kapitänen, Passagieren und Sturm – ein Kommentar zur Energiekrise

Die hohen und immer weiter steigenden Energiepreise sorgen täglich für viele Negativschlagzeilen. Ein Ende der Teuerungen ist nicht in Sicht. Premier De Croo sprach diese Woche sogar von fünf oder sogar zehn schwierigen Wintern, die Belgien bevorstehen werden. Worte, die De Croo sich so, wie er sie gesagt hat, hätte sparen können - die aber trotzdem etwas Gutes hatten.

BRF-Redakteur Kay Wagner

BRF-Redakteur Kay Wagner (Bild: Alexander Louvet/BRF)

Es war schön, noch einmal etwas vom Premierminister zu hören. Auch wenn das, was er gesagt hat, nicht unbedingt erfreulich war. Aber immerhin wissen wir jetzt: Es gibt ihn noch, den Premier. Es besteht die begründete Hoffnung, dass bald auch wieder regiert wird in Belgien. Dass diskutiert und vor allem entschieden wird. Das ist zurzeit dringend nötig.

Denn die Welt, in der wir leben, spielt gerade ziemlich verrückt. Deshalb wäre es wichtig, mal einen Schritt zurückzutun. Raus aus dem alltäglichen Kleinklein, um den Blick für das Gesamtbild zu bekommen. Das gilt sowohl für die Politiker als auch jeden einzelnen Bürger.

Fangen wir – weil es so schön einfach ist – mit den anderen, mit den Politikern an: Wenn man De Croo glauben darf, haben sie ja durchaus erkannt, dass die Lage ernst ist. Das ist gut. Denn dann bitte schnell zum nächsten Schritt!

Zur Erinnerung: Wir haben unsere Politiker gewählt, damit sie in unserem Namen handeln. Das ist ihre ureigene Funktion. Zu vergleichen mit einem Kapitän und seiner Mannschaft, die ein Schiff steuern. Die Passagiere sind in diesem Bild die Bürger. Aufgabe eines Kapitäns und seiner Mannschaft ist es, die Passagiere so gut wie möglich durch alle möglichen Fahrwasser zu bringen. Und wenn doch mal Stürme auftreten, muss der Schaden in Grenzen gehalten werden. Passagiere, die ins Wasser fallen und ertrinken, darf es nicht geben.

Genauso ist es jetzt. Ein Kapitän auf einem Schiff im Sturm kündigt nicht einfach an, dass der Sturm noch ein paar Tage anhalten wird und verabschiedet sich dann wieder in seine Kabine. Ein Kapitän auf einem Schiff handelt bei Sturm sofort. Egal, ob er gerade geschlafen hat oder zu Mittag isst – wenn Sturm ist, zählt jede Sekunde.

Was genau der Kapitän dann entscheidet, ist seine Sache. Dafür ist er ja Kapitän. Er kennt seine Aufgabe – er weiß am besten, wie man die lösen kann. Zur Not berät er sich mit seiner Mannschaft, auch die wird dafür ja bezahlt. Auch die kennt eigentlich nur ein Ziel: So gut wie möglich durch den Sturm kommen, ohne Schaden, ohne Mann über Bord.

Für De Croo, seine Regierungskoalition, aber bitte in dieser außergewöhnlichen Krisenzeit auch die Opposition heißt das: Setzt euch bitte so schnell wie möglich an einen Tisch und schaut, wie ihr euer Schiff Belgien durch den Sturm bringt. Erste Bürger drohen über Bord zu gehen, kein Geld mehr zum Leben zu haben. Erste Unternehmen stellen die Maschinen ab. Energie ist einfach zu teuer geworden. Das darf nicht sein auf dem Schiff Belgien. Handeln – bitte jetzt und mit sofortiger Wirkung!

Soweit zu den Politikern. Jetzt zu uns, zu jedem einzelnen. Auch wir müssen uns so verhalten, wie ein Passagier auf einem Schiff im Sturm. Nicht alles ist dann mehr möglich. Gemütlich auf dem Sonnendeck liegen, Cocktail schlürfen und abends das Käpt’ns Dinner erwarten – das geht nicht.

Bezogen auf die aktuelle Energiesituation hinkt dann der Vergleich ein bisschen. Denn ja, es gibt die Menschen, denen die hohen Energiepreise relativ egal sind, weil sie genug Geld haben, um die Rechnungen ohne größere Probleme zu bezahlen. Umso besser für sie.

Aber diejenigen, die jetzt drohen, über Bord zu gehen oder gar nicht erst in die Nähe der Schiffskante kommen wollen, können jetzt auch etwas tun. Die meisten zumindest. Denn es gibt viele Möglichkeiten, im Alltag Energie zu sparen. Das erfordert Kreativität, Einschränkungen und Verzicht. Der Kühlschrank muss nicht immer laufen, der Fernseher auch nicht, die Dusche muss nicht immer warm sein.

Klar, das heißt mit weniger Annehmlichkeiten leben. Aber solche Dinge müssen zur Not jetzt eben passieren. Denn alles können und sollen die Politiker nicht für uns regeln. Das muss jedem von uns auch klar sein.

Wer in einer Gesellschaft wie in Belgien lebt, hat auch Pflichten. Auch wenn sie manchmal nur darin bestehen, sich selbst an der Reling festzuhalten, um nicht vom Sturm über Bord gefegt zu werden.

Kay Wagner

9 Kommentare
  1. Gerald Pesch

    1) Journalisten verstehen nicht die Ursache der Energiekrise. Bestenfalls kommt „Putin ist Schuld“, und darin erschöpft sich dann die Ursachenforschung. Etwa die „Energiewende“ oder die „Dekarbonisierung“ in Frage zu stellen kommt keinem Journalisten in den Sinn.
    2) Die hilflosen Appelle zum Energiesparen zeigen nur wie wenig physikalisch-technischer Sachverstand zu diesem Thema in den Redaktion anzutreffen ist. Glaubt ihr Berufsschreiber denn wirklich dass man mit weniger Duschen oder 1 bis 2°C weniger Raumwärme das Problem nennenswert entschärfen könnte? Hat denn bei euch keiner auch nur eine Ahnung was 10,000 MW Netzlast in Belgien eigentlich bedeuten? Fazit. Die Journalisten schreiben sich die Finger wund, haben die Dimension des Problems aber gar nicht verstanden….

  2. Marcel scholzen eimerscheid

    Guter Kommentar.

    Man darf in Belgien nicht zu viel verlangen von den Politikern. Es besser die machen gar nichts als irgendwelchen Bockmist. Zu verlangen die sollten zum Beispiel Preisdeckel für Energie, ist schlicht zu viel verlangt.

  3. Lars Heidel

    Mhhhh, irgendwie nicht über den Horizont hinaus gedacht, finde ich.
    Ein Sturm ist höhere Gewalt.
    Die aktuell steigenden Preise sind aber hauptsächlich durch die Sanktionen verursacht. Hausgemacht!
    Man hat von sich selbst aus ein weltweit immer knapper werdendes Gut noch weiter verknappt. Wenn man ein Produkt von einem bestimmten Händler nicht günstig kaufen will, muß man eben anderswo mehr bezahlen.
    Wenn man es überhaupt bekommt. Das entscheidet man selbst.
    Die andere Frage ist: Wie lange sollen wir kalt duschen? Den Fernseher ausschalten und täglich entscheiden ob man den Kühlschrank braucht?
    Diese Ideen finde ich schon sehr anmaßend.
    Wie soll die Wirschaft bleiben wie sie ist oder sogar wachsen?
    Arbeitsplätze erhalten werden?
    Ein immer knapper werdendes Gut wird immer teurer werden.
    So ist das !
    Herr Wagner gehört als Redakteur dan eher zu den Kreisen die IMMER warm duschen können.
    Irgendwie peinlich der Kommentar!

  4. Edmund Gebser

    Warum hört die Regierung nicht auf die Expertiese aus der Eifel? Da sitzen so geniale Köpfe. Wir müssen nur so weiter machen wie bisher dann lösen sich alle Probleme von selbst. Manchmal glaube ich beim lesen Ihrer „Kommentare“ Erich Kästner hat in seiner „Geschichte der Menschheit“ recht.

  5. Guido Scholzen

    Überschrift:“Von Kapitänen, Passagieren und Sturm…“

    Europa ist ein Schiff, der Kapitän und seine Crew gingen jahrelang durch die Schule der öko-marxistischen Energiewende-Navigation, und steuern das Schiff Europa auf ein Riff namens Energiekrise, was aber keiner gerne eingesteht. Der Kapitän sagt der Besatzung, dass sei noch immer besser, als auf hoher See unter immensen Sturm und Wellen (wegen Klimawandel) zu sinken und zu sterben.
    Plötzlich: Das Piratenschiff Russland unter dem Kommando des berüchtigten Seeräubers Putin nimmt Kurs auf die Europa, um diese zu entern. Kapitän&Crew sind sich einig, dass dies ein zusätzlicher Grund ist, besser auf das Riff zuzusteuern.
    Auf einmal sehen alle, wie gewaltig dieses Riff ist, obwohl es in alten Karten korrekt eingetragen war und stets davor gewarnt wurde. Europa’s Kapitän&Crew beschliessen Kurswechel Richtung Hohe See (normaler Kurs), um Riff und Piraten zu entkommen. Doch Wellen und Sturm sind normaler als angenommen und beherrschbar.

    Fazit: das Schiff Europa hat eine schlechte Navigations-Mannschaft.

  6. Jean-Pierre DRESCHER

    „Warum hört die Regierung nicht auf die Expertiese aus der Eifel?“

    Humor in diesen fürchterlich finsteren Zeiten tut gut. Weils einfach nicht mehr anders geht als mit etwas englischem Humor das Bunte Treiben dieser kaputten Welt da draußen zu verarbeiten.

    Weder ich noch MSE werden das Unglück aufgehalten bekommen. Man kann nur versuchen durch nen angepassten Alltagskonsum wie z.B. Fleisch, Milch und Eier aus regionaler Herkunft und Kontrolliert Artgerecht gehalten im kleinen etwas unter Kontrolle zu bekommen, Alkoholkonzerne meiden, Ballermannreisen etc. verkneifen für Notopfer für die Bedürftigsten der Wohlstandsgesellschaft.

    Ehrenamt in Altenheimen, Tierheimen, Flüchtlingswerken oder der Obdachlosenhilfe.

  7. Uwe Chemnitz

    ICH KOMMENTIERE NUR DIESEN ORIGINALEN KOMMENTAR OBEN
    Gemütlich auf dem Sonnendeck liegen, Cocktail schlürfen und abends das Käpt’ns Dinner erwarten – das geht nicht.
    Ein solches Dinner hatte ich noch noch nie, weil mir dazu das Geld fehlt.
    Der Kühlschrank muss nicht immer laufen, der Fernseher auch nicht, die Dusche muss nicht immer warm sein.

    Der FERNSEHER LÄUFT NUR WENN ICH IN ANSCHALTE; ALS ein Druck auf die Steckdosenleiste, wo alles dran hängt.
    Achso..dann muss der Kühlschrank nicht immer laufen…..haben Sie mal darüber nachgedacht, das bestimmte Lebensmittel gekühlt sein müssen????
    Und kalt duschen soll ich jetzt auch noch…beim nächsten Beitrag schreiben Sie vermutlich, es steigert die Abwehrkräfte…also ehrlich ..da fällt einem nichts mehr ein.
    Es ist eine Schande, das Sie da so etwas schreiben, weil es genau diese Klientel mit noch weniger Geld als ich habe, noch härter trifft.

  8. Guy Christmann

    Man sollte schonmal Passagiere über Bord gehen lassen dürfen.
    Freiwillig oder unfreiwillig.
    Alles andere ist Heuchlerei und dient der eigenen Vorteilsnahme.

  9. Dieter Leonard

    Bei allem Verständnis. Das mit dem Kühlschrank würde ich einfach mit Bedauern zurück nehmen, Herr Wagner.
    Sie liefern den Dauernörglern, Ewigbesserwissern und gescheiterten Politikern doch nur Gelegenheit, ihrem Frust hier freien Lauf zu lassen.