Kampf dem Rassismus, auch in Belgien – Ein Kommentar

In dieser Woche hat wohl mindestens die halbe Welt gebannt auf die USA geschaut. Als Reaktion auf den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd gab es in vielen großen amerikanischen Städten zum Teil gewaltsame Proteste. Gegen Rassismus. Gegen Polizeigewalt. Die Ereignisse haben auch in Belgien die Rassismus-Debatte wieder neu angefacht.

Roger Pint, Leiter des BRF-Studios Brüssel

Roger Pint, Leiter des BRF-Studios Brüssel (Bild: Achim Nelles/BRF)

Black Lives Matter! Schwarze Leben zählen! Schlimm genug, dass man das im Jahr 2020 noch mal unterstreichen und dafür auf die Straße gehen muss. In erster Linie in den USA. Denn hier nahm die Tragödie schließlich ihren Anfang. Und hier ist die Problematik eines „strukturellen“ Rassismus auch am sichtbarsten.

Black Lives Matter. Dieser Slogan ist leider aktueller denn je. Die Polizeiaktion in Minneapolis, die zum Glück gefilmt wurde, lässt doch erkennen, dass dieser Satz offensichtlich längst nicht bis in alle Köpfe durchgedrungen ist. Black Lives Matter, wenn schwarze Leben zählen würden, dann hätte der Polizist nicht unendliche 8 Minuten und 46 Sekunden dem Mann unter seinem Knie die Luft abgedrückt.

Genau so sehen das wohl auch die meisten Demonstranten, ob nun in den USA oder in anderen Teilen der Welt, all die Menschen, die ihre Erschütterung und ihre Wut über die Ereignisse zum Ausdruck gebracht haben. „Wäre George Floyd weiß gewesen, dann wäre das Ganze nie passiert“. Ausgelebter Rassismus. In einem Land, in dem bis vor knapp 60 Jahren die Rassentrennung noch weitgehend institutionalisiert war und in dem die Gleichstellung von Afroamerikanern bis heute vielerorts immer noch allenfalls in der Theorie besteht.

Aber schon hier verlässt man den Bereich, den man doch eigentlich gerne als „konsensfähig“ betrachten würde. Auch im Jahr 2020. Denn es gibt Leute, die die Feststellung an sich schon nicht akzeptieren wollen, die kein Rassismusproblem sehen. In Amerika nicht, und auch nicht bei uns. In Flandern etwa bezeichnete der Vlaams-Belang-Politiker und rechtsextreme Überzeugungstäter Filip Dewinter Rassismus als „Fake-Problem“. Gut, von solchen Leuten kann man nichts anderes erwarten.

Viel gängiger sind alle möglichen Formen von Relativierung. Klassischer Whataboutism zum Beispiel, nach dem Muster: „Dann gehen Sie doch mal nach Molenbeek, da sehen Sie, dass es auch Rassismus gegen Weiße gibt“. Man darf unterstellen, dass neun von zehn Leuten, die solche Behauptungen in den Raum stellen, selbst nie in Molenbeek gewesen sind.

Eine andere Spielart dieser Geisteshaltung ist die offensive Frage, warum denn – gemäß dem Slogan – nur „schwarze Leben zählen“ sollten, wenn doch alle Leben zählen. Naja, dazu nur so viel: Es heißt ja nicht, dass „nur“ schwarze Leben zählen sollten. Gemeint ist vielmehr damit, dass eben diese „schwarzen Leben“ – zumal in Amerika – im Moment in vielen Köpfen eben nicht zu zählen scheinen. Es ist die Forderung „der Schwarzen“ nach Gerechtigkeit, nach Gleichbehandlung. Ein schönes Beispiel liest man immer wieder: Wer ein Stück Kuchen will, der sagt auch nicht: „Jeder sollte ein Stück bekommen“.

In die Kategorie „Relativierung“ gehört auch die Argumentation, wonach man doch nicht die gewaltsamen Unruhen und Plünderungen gutheißen kann. Denn, nein, das kann man auch nicht. Was aber doch hoffentlich nichts daran ändert, dass man Rassismus als ein Problem betrachten darf, das es dringend zu lösen gilt.
Also: Mal wird ignoriert, mal relativiert, oder es heißt einfach nur: Der Tod von George Floyd, das ist ein amerikanisches Problem, das muss uns nicht beschäftigen.

Wirklich nicht? Wer wirklich glaubt, dass es Rassismusprobleme „bei uns“ nicht gibt, der sollte man ein Gedankenexperiment machen. Vielleicht nach dem Vorbild der Antirassismus-Aktivistin Jane Elliot. Vor einem überwiegend weißen Publikum bat sie die Zuschauer, die so behandelt werden wollen wie Afroamerikaner, doch bitte aufzustehen. Niemand stand auf. „Sie wissen sehr genau, warum Sie nicht aufstehen“, wendet sich Jane Elliot wieder an das Publikum. „Sie wissen, dass Sie nicht so behandelt werden wollen. Warum akzeptieren Sie denn, wenn das anderen widerfährt?“

Natürlich gibt es Rassismus in Belgien. Vorurteile. Diskriminierung. All die Menschen mit Migrationshintergrund, die ihre Erfahrungen mit Rassismus im Alltag schildern, die bilden sich das nicht ein. Menschen, die hier aufgewachsen sind, die Belgien und Europa ihre Heimat nennen, und die doch beim kleinsten Misston regelmäßig zu hören bekommen, sie mögen doch bitte „in ihr Land“ zurückkehren, weil sie hier angeblich nicht hin gehören, wo sie doch keine andere Heimat gekannt haben. Die blöde Witze über sich ergehen lassen müssen oder einfach nur vermeintliche Komplimente, dass sie doch die Sprache erstaunlich gut sprechen, wenn es doch oft ihre Muttersprache ist – das alles sorgt für ein Gefühl, eben nicht oder nicht ganz dazuzugehören.

Und wer jetzt dagegenhält, dass es ja „Gewisse“ gebe, die sich nicht integrieren wollten, dem kann man nur antworten: Die mag es geben, aber es sind eben Verallgemeinerungen, die so grundsätzlich giftig sind. Oder würde sich jeder mit „dem“ Belgier über einen Kamm scheren lassen – da würde man auch schnell Sprüche hören, nach dem Motto: Aber nicht mit ‚den‘, und dann kann man wahlweise „Flamen“ oder „Wallonen“ einsetzen. Das Ganze noch mit einem abschätzigen Adjektiv versehen.

Rassismus ist auch „bei uns“, in Belgien und in Europa, definitiv kein Fremdwort. Es gibt das Problem. Vielleicht nicht so offen und strukturell wie in den USA, sondern eher subkutan. Nicht offensiv, sondern verkappt, verhüllt, zwischen den Zeilen.

Das müssen wir angehen! Das geht nur, indem wir darüber reden. Und das wiederum geht nur, wenn jeder das Problem erstmal als solches akzeptiert, es eben nicht negiert oder relativiert. Die Form ist hier entscheidend. Hier darf es nicht darum gehen, irgendwen auf die Anklagebank zu setzen. Die Einsicht alleine zählt, und damit verbunden auch das Resultat: wirkliche Gleichberechtigung für alle.

Stattdessen – wie Donald Trump – den Konflikt nur noch anzuheizen, das führt zu nichts. Allenfalls ins Verderben. Den Beweis sieht man eben in Amerika. Wer genau hinsieht, der muss erkennen, wie nahe die USA inzwischen am Abgrund stehen.

Roger Pint

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19 Kommentare
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Rassismus ist inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen. Und Rassismus hat viele Gesichter. Es gibt nicht nur den von „Weißen“ gegenüber „Schwarzen“. Während der Coronakrise waren Afrikaner in China massiv Anfeindungen ausgesetzt. Man verdächtigte sie, mit Schuld zu sein an der Pandemie.

  2. Berni Schmitz

    Sehr geehrter Herr Pint, vielen Dank für diesen Kommentar! Gut beobachtet und beschrieben (wie alle Ihre Beiträge).

  3. Jean-Pierre DRESCHER

    Man braucht nicht auf Herrn Trump oder allgemein unabhängigen freien Nationen rumhacken wenn im eigenen Land regelmäßig Zuwanderer Opfer von gewalttätigen Milizbeamten werden oder anderweitig rassistisch behandelt werden.

  4. Mario Meis

    Herr Plint,
    Komplimente sind auch schon Rassismus, na dann!
    Dann müssen Sie mal erklären, wie man sich richtig verhalten soll, wie das gerne gemacht wird in dieser Zeit!

  5. Norbert Schleck

    Nun gibt es Rassismus oder Diskriminierung solcher und solcher Art, Herr Meis.
    Die Darstellung der Juden im Aalster Karneval war die eine Art, ein gedankenlos hingeworfener Satz die andere, denn sie zeigt dem Adressaten, dass er im Grunde doch nicht richtig dazugehört, dass er ein Fremder ist und blebt, da kann er sich noch so sehr um Integration bemühen.
    Kann denn ein Mensch dunkler Hautfarbe ein „echter“ Flame, Wallone oder Deutscher (‚Deutschsprachiger Ostbelgier‘) sein? Manche werden das verneinen.

    Übrigens, Rassismus gibt es auch in Ostbelgien, subtil oder offen, bis in manche Diskussionsforen hinein…

    Sehr guter Kommentar, Herr Pint!
    Der Text wäre es wert, im Schulunterricht durchgenommen zu werden.

  6. Michaelis Edgar

    Rassismus und/oder Diskriminierung sind „strategische Werkzeuge“ unserer „Parteien-Macht-Systeme“. Solange wir solche Systeme haben, die uns „warhaftige Demokratie“ vorenthalten, wird sich nichts ändern. In einer wahre Demokratie werden „die Minderheiten geschützt, geachtet und respektiert“! Das kann ein „Parteien-System“ nicht bringen, denn „die Partei“ definiert sich ja „per se“ durch „Abgrenzung“, „Besserwissertum“ und damit verbundener „Verweigerung Andersdenkender“ gegenüber !
    Rassismus und Diskriminierung dient denen zum „teilen und herrschen“ ! „Uneinigkeit im Volke“ ist deren Verbündeter im Bestreben ihre Macht zu be-/erhalten !
    Es wäre eine „neue geistige Führung“ notwendig, um das Problem zu beheben, das gute Beispiel zu leben, aber unsere Politiker, die ja nicht einmal dem „wahren Geist“ unserer „Verfassung“ folgen, sind da absolut resistent !

  7. Maria van Straelen

    Unsere damalige Nachbarin in Mechelen, eine als Kleinkind adoptierte Afrikanerin, wurde in den 80er Jahren vom BRT Radio interviewt und die Reporterin meinte: „Sie haben es aber doch ganz schön weit gebracht“. Die Frau war Krankenschwester. Hätte sie das bei einer weißen Person gesagt ? Hatte sie im Hinterkopf, dass Farbige im Prinzip nur als Putzfrauen in Frage kommen?
    Aber dieser Art von Bemerkungen sind Farbige regelmäßig ausgesetzt und merken, dass sie immer irgendwie ausgegrenzt werden.

  8. Marcel Scholzen eimerscheid

    Rassismus und andere Benachteiligungen, die dem Gleichheitsgrundsatz widersprechen,
    gibt es überall dort, wo eine führende Gruppe von sich denkt, sie wäre mehr wert als die übrigen Menschen. Und das gibt es in allen Gesellschaften auf dieser Erde, unabhängig von der Regierungsform. Auch in der DG. In fast allen politischen Parteien werden bei der Listenaufstellung vor Wahlen akademisch gebildete Personen bevorzugt und so positioniert, dass diese ein Mandat erringen können. Ein klarer Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz. Aber ganz legal. Und die Coronakrise hat gezeigt, dass diese Führungselite auch Fehler macht und nicht besser ist als die übrigen Menschen.

  9. Frank Kueches

    Was ist Rassismus oder wann ist jemand Rassist?

    Bin ich Rassist wenn ich mich über das Verhalten einiger Bevölkerungsgruppen ärgere und das kund tue ohne mich aber auf das Aussehen zu berufen?

    Sei es z. b die türkische Hochzeitsgesellschaft die die Autobahn blockiert oder deutsche Touristen die im Urlaub peinlich und überheblich auftreten oder südosteuropäische Einbrecherbanden usw usw
    Oder aktuell hier in diesen Forum die Diskussion bezüglich der Grenzschliessung?
    ist dann nicht jeder in irgendeiner Form Rassist?

    Achja mein Sohn ist dunkelhäutig also nehme ich für mich in Anspruch kein Rassist zu sein trotzdem schimpfe ich auch bei den oben genannten Beispiele

    Dabei kritisiere ich das Verhalten und nicht das Aussehen und trotzdem gerät oder wird man in die rassischte Ecke gedrängt

    Sehr dünnes Eis das ganze Thema

  10. marcel scholzen eimerscheid

    Werter Herr Kueches,

    Zu Ihrer Beruhigung nun die Definition von Rassismus (Quelle Wikipedia) :

    Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz definiert Rassismus als „die Überzeugung, dass ein Beweggrund wie Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion, Staatsangehörigkeit oder nationale oder ethnische Herkunft die Missachtung einer Person oder Personengruppe oder das Gefühl der Überlegenheit gegenüber einer Person oder Personengruppe rechtfertigt“.

    Also jemand, der sich über das Verhalten einer türkischen Hochzeitsgesellschaft auf der Autobahn ärgert ist kein Rassist. Die türkische Hochzeitsgesellschaft verstößt eventuell gegen Verkehrsregeln, das ist alles. Also man kann ruhig Verhalten und Benehmen von Personen mittels der richtigen Wortwahl kritisieren ohne gleich ein Rassist zu sein.

  11. Maria van Straelen

    Herr Kueches, bei Rassismus geht es um Verallgemeinerung. Wenn Sie ALLE Deutschen hassen, weil einige sich schlecht benehmen, oder ALLE Türken, egal wo und wann Sie einen treffen oder jeden Südeuropäer verdächtigen, ein Einbrecher zu sein … da geht es nicht um dünnes Eis, sondern um eine genau definierte Einstellung.

  12. Norbert Schleck

    Herr Michaelis, Rassismus und Unterdrückung von Minderheiten hat es unter allen politischen Systemen gegeben.
    Ja, dort, wo Demokratie in unserem Sinne ein Fremdwort ist, da sind auch Rassismus und Unterdrückung bis zur Ausrottung von Minderheiten am heftigsten. Beispiele kennen Sie bestimmt auch zur Genüge.

    Im Gegenteil, in unseren „Parteiendemokratien“, so unvollkommen sie auch sein mögen, werden Minderheiten am besten geschützt.
    Siehe die deutschsprachige Minderheit in Belgien…

    Es wäre interessant, wenn Sie mal erklären würden, wie Sie sich denn einen Staat ohne Parteiensystem vorstellen. Gibt es da weltweit ein Vorbild?
    Meist läuft das darauf hinaus, dass nur eine Partei das Sagen hat, mit einem einzigen „Führer“, der zeigt, wo’s langgeht.

    Sie fordern eine „neue geistige Führung“. Schön und gut.
    Wo soll die herkommen? Wer soll die legitimieren? Wer soll die kontrollieren?
    Was sind Ihre Ideen dazu?

  13. Mario Meis

    Herr Pint übersieht in seinem Kommentar, dass der Rassismus keine „Einbahnstraße“ ist.
    Es gibt ihn seit Jahrenden und es wird ihn auch noch ewig geben, denn ein Volk möchte seine Identität behalten.
    Es gibt ihn überall, nicht nur bei uns, fährt man nach Afrika abseits der Touristenhochburge, da kann man schonmal das Leben riskieren!
    Warum heißen die von Ausländern überwiegend oder ganz bewohnten Stadtbezirke „soziale Brennpunkte“? und es wird gewarnt!
    Der sogenannte Rassismus ist überall.
    Neulich an der Supermarktkasse:
    Meine Frau stand schon an der Kasse, ich hatte noch etwas vergessen und holte
    es.Als ich zurück kam, sagte die Kassierin, die vielleicht in diesem Land geboren ist , aber ein anderes Aussehen hatte.“Hier bitte nicht mehr.“
    Erschrocken sagten die hinter mir an der Kasse angelangten jungen Leuten, die ein ähnliches Aussehen wie die Kassierin hatten, „dürfen wir auch nicht mehr?
    Natürlich sagte sie.
    Wäre das andersrum gewesen, hätte man von „Rassismus“ gesprochen.

  14. Maria van Straelen

    Herr Meis, wenn Rassismus so harmlos wäre, würde sich niemand aufregen. Solche banalen Einzelfälle geben nicht die Wirklichkeit wieder von den Problemen die viele Menschen haben. Das Arbeitsamt (in Mechelen) hat einmal nachgeforscht, dass Lebensläufe mit ausländischen Namen 5 x weniger zu einem Gespräch vorgeladen werden bei gleichen Schulabschlüssen z.B. Oder das permanente Kontrollieren der Ausweise. Ist Ihnen das schonmal passiert ? Mir auch nicht. Dem türkischen Putzmann in unserer Firma (mit Frau und Kindern und eigenem Haus in Brüssel, hier geboren) passiert das ständig, wenn er nur in Molenbeek über die Straße geht. Und wie oft werden vermeintlich ‚Fremde‘ nicht in eine Diskothek gelassen ? Wie oft werden Sie mit gebrochenem deutsch (oder anderen hier gesprochenen Sprachen) angesprochen, weil man davon ausgeht, dass sie unsere Sprache nicht sprechen, obwohl sie hier studiert haben, z.B. All das ist noch nichts gegen die Behandlung in den USA, aber es nervt.

  15. Norbert Schleck

    „Herr Pint übersieht in seinem Kommentar, dass der Rassismus keine „Einbahnstraße“ ist.
    Es gibt ihn seit Jahrenden und es wird ihn auch noch ewig geben, denn ein Volk möchte seine Identität behalten.“

    Natürlich gab und gibt es Rassismus überall und zu allen Zeiten.
    Aber soll das eine Entschuldigung sein dafür, nichts dagegen zu tun?
    Oder worauf wollen Sie hinaus?

    Es gab und gibt auch Verbrechen überall und zu allen Zeiten. Sollen wir deshalb deren Bekämpfung einstellen?

    Dass Sie Herrn Pint vorwerfen, einseitig zu berichten, geht an der Sache vorbei. Er hat einen aktuellen Vorfall in den USA thematisiert und dabei einen Bogen geschlagen zu uns hier.

    Als Belgier können wir nichts Konkretes tun, um den Rassismus in den USA zu bekämpfen, aber wir können hier bei uns solche Tendenzen benennen und bekämpfen.

    Das Benennen betrifft auch das Verhältnis zu Leopold II. und dessen Regime im Kongo, das früher (bis jetzt?) im Schulunterricht kein Thema war.

  16. Norbert Schleck

    A propos Unterricht. Dafür, wie das Thema damals in den Fünfzigern in der Volksschule durchgenommen wurde, habe ich auf dem Speicher zwei Beispiele gefunden;

    Erdkunde: „Blick auf die Welt“ von 1953: „Unser Kongo – Das Land und seine Eingeborenen“:
    „Belgien kolonisiert den Kongo: d.h. es verhilft seinen Eingeborenen zur Zivilisation; die Missionen und die Gesellschaften tragen dazu bei: sie eröffnen sogar landwirtschaftliche Schulen und Berufsschulen, unterhalten das Straßennetz und beschäftigen die Neger.“

    Geschichte: „Belgien im Laufe der Jahrhunderte“ von 1950, Geschichtsunterricht in Form von Anekdoten und Klischees:
    Leopold II.? „Sein Meisterwerk war und bleibt der Unabhängige Kongostaat“.
    „Heute flattert lustig die blaue Fahne mit dem goldenen Stern über […] 25.000.000 Menschen sind dem Mutterland mit Hand und Herz ergeben.“
    (Falsche Zahl, 1960 waren es 14,6 Millionen.)

    Sein „Kreuzzug gegen den Sklavenhandel“?
    Anekdote: die Ermordung („Heldentod“, „tragisch schön in seiner Einfachheit“) der Soldaten de Bruyne und Lippens durch arabische Sklavenhändler.
    In Blankenberghe gibt es ein Denkmal dazu.
    Das war’s.

  17. Mario Meis

    Frau van Straelen,
    die Medien müssen doch immer alles breittreten, es ist auch langweilig immer nur über das Viruszu berichten da kommt diese Geschichte gerade richtig.
    Eigentlich gilt die Unschuldsvermutung bis ein Gericht den Menschen schuldig spricht! Aber gilt das nicht für alle Menschen.
    Während bei ausländischen Straftätern meistens in den Berichten die Herkunft verschwiegen wird,erscheint bei inländischen Straftäter sogar der volle Name.
    Ist das nicht auch Rassismus?
    Sie sehen,den sogenannten Rassismus kann man sehr ausdehnen!
    Natürlich werden wir in unserem Land in dieser Form nicht diskrimierend, aber wie ist das , wenn Sie als Europäerin nach Afrika fahren!
    Würden Sie sich da überall hintrauen?
    Aber wir brauchen nicht so weit zu gehen!
    Gehen Sie mal als Frau durch Molenbeeck, wenn Sie da heil rauskommen, dann herzlichen Glückwunsch!
    Wieso nennt die Presse Stadtteile mit hohen Ausländeranteil „soziale Brennpunkte“?Weil die Kriminalrate dort sehr hoch ist.
    Das ist dann wohl auch Rassismus!
    Na, sei es rum!

  18. Guido Scholzen

    @Meis,
    Sogar in Sachen Rassismus sind die Gutmenschen besser als andere!

  19. Maria van Straelen

    Herr Meis, genau das ist der Alltagsrassissmus. “Durch Molenbeek kann man nicht laufen”, “soziale Brennpunkte gibt es nur bei Ausländern”. Diese Pauschalisierungen sind unerträglich. Durch Molenbeek/Anderlecht bin ich dutzende Male gelaufen, auch abends. Ich bin seit den 70er Jahren abends in kulturelle Vorstellungen in Brüssel gegangen, habe am unterirdischen Zentralbahnhof den letzten Zug um 0:18 nach Mechelen genommen, NIE Angst gehabt. Soziale Brennpunkte sind Gegenden mit Einwohnern, die kaum an unserem Leben teilhaben dürfen, keine Ausbildung, keine Lebensperspektive, abgängt, unabhängig von der Nationalität. In Mechelen gab es bis vor kurzem den “besten Bürgermeister der Welt” (?!),Bart Somers, der vor Kurzem sogar durch Deutsche TV-Anstalten tingelte und wortstark verkündete (u.a. bei Lanz) in Mechelen wollte niemand leben, die Kriminalität war sehr hoch etc. bis er kam. Reiner Populismus. Auch einheimische Straftäter werden nicht beim Namen genannt, es ist maximum Paul X. Oder Y..

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