Kommentar: Die fünfte Gewalt

Da konnte die Regierung noch so schnell gebildet sein - die Diskussion über den Wahlausgang in Ostbelgien dauert an: beim Bäcker, auf der Arbeit oder bei der Kinderkommunion. Und vor allem im Internet! Hier taucht häufiger der Begriff von der "fünften Gewalt" auf, als Pendant zur vierten Gewalt, für die die klassischen Medien stehen. An die neue Rollenaufteilung müssen sich alle noch gewöhnen, findet Stephan Pesch in seinem Kommentar.

BRF-Chefredakteur Stephan Pesch

BRF-Chefredakteur Stephan Pesch (Foto: Achim Nelles/BRF)

Ich geb es ja zu: Ich lese auch die Kommentare auf Ostbelgien Direkt. Schon von Berufs wegen. Und weil mich hin und wieder die Debatte interessiert. Bisweilen amüsiert. Manchmal auch fasziniert. Und dann wieder schockiert. So war gerade in den letzten Tagen nicht auszuhalten, was da stand. Und ich frage mich immer: Würde das auch jemand schreiben, wenn er dafür mit seinem Namen geradestehen müsste? Natürlich nicht!

Das meistgenutzte Argument für Anonymität: In Ostbelgistan dürfe man seine Meinung nicht frei äußern, ohne Angst, drangsaliert zu werden. Lächerlich. Dieselben anonymen Helden behaupten, dass darum auch die Medien in der Deutschsprachigen Gemeinschaft nicht frei seien – außer Ostbelgien Direkt, natürlich.

So ein Humbug! Natürlich darf ich sagen, dass ich es normal fände, wenn die PFF und ihre Ministerin Isabelle Weykmans aus ihrem schlechten Abschneiden bei den Wahlen die gleichen Konsequenzen gezogen hätten wie die CDH. Aufsichtsministerin hin, Verwaltungsrat her.

Und natürlich darf ich auch sagen, dass ich es nicht normal finde, dass Karl-Heinz Lambertz wieder den Vorsitz im PDG übernimmt – nicht weil ich ihm die damit verbundene Arbeit und Vergütung nicht gönnen würde. Mich ärgert, dass er sich wie kein anderer in eben diesem PDG persönliche Ausraster geleistet hat, die dort nicht hingehören. Vor kurzem noch gegen Vivant-Sprecher Michael Balter, wovon dieser im Übrigen nur profitiert hat, oder, schon etwas länger her, gegen die CSP-Politiker Pascal Arimont oder Luc Frank.

So, und trotzdem muss ich nicht befürchten, am Montag „die Papiere zu bekommen“. Jetzt mag man einwenden: Ja, die vierte Gewalt darf sich da schon mehr herausnehmen. Soll sie doch die drei Staatsgewalten kontrollieren, als da wären: Regierung, Parlament und Justiz.

Allen vieren ist gemeinsam, dass sie sich für das, was sie tun, zu rechtfertigen haben. Auch Journalisten dürfen nicht behaupten, was sie wollen, wenn sie dafür keine Anhaltspunkte haben.

Nun gibt es also die „fünfte Gewalt“. Dieser Begriff wurde eine Zeitlang für den allgegenwärtigen Lobbyismus benutzt, der versucht, die vier anderen Gewalten im eigenen Interesse zu beeinflussen. Mittlerweile ist damit vor allem die Möglichkeit gemeint, dass über digitale Plattformen praktisch jeder am öffentlichen Diskurs teilnehmen kann. Das ist eine gute Sache.

Problematisch wird es dann, wenn diese Möglichkeit dazu genutzt wird, aus welchem Grund auch immer, haltlose Unterstellungen, persönliche Beleidigungen oder üble Nachrede zu verbreiten. Das geschieht fast täglich auf einer Plattform wie OD.

Die Akteure der fünften Gewalt dürfen sich ruhig ihrer Macht bewusst werden. Dazu gehört aber auch etwas wie Verantwortung.

Stephan Pesch

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28 Kommentare
  1. Alfons Velz

    Sehr geehrter Herr Pesch,
    der Schlusssatz Ihres Kommentars ist Programm: „Die Akteure der fünften Gewalt dürfen sich ruhig ihrer Macht bewusst werden. Dazu gehört aber auch etwas wie Verantwortung.“
    Zur Verantwortung gehören meiner Meinung nach mindestens zwei Dinge:
    Erstens: mit seinem Namen und seiner Person zu dem stehen, was man schreibt oder sagt. Das haben Sie ja in Ihrem Kommentar treffend hervorgehoben. Zweitens: jeden zu Wort kommen lassen, wenn die Netiquette gewahrt ist, auch wenn seine Meinung einem nicht so in den Kram passt.
    Jemanden einfach nicht freizuschalten, ist Zensur, da gibt es nichts drumherum zu reden.
    Diese Sonderbehandlung ist mir in den letzten drei Tagen bei Ostbelgien-Direkt rund ein Dutzend Mal zuteil geworden. Fünfte Gewalt? ja, gern, aber dann mit einem Gespür für Verantwortung, für Ausgewogenheit, für Fairness – ganz in Ihrem Sinne, Herr Pesch.

  2. MARCEL SCHOLZEN eimerscheid

    Guter Kommentar Herr Pesch. Wegen Ihrer Meinung werden Sie keine Probleme bekommen. Dafür gibt es die gesetzlich garantierte Meinungsfreiheit. Was wohl passieren kann, dass Ihre Meinungsäußerung sich nachteilig auf Ihre Karriere auswirken könnte. Man könnte Sie bei einer Beförderung übergehen, weil Ihre Meinungsäußerung einem Mitglied des Verwaltungsrates nicht gefiel. Oder man könnte Sie, wie kürzlich in der Wallonie passiert, auf Schadensersatz verklagen, weil vielleicht einer Ihrer Kommentare sich nachteilig auf das Geschäft eines Unternehmens ausgewirkt hat. Der Rechtsstaat bietet viele Möglichkeiten einen Menschen mundtot zu machen mit juristischen Tricksereien.

  3. Lorenz PAASCH

    Auch zwei meiner geposteten Kommentare zu „Beiträgen“ von anonymen Usern wurden nicht freigeschaltet, obschon sie gegen keine Regel der „Netiquette“ verstießen. Warum? weil ich in beiden Kommentaren darauf hingewiesen hatte, daß die Anonymität erstens nicht dazu berechtige, gleich wen auf gleich welche Weise zu diffamieren und zweitens der Betreiber der Plattform bei einem Gerichtsverfahren ob dieser Verleumdungen die Anonymität des Verfassers gemäß „Datenschutzerklärung“ offenlegen müsse. Darin heißt es : „Unsere Kommentarfunktion speichert die IP-Adressen der Nutzer, die Kommentare verfassen. Da wir Kommentare auf unserer Seite nicht vor der Freischaltung prüfen, benötigen wir diese Daten, um im Falle von Rechtsverletzungen wie Beleidigungen oder Propaganda gegen den Verfasser vorgehen zu können“. Anonymität sieht anders aus! Die User werden – so muss ich schlussfolgern – ganz bewusst im Glauben gelassen, sie seien unantastbar! Als „Begründung“ für die Ablehnung wurde mir vom Betreiber mitgeteilt: „Du solltest aufhören, Leser einzuschüchtern“.

  4. Dieter Leonard

    Spätestens seit der Fundamentalkritik des Youtube-Aktivisten Rezo an den „Volksparteien“ in Deutschland vor den Europawahlen, konnte man den Eindruck gewinnen, dass in der Medienlandschaft nichts mehr ist, wie es einmal war.
    Die verunglückte Reaktion der vermeintlichen Hoffnungsträgerin der CDU, steht stellvertretend für die Ratlosigkeit, was den Umgang und die Bewertung der neuen Medien und deren Nutzung betrifft.
    Vor rund 20 Jahren habe ich im damaligen RDG an einer Resolution mitgearbeitet, die forderte, sich regelmäßig – auch auf DG-Ebene – mit den Auswirkungen (Chancen und Gefahren) der neuen Medien und deren Nutzung auseinander zu setzen. Wie viele RDG-Resolution erfüllt auch diese nur noch den Zweck, die Archive des Parlamentes zu füllen.
    Jahre später entstand mit „Ostbelgien-Direkt“ ein Forum, das fast seit Tag 1 die Gemüter erhitzte und das als Schlachtfeld für das Ausleben – nicht nur – aber auch der niedrigsten menschlichen Instinkte dient.
    Sein großer Vorteil: es gibt keine 150 Wörter-Begrenzung… 🤨

  5. Marcel scholzen Eimerscheid

    @Velz und Paasch. Die Zeiten aendern sich und damit auch die Formen der politischen Auseinandersetzung.

    Vor zweihundert Jahren war es noch selbstverstaendlich, seine Meinung und Ehre notfalls in einem Pistolenduell zu verteidigen. Das ist auch zum Glueck heute nicht mehr so. Heute sind das Intetnet das neue Schlachtfeld.

  6. Norbert Schleck

    Guter Kommentar, Herr Pesch!
    Völlig unaufgeregt bringt er die Sache auf den Punkt.

    Leider entzieht Herr Cremer sich dieser Diskussion um Verantwortung und Netiquette dadurch, dass er diesbezügliche Kommentare, auch mehrere von mir in den letzten Tagen, nicht veröffentlicht. Tut er es dennoch, antwortet er auf eine Nebensache, übergeht aber das eigentliche Problem.

    Wenn er schon das mit Beleidigungen und Unterstellungen gespickte Pamphlet in der Kommentarleiste glaubte bringen zu müssen – was schon seiner eigenen Netiquette widersprach – war es dann nötig, dasselbe Pamphlet noch einmal auf Seite eins aufzuwärmen, um damit letztendlich einen Shitstorm auszulösen, der seinesgleichen suchen dürfte.

    Ich hätte es vorgezogen, diese Diskussion auf OD selbst zu führen, aber das ist ja in Anbetracht der Haltung von Herrn Cremer leider nicht möglich.

  7. Dieter Leonard

    Hallo Herr Schleck,
    Vielleicht spricht Stephan Pesch einleitend gleichzeitig das Problem und zumindest eine Teillösung an.
    Man sollte OD einfach nicht mir lesen und vor allem, sich an den „Diskussionen“ dort nicht beteiligen.
    Aber offensichtlich geht von diesem „Hauen und Stechen“ auch eine gewisse Faszination aus.
    Was wäre eine Rallye ohne spektakuläre Unfälle, was ein Boxkampf ohne Niederschläge…?
    Der „Erfolg“ von OD muss G. Cremer – so Leid mir diese Feststellung auch tut – Recht geben. Es is das Spektakel, die Niedertracht und die menschlichen Abgründe, die die „Krone der Schöpfung“ immer noch in ihren Bann ziehen.
    Als Zuschauer oder Akteur unter der Tarnkappe der Anonymität.
    Selbt wenn GE und BRF zumindest die selbst eingebauten Hemnisse (*) beseitigen würden, die eine lebhafte und fundierte Diskussion erschweren, bliebe immer noch die Verlockung, in der vermeintlichen Sicherheit der Anonymität, Dampf ablassen zu können.
    Und die Geister, die er rief, der Mensch, wird er nicht mehr los.

  8. Alfons Velz

    Tja, Herr Scholzen, wenn das Internet das Duellieren überflüssig gemacht hat – was ich sehr begrüße – so müssen doch wegen technischen Fortschritts nicht gleich erprobte und bewährte moralische Leitlinien wie Offenheit und Ehrlichkeit gleich auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen werden, oder ?
    Warum das Internet dafür als Schuldigen heranziehen, dass man selbst zu feige ist, eine Auseinandersetzung sachlich und mit offenem Visier anzugehen ?
    Fakt ist, dass Herr Gerard Cremer, der Betreiber des ostbelgischen Meinungsblogs (übrigens jüngst monatelang mit Vivant- und CSP-Werbegeldern gesponsert) willkürlich Beiträge NICHT freischaltet, die sich kritisch mit ihm selbst beschäftigen, während er ein Hass-Pamphlet und gegen seinen politischen Lieblingsfeind einen Shitstorm systematisch befeuert, der krass seiner eigenen Netiquette widerspricht. Nennen Sie mir mal einen anderen Begriff als „Willkür“, „Zensur“ oder „Machtmissbrauch“ für dieses Vorgehen !
    Von sämtlichen nicht veröffentlichten Beiträgen aus meiner Feder habe ich mir übrigens Bildschirmfotos gemacht und abgespeichert.

  9. Marcel scholzen Eimerscheid

    Werter Herr Velz.

    Brf und GE sind eben mehr regierungsnah (wegen DG Zuschuessen) und OD eben mehr opositionsnah (wegen Sponsoring durch CSP und Vivant, wie Sie es nennen), weil jedes Medium immer irgendwie politisch gefaerbt ist. Vollkommen normal. Gehoert zur Demokratie wie das Salz in der Suppe.

    Und manchmal geht es nur unter dem Schutze der Anonymitaet, um an wichtigtige Informationen gefahrlos zu kommen und zu veroeffentlichen. Ein gutes Beispiel ist da der Watergate Skandal. Nur unter dem Schutze der Anonymitaet konnte „deep throat“ gefahrlos Informationen an Journalisten weitergeben.Sie als Mandatstraeger haben doch auch bestimmt in Ihrem Umfeld Informationszutraeger, die Ihnen ab und zu diskret eine brisante Information zukommen lassen, die Sie dann in Ihrer Arbeit verwehrten. Und warum regen Sie sich so auf ueber OD ? Machen Sie doch Ihren eigenen Blog. Da koennen Sie dann nach eigenem Gutduenken schalten und walten.

  10. Stephan Förster

    Ich habe nun länger über die Schilderung von Herrn Velz nachgedacht und im Grunde ist die Schilderung so ungeheuerlich, dass ich dies gar nicht glauben kann oder möchte. Dies wäre ja die dramatische Steigerung der hatespeech und fakenews Problematik in den sozialen Medien (siehe dazu die aktuelle Berichterstattung zur Ermordung eines CDU-Politikers in Kassel und den damit in Verbindung stehenden ekelhaften Reaktion („gute Tat“) in den sozialen Medien). Dort geht es ja darum, was die Plattformen löschen müssen und was nicht. Wenn aber nun auch noch das Recht und die Möglichkeit zur Widerrede eingeschränkt oder von nicht bekannten Kriterien abhängig gemacht wird, ist dies nicht mehr nur unbewusster Machtmissbrauch wie bei Facebook & co („wir sind nur die Plattform“), sondern…. ja was eigentlich?

  11. Dieter Leonard

    @M. Scholzen
    Ihre Argumentation ist absurd.
    Es geht hier nicht um Informantenschutz, sondern um anonymes Hetzen, Beleidigen, Verleumden und das Verbreiten von Lügen und Fake-News.
    Die journalistische Sorgfaltspflicht gebietet es Journalisten, die anonyme Informationen oder Informationen von Jemandem erhalten, dessen Identität sie nicht preisgeben dürfen, dennoch, diese auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, bevor sie sie veröffentlichen.
    Auf OD prüft niemand den Wahrheitsgehalt der veröffentlichten Kommentare. Noch nicht einmal die selbst festgelegten Netiquette-Regeln werden eingehalten, stattdessen jedoch unliebsame Kommentare, die Kritik an OD enthalten, nicht veröffentlicht.
    Die Angelegenheit Kartheuser verdeutlicht dies ganz präzise.
    Genau genommen ist dies sogar das Geschäftsmodell von OD.
    Nein, es geht nicht darum, „schalten und walten zu können, wie man will“, denn es gibt juristische Grenzen die jeder einzuhalten hat. Ob er jetzt Kartheuser, Guido oder Marcel Scholzen heißt.
    Es geht um die individuelle Verantwortung, der sich anonyme Kommentatoren glauben, entziehen zu können, aber auch um die Verantwortung von Blog- oder Forenbetreibern.

  12. Alfons Velz

    Sehr geehrter Herr Scholzen,
    Sie schreiben leider am Thema vorbei. Es geht nicht um Informationsbeschaffung und Quellenschutz. Es geht darum, dass sich der Herausgeber eines Blogs auf der einen Seite als unabhängiger Informationsträger und Beitrag zur Meinungsvielfalt verstanden wissen möchte, auf der anderen Seite aber zensiert und wie ein Inquisitor selbstherrlich entscheidet, was an die Öffentlichkeit darf und was nicht.

  13. Marcel scholzen Eimerscheid

    Werter Herr Léonard. Warum die Aufregung ? Dank OD ist die politische Debatte intetessanter geworden. Es intetessieren sich mehr Leute fuer die Politik.

  14. Norbert Schleck

    „Und ich frage mich immer: Würde das auch jemand schreiben, wenn er dafür mit seinem Namen geradestehen müsste? Natürlich nicht! »
    Manchmal doch!

    Aber Herr Pesch hat Recht. Der liebe Nachbar, der mich jeden Morgen freundlich grüßt, wenn ich ins Gemeindebüro oder nach Eupen ins Ministerium fahre, würde sich seine Schmähungen, die er mir anonym an den Kopf wirft, sicher überlegen, wenn er das mit seinem vollen Namen tun müsste.

    Nun ist nie alles ganz einfach. Anonymität kann auch ein Schutz sein, wie man heute auf DAARDAAR, dem Portal „Le meilleur de la presse flamande en français“ lesen kann:

    Nachdem seine wahre Identität durch einen Zufall bekannt wurde, erhielt der anonyme Betreiber eines Blogs, der kritisch über die rechtsextreme Organisation „Schield & Vrienden“ berichtet hatte, so üble Drohungen, dass er seine Aktivität eingestellt hat.
    Das lässt an ganz schlimme Zeiten denken, die wir bisher alle für graue Vergangenheit hielten.

  15. Silvia Lambertz

    Sehr geehrter Herr Pesch. Auch sie sind nicht neutral. Als CSP Mitglied und ehemaliger Kabinettchef von Joseph Maraite, bedienen auch sie ihre Klientel und müssen natürlich gegen Karl-Heinz Lambertz schreiben. Ein Armutszeugnis.

  16. Guido Scholzen

    Wenn Konfuzius heute leben würde, hätte der große Meister längst gesagt:

    „Redefreiheit ist, wenn ich deine Meinung kritisiere“

    😉

  17. Nancy Schmitz

    Selbst in den BRF und Grenz-Echo Kommentaren ist man nicht sicher ob der Name echt ist, ich könnte ebenso gut Karl-Heinz Paasch oder Guido Velz heißen und nur unter „Nancy Schmitz“ posten !

  18. MARCEL SCHOLZEN eimerscheid

    Werter Herr Velz,
    Die Zensurvorwürfe an OD halte ich für übertrieben. OD würde sich selbst das Geschäft verderben. Zensur darf, wenn überhaupt, nur eine staatliche Behörde ausüben. Soweit ich weiß, gab es sowas zuletzt in Belgien während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg. Und Lügen, Fake News, Hetzen, Beleidigungen, etc. gibt es nicht nur im Internet. Gibt es auch in Parlamenten.

    Ich sehe die Beiträge auf OD, Brf und GE von der positiven Seite. Die Menschen erwachen, äußern ihre Meinung, schütteln den preußischen Untertanengeist ab und werden Bürger, die das politische Leben mitbestimmen wollen. Somit ist die DG Autonomie nicht nur Sache von wenigen Parteipolitikern sondern Angelegenheit aller. Eben nichts anderes als ein Demokratisierungsprozess. Was jetzt folgen muss, sind verbindliche Volksentscheide und -befragungen.

  19. Dieter Leonard

    @M. Scholzen

    Nehmen sie die Realität und ihre eigenen Widersprüche eigentlich grundsätzlich nicht zur Kenntnis Herr Scholzen?
    Gestern noch empfehlen sie Herrn Velz einen eigenen Blog zu schaffen, damit er „Schalten und Walten“ kann, wie er will. Heute stellen sie die Zensurerfahrungen auf OD in Abrede.
    Staatliche Zensur? Volksentscheide?
    Was jetzt?

    „Bürger, die das politische Leben mitbestimmen wollen“ müssen sich nicht unter der Tarnkappe der Anonymität verstecken.
    Die Internethetze stärkt nicht die Demokratie, sie stärkt diejenigen, die die Demokratie zu untergraben versuchen.

    Sie selbst beteiligen sich nachweislich an der Verbreitung von Fake-News. Wo genau liegt darin ihr Beitrag zur Demokratisierung?

  20. Norbert Schleck

    Was den Vorwurf der Zensur angeht, so haben Sie Recht, Herr Scholzen. Er schießt über das Ziel hinaus.

    Zensur ist, grob zusammengefasst, laut Wikipedia „der Versuch der Kontrolle der Information. Durch restriktive Verfahren – in der Regel durch staatliche Stellen – sollen Massenmedien oder persönlicher Informationsverkehr kontrolliert werden, um die Verbreitung unerwünschter oder ungesetzlicher Inhalte zu unterdrücken oder zu verhindern.“

    Der Betreiber eines Diskussionsforums hat das Recht – und in gewissen Fällen auch die Pflicht – die Inhalte dessen zu kontrollieren, was auf seiner Plattform veröffentlicht wird.

    Alle behalten sich ausdrücklich in ihrer Netiquette das Recht vor, gewisse Beiträge nicht zu veröffentlichen, manchmal mit, manchmal ohne Begründung. Meistens heißt es auch ausdrücklich: „Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.“

    Wenn allerdings ein Forum wie OD einerseits im Namen der Meinungsfreiheit üble Pamphlete passieren lässt, ja noch redaktionell hervorhebt, andererseits aber für ihn selbst unbequeme Beiträge unterdrückt, so ist das nicht fair.

  21. Stephan Förster

    Zusammengefasst und zugespitzt lautet ihre Aussage: die Menschen holen sich die Macht von den Politikern (Eliten, „traditionelle Parteien) zurück. So weit, so bekannt, da in jedem Einführungswerk zum Populismus nachzulesen. Auch das Heilsversprechen der Volksbefragung gehört dann klassischerweise zu dieser Argumentation. Jetzt habe ich nichts gegen die direkte Form der Demokratie, nur stellen sich einige Fragen (v.a im Kontext solch glorreicher praktischer Beispiele wie dem Brexit), v.a. in Bezug auf die Einflussnahmemöglichkeit von Lobbys, die Wahrung von Minderheitenrechten und der Einhaltung der Grundrechte und der Verfassung (was, wenn es eine Mehrheit z.B. für die Todesstrafe gäbe? welches Gericht könnte dies dann dauerhaft gegen „Volkes Wille“ abwehren?). Ich begegne „dem Volk“ und „seinem Willen“ mit der gleiche Skepsis wie einer Ideologie oder einer Religion. Ich fürchte, die Menschheitsgeschichte gibt mir recht. Zum Thema Dekodierung von Populismus siehe zB Bundeszentrale für politische Bildung.

  22. Alexander Hezel

    Ergänzend zu Herrn Försters Verweis auf die Bundeszentrale für politische Bildung folgendes kurzes Buch, leider nur in Französisch: „Le Populisme aux États-Unis“ von Jerôme Jamin. Die Rezepte sind seit Jahrzehnten wenn nicht seit Jahrhunderten die gleichen – vor allem Heraufbeschwörung eines Feindbildes und die Selbstdarstellung als Heilsbringer; erinnert in der Tat ein wenig an Religionen…

  23. Edmund Gebser

    Werter Herr Scholzen,
    Es gibt bei OD sehr wohl eine Zensur. Beiträge von mir die sich kritisch mit diesem Medium befassen werden seit Monaten nicht mehr freigeschaltet.
    Angefangen hat alles damit das ich Herrn Cremer einen ehemaligen Journalisten nannte der jetzt seine Brötchen mit der Werbung auf seiner Forenseitte verdient..
    Meine Bitte einen Beitrag in dem mein Name als Synonym mit einem bekannten Nazikollaborateur genannt wurde zu löschen wurde schlichtweg ignoriert ebenso wie meine Antwort an den Schreiber.

    Die Antwort auf weitere Kritik, die ich dann provokanterweise mit „Hallo Zensor“ überschrieb, war eine E-Mail mit folgendem Inhalt:

    EdiG,

    wenn Sie mich weiter mit Ihren unflätigen Kommentaren belästigen, muss ich Sie leider für dieses Forum auf unbestimmte Zeit sperren.

    Mit freundlichen Grüßen
    Gerard Cremer

    Warum er mich nach einer solchen Drohung allerdings noch freundlich grüßt bleibt sein Geheimnis.

  24. Marcel scholzen Eimerscheid

    Werter Herr Léonard. Sie versuchen mir da was anzudichten. Der angebliche Gegensatz ist von Ihnen konstruiert. Eine Empfehlung und eine angebliche Zensurerfahrung sind zwei verschiedene Sachen. Genauso gut koennte man im Verzehr von Himbeereis und der Vorliebe fuer runde Badewannen einen Gegensatz sehen. Und was fuer Fake News habe ich angeblich verbreitet ? Jede Ihnen nicht genehme Meinung ist fuer Sie eine Fake News.

  25. Norbert Schleck

    „Wie vorgestern schon berichtet, hat Lorenz Paasch vor dem Eupener Gericht Erster Instanz durch seinen Anwalt Klage gegen Bruno Kartheuser eingereicht.“

    So hätte „objektive“ Meldung lauten können. Aber das wäre dann doch etwas zu dürr gewesen. Da kann man doch sicher mehr draus machen. Etwa dies hier:

    „Paasch wickelte das Manöver gegen Kartheuser über das St. Vither Anwaltsbüro Zians-Haas ab, dem man jetzt schon dafür gratulieren darf, denn egal ob es zu einem Gerichtsverfahren kommt oder nicht, und egal wer es gewinnt, die Anwälte bekommen ihr Geld so oder so und sind damit vielleicht die einzigen Gewinner in dem Rechtsstreit zwischen den beiden Haudegen aus der Welt der Politik und der Literatur in Ostbelgien.“

    Das überschreibt man mit „Topnews“, obwohl es weder „Top“, also sensationell, noch „News“, also „Nachricht“, sondern Meinungsmache ist.

  26. Dieter Leonard

    @M. Scholzen
    Dass sie Ihre eigenen argumentativen Widersprüche nicht erkennen, kann ich nachvollziehen. Dass sie die Kritik an ihre widersprüchlichen und z.T. absurden Argumenten nicht zur Kenntnis behmen, ist ihr gutes Recht.
    Sie vertreten zu bestimmten Themen keine Meinung sondern betreiben Meinungsmache durch Diffamierung, Beleidigung z.B. von Menschen, die sich für Umweltfragen einsetzen oder durch Leugnung von wissenschaftlicher Fakten.
    Ich babe ihnen dies Fall für Fall bereits ein halbes Dutzen mal vorbuchstabiert.
    Von „Öko-Terroristen und Dschihadisten“ über die „grünen Schlümpfe“ bis hin zur Leugnung des Klimawandels.
    Meinungsmache, Diffamierung und Hetze.

  27. Alexander Hezel

    Zum Meinungsblog des Herrn Cremer, noch einige Überlegungen: Wer sich als „Querdenker“ brüstet, aber nur die Meinungen freischaltet, die sein eigenes Denken bestätigen (Filterblase und Bestätigungsfehler lassen grüßen), hat von Meinungsfreiheit und -vielfalt wahrscheinlich nicht viel verstanden. Sicher ist es Herrn Cremers ‚Hausrecht‘, nur die Kommentare freizuschalten, die ihm genehm sind, dann sollte er aber auch nicht den Anspruch auf Anerkennung als „Journalist“ erheben. Ostbelgiendirekt ist fern von Information und Sachverhalt vor allem ein ständiger Kommentar. Und ein sehr lauthalsiger dazu.

  28. Marcel scholzen Eimerscheid

    Danke fuer die Auflistung. Herr Léonard. Bestaetigt mich nur in meiner Meinung. Dann kann ich ja beruhigt sein.

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