Kommentar: Gute Lehrer – Schlechte Lehrer

Soll man die Sommerschulferien verkürzen und zum Wohl junger Eltern auf die Karnevals- und Allerheiligenferien verteilen? Diese Frage war diese Woche Thema im BRF. Aber Schule ist viel zu schade als Sommerloch- oder als Wahlkampfthema. Sie sollte ein Dauerthema sein.

BRF-Redakteur Manuel Zimmermann

BRF-Redakteur Manuel Zimmermann

Lehrer und das Unterrichtswesen. Da kann jeder mitreden. Aus Betroffenheit. Aus Erfahrung. Meistens emotional. Der Schulhof ist kein Ponyhof. Auch nicht für Lehrer. Ein schwerer Beruf – meinen viele Lehrer.

Ich kann es nicht mehr hören. Mal ehrlich, wer sagt denn von sich, dass er einen leichten Beruf hat? 180 bis 182 Unterrichtstage zählt ein Schuljahr. Nicht mal ganze sechs Monate wird unterrichtet. Und wenn man den Pädagogen Glauben schenken mag, sind sie die restlichen sechs Monate nur damit beschäftigt, Hausaufgaben zu verbessern und an Versammlungen teilzunehmen. Okay, Lehrer in einen Raum pferchen, das ist wirklich eine Zumutung …

Aber was soll’s. Die Schule färbt halt ab. Wenn man sie nie verlassen hat, wird man zwangsläufig kindisch. Niemand wundert sich mehr, dass gerade Lehrerkinder schräg und unerzogen sind.

Aber Lehrer sind nicht wirklich faul. Das beweist die Nachhilfeindustrie – zu der auch fest ernannte Lehrer zählen. Die stellen keine Quittung aus, sondern ein Zeugnis mit bestandener Nachprüfung. Ist halt nur Pech für Schüler, wenn man keine solventen Eltern hat.

Und ach herrje, es gibt Eltern, die es wagen, ihren Unmut über einen Lehrer mal zu äußern. Im schlimmsten Fall sogar nach Dienstschluss um 15:30 Uhr. Willkommen in der Wirklichkeit, wo Krankenpfleger, Politiker, Journalisten, Taxifahrer, Hotelbetreiber, Köche – und wer noch – rund um die Uhr beschimpft, verspottet oder bedroht werden. Also auch an Wochenenden und nach Mitternacht.

Wenn Sie sich jetzt besser fühlen – weil jemand stellvertretend Dampf abgelassen hat – dann muss ich Sie enttäuschen. Dampf ablassen tut gut, löst aber kein Problem. Eigentlich ist es auch unerheblich, ob aus diesen Worten ein Funken Wahrheit spricht. Sie entsprechen aber viel mehr einer Lehrer-Karikatur, die aus meiner persönlichen Erfahrung eher eine Minderheit darstellt.

Aus meinem privaten Umfeld kenne ich Lehrer, die mit großer Hingabe Schüler fördern und fordern. Ich habe privat und beruflich ein Dutzend Schulen in Ostbelgien besucht, von denen ich ausnahmslos behaupten möchte, dass man seine Kinder dort guten Gewissens unterbringen kann.

Ich sehe regelmäßig einen engagierten Schulleiter, der alle 300 Kinder seiner Schule mit dem Vor- und Nachnamen ansprechen kann, obwohl die Rente nicht mehr ganz so weit ist. Ich kenne Kinder, die gerne in ihre Schule gehen. Und das jeden Tag. Ich höre Kinder mit Begeisterung über ihre Schule sprechen. Über Lehrer die lustig, mitreißend, herzlich oder auch manchmal ungerecht sind. So wie vieles im Leben.

Schule ist eine permanente Baustelle. Nie perfekt. Aber es lohnt sich, an der Utopie einer perfekten Schule weiter zu arbeiten, oder drüber nachzudenken. Schule ist viel zu schade als Sommerloch- oder als Wahlkampfthema. Es sollte ein Dauerthema sein.

Ja, ich kann Ihre Gedanken lesen. Jetzt fehlt noch der Satz: ‚Kinder sind unsere Zukunft.‘ Ein Satz, der genau so alt wie richtig ist. Gerade deshalb sollte jede Idee willkommen sein. Auch die Frage, ob man Teile der Sommerferien im Interesse der Familien mit Kindern auf andere Monate umverteilen soll. Und das sogar auf die Gefahr hin, dass die, die nur oberflächlich hinschauen, Schule ausschließlich mit langen Ferien assoziieren.

„Lehrer tun nix und haben immer Ferien.“ Solche Sätze können im wahrsten Sinne des Wortes vernichtend sein. Wenn wir aber Lehrer, die ihren Beruf aus Leidenschaft ausüben, mit Verachtung überschütten, könnte es sein, dass gerade die, die diesen Beruf nicht wegen der Privilegien ausüben, irgendwann das Handtuch schmeißen. Das wäre mehr als bedauerlich. Es wäre fürchterlich.

Wer gute Lehrer möchte, braucht gute Vorbilder. Ich berufe mich da auf Karl Valentin, dessen Weisheit nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause gilt: „Kindererziehung lohnt sich nicht, sie machen uns eh alles nach!“

Und wo wir schon dabei sind, möchte ich das Privileg eines Kommentators nutzen und zwei vielleicht nicht ganz neue Ideen in den Raum stellen, selbst wenn sie von der empirischen Unterrichtsforschung abgelehnt werden sollten.

1. Schafft die Hausaufgaben für die jüngsten Schüler ab. Die mit seinen Kindern nach Feierabend zu machen, das ist ein echter Höllenjob. Das sollten wirklich nur Profis machen!

2. Schafft die Nachprüfungen und das Sitzenbleiben für ältere Schüler ab. Dann lieber Nachhilfe in der Schule geben. Warum nicht auch im Juli? Müssen eigentlich alle Lehrer gleichzeitig in Urlaub fahren? Nur so eine Frage. Ganz ohne böse Hintergedanken!

Manuel Zimmermann

Kommentar hinterlassen
Ein Kommentar
  1. Alessandra Wintgens

    „Gute Journalisten – Schlechte Journalisten“… Anbiedernd und billig. Schade, wichtiges Thema.

Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150