Zeigt uns noch einmal die Schönheit des Spiels!

Der Traum vom Weltmeistertitel ist ausgeträumt. Die Roten Teufel haben ihr Halbfinale gegen Frankreich mit 0:1 verloren. Noch ist die WM aber nicht vorbei: Als Trost bleibt das Spiel um Platz drei. Und die Möglichkeit, noch einmal ein Ausrufezeichen zu setzen.

Public Viewing in Eupen am 10.7. (Bild: Lena Orban/BRF)

Public Viewing in Eupen (Bild: Lena Orban/BRF)

Zuerst war da nur Enttäuschung. Niedergeschlagene Rote Teufel, niedergeschlagene Fans, das Bild von Eden Hazard, der mit leerem Blick die Kapitänsbinde zwischen den Zähnen trägt.

Dann aber auch beim Public Viewing Applaus für das, was wir bei diesem Turnier von den Roten Teufeln gesehen haben. In den Social Media dauerte es nicht lange, ehe die ersten Botschaften geliked und geteilt wurden, Botschaften aus Stolz, Trotz und Dankbarkeit. So geht Trostspenden im 21. Jahrhundert.

Nach der Euphorie der vergangenen Tage sind wir wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen. Dieses Frankreich war nicht unschlagbar, dieses Frankreich war einfach clever. Hat die Belgier kommen lassen, um selbst zuschlagen zu können bei Kontern über die schnellen Mbappé, Pavard oder Griezmann. Oder bei einem Standard – wie beim entscheidenden Kopfball von Abwehrspieler Umtiti. „Ein Detail“, wie Nationaltrainer Roberto Martinez später meinte, aber mehr braucht es nicht auf diesem Niveau, in einem WM-Halbfinale.

Er selbst hatte wieder einmal alle überrascht, indem er für den gesperrten Thomas Meunier von Beginn an Mousa Dembélé brachte – und Nacer Chadli, das dann schon wie erwartet auf die rechte Außenseite rücken ließ. Dembélé sollte mehr Ballsicherheit bringen, eine Überzahl im Zentrum schaffen und Marouane Fellaini eine offensivere Ausrichtung ermöglichen. Und Belgien machte auch das Spiel, hatte Chancen – die beste durch Toby Alderweireld, wie einst Gerd Müller aus der Drehung …

Der Wille war da, auch nach dem Gegentor – aber es gab auch viele Ballverluste – und immer fehlte irgendein Stück. Was nicht heißen soll, dass Nationaltrainer Roberto Martinez mit seinem Latein am Ende war. Er hat vor allem eines geschafft: aus einem Haufen hochtalentierter Fußballspieler eine Mannschaft zu formen, die an den Titel glaubt und dabei ein ganzes Land mitzieht. Und darüber hinaus. Hier in Ostbelgien haben wir mit einer gewissen Genugtuung registriert, dass gerade aus Deutschland immer mehr Anerkennung und Bewunderung kamen – selbst jetzt nach dem Scheitern.

Und noch ist „unser“ Sommermärchen nicht vorbei: Am Samstag, beim Spiel um Platz drei, um den „Trostpreis“ also, sollten die Roten Teufel noch einmal alles hervorholen und zeigen, was sie ausgezeichnet hat: guten, schönen, spektakulären Fußball. Mir wären als Gegner die Kroaten lieber, weil auch sie am ehesten diesen Fußball pflegen. Zeigt uns noch einmal die Schönheit des Spiels!

Mögen sich die Franzosen und Engländer doch streiten um den Titel in Sachen Effizienz.

Stephan Pesch

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