Kommentar: Eierkrise wird nicht der letzte Skandal sein

Die Eierkrise lässt Belgien nicht los, und zieht mittlerweile ja schon weite Kreise in Europa. In mehr als einem Dutzend Länder sind die mit Fipronil versuchten Eier bislang aufgetaucht. Wer verantwortlich für den Skandal ist, ist weiter unklar. Das alles ist schlimm, verwunderlich aber nicht. Ein Kommentar.

BRF-Redakteur Kay Wagner

BRF-Redakteur Kay Wagner (Bild: Alexander Louvet/BRF)

Die Eierkrise, der Dioxin-Skandal, Gammelfleisch- und BSE-Skandal – und was gab’s noch? Sicher immer wieder was, vielleicht auch ohne, dass wir es gemerkt haben. Skandale entstehen beim Pfuschen mit Lebensmitteln ja immer nur dann, wenn das Pfuschen auffliegt. Und daran haben viele oft kein Interesse.

Vielleicht wollte man deshalb ja auch die Eierkrise vertuschen. Eben, um daraus keinen Skandal zu machen. Ideengeber zu diesem Gedanken ist Landwirtschaftsminister Denis Ducarme: Die Niederlande, sagte Ducarme, wussten schon Ende 2016 von Fipronil verseuchten Eiern, haben das aber hübsch verschwiegen. Die Niederlande, einer der weltweit größten Exporteure von Eiern – schob der Minister noch hinterher.

Der Wink mit dem Zaunpfahl ist da schon mehr als deutlich. Stichwort: Wirtschaftsinteressen. Doch Achtung! So ein Zaunpfahl kann schnell mal kippen und in den eigenen Garten fallen.

Bei der EU-Kommission weiß man das sehr genau, und wohl auch deshalb versucht man, von dort aus zu beruhigen. Bitte keine Schuldzuweisungen. Besser sollen alle gemeinsam Lehren aus der Eierkrise ziehen. Ende September will die Kommission das machen. Wirkliche Eile sieht sicher anders aus.

Doch Eile scheint auch nicht geboten. Denn giftig, so sagt es zumindest Maggie De Block, immerhin Ministerin für Volksgesundheit, sind die Eier ja nicht für uns Menschen.. Oder vielleicht doch? Ehrlich gesagt: So ganz genau wissen wir das ja nicht.

So ganz genau wissen wir ja überhaupt fast gar nichts in der Eierkrise. Nur, dass sie existieren soll, und täglich Hunderttausende von Eiern weggeschmissen werden. So zeigen es uns die Fernsehbilder.

Und das ist ganz typisch für unser heutiges Verhältnis zu dem, was wir täglich essen und trinken: Was wirklich drin ist, wissen wir eigentlich nicht. Bei verpacktem Essen und Trinken wird uns noch vorgegaukelt, dass wir es ja nachlesen können. Die Inhaltsstoffe stehen ja auf der Packung. Doch auch beim VW-Diesel stand bekanntlich drauf, wie sauber er doch sei. Bis irgendwann VW selbst zugeben musste, dass das so nicht stimmt.

Nein, was wir essen und trinken, das können wir längst nicht mehr kontrollieren. Da sind wir abhängig von der Industrie, die die Lebensmittel produziert. Meist am Fließband, meist mit künstlichen Zutaten, meist mit dem Ziel, möglichst viel Geld zu verdienen. An die Gesundheit der Menschen denken da die wenigsten.

Bei Bauern ist es ähnlich. Auch sie verfolgen meist das Ziel, möglichst viel Geld zu verdienen, setzen also Chemikalien ein, um die Erträge zu steigern. Und selbst wenn so genannte Bio-Produkte oder Bio-Futter eingesetzt wird – wer kann immer schon sagen, ob da, wo Bio draufsteht, auch tatsächlich Bio drin ist?

Nein, heutzutage können wir nicht mehr wissen, was wir essen. Beziehungsweise haben uns daran gewöhnt, quasi Chemiefutter zu essen.

Dass dann auch oft geschummelt wird, ist auch normal. Denn überall, wo es um’s richtig große Geld geht, wird geschummelt. Und bei der Lebensmittelindustrie geht es um richtig viel Geld. „Big Business“, so nennt die Zeitung „Het Nieuwsblad“ am Freitag die Lebensmittelindustrie.

Die Eierkrise also im Grunde keine Krise, sondern nur „Business as usual“? Ganz so drastisch ist es nicht. Aber seien wir uns im Klaren: Wer mit dem Feuer spielt, läuft Gefahr, sich zu verbrennen. Beim Essen ist die Chemie das Feuer. Mit Feuer passieren Unfälle, mit Feuer kann man kriminelle Taten vollbringen. Nichts Anderes ist in der Eierkrise geschehen.

Das ist schlimm, das ist tragisch. Doch ändern können wir das nicht. Absolute Sicherheit existiert halt nirgends. Und Brandstifter hat es immer schon gegeben.

Kay Wagner - Bild: Alexander Louvet/BRF

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