Diesel oder nicht? Mutige Politik erwünscht – Ein Kommentar

Über Dieselfahrzeuge wurde diese Woche wieder viel geredet. Anlass dazu war vor allem der Diesel-Gipfel in Deutschland. Aber auch, dass deutsche Richter Städten wie Stuttgart nahegelegt haben, Dieselfahrzeuge zu verbieten, um die Gesundheit der Bürger zu schützen. Steht der Diesel vor dem Aus oder hat er noch eine Zukunft? Jetzt ist die Politik in der Pflicht. Sie muss mutige Entscheidungen treffen.

BRF-Redakteur Kay Wagner

BRF-Redakteur Kay Wagner (Bild: Alexander Louvet/BRF)

Die ganze Diskussion um Diesel-Fahrzeuge ist schon erstaunlich, und es ist schlimm zu beobachten, wie gerade Deutschland mit diesem Thema umgeht. Diesel – aber bitte, das trifft auch auf Benzin zu – ist nun mal gesundheitsschädlich. Das kann man drehen und wenden, wie man will. Schließt man sich mit einem Diesel oder Benziner mit laufendem Motor in einer Garage ein, na ja, Sie wissen schon: Bei einem Elektroauto wäre das anders.

Der Unterschied zur Straße ist dann nur, dass sich auf der Straße die Abgase von Diesel und Benzin schön verteilen. Die gesundheitsschädlichen Partikel bleiben dennoch da. Das ist nun einmal so. Den sauberen Diesel oder Benziner, ihn gibt es einfach nicht. Erstaunlich nur, dass einige Menschen Diesel und Benziner trotzdem so toll finden, dass sie sich partout dagegen sträuben, eine andere Fortbewegungsmöglichkeit zu suchen, als Autos mit Diesel oder Benzin.

Gut, wir leben in einer Demokratie. Da muss man so manches ertragen, eben auch die Meinungen von anderen, die man selbst absolut nicht teilt. Erinnert sei aber daran, dass die Freiheit des Einzelnen in einer Demokratie nur soweit gehen sollte, wie die Freiheit des anderen nicht eingeschränkt wird. Wenn tausende von Autofahrern nicht nur ihre, sondern auch meine Luft verpesten und mich damit krankmachen, dann ist da die Grenze der Entscheidungsfreiheit vielleicht erreicht. Oder etwa nicht?

Die gleiche Diskussion kennen wir ja schon vom Rauchen und der Zigarette. Letztlich wurde entschieden. Von Oben, aber von keinem Diktator. Und siehe da: Alle haben das überlebt. Sogar die Raucher selbst. Und irgendwie ist doch alles angenehmer geworden. Oder etwa nicht?

Beim Diesel könnte man doch jetzt genauso verfahren. Diesel macht krank. Also: kein Diesel, kein Benziner mehr auf öffentlichen Straßen. So oder ähnlich. Zum Schutz derjenigen, die keine Diesel-Luft atmen wollen, oder einfach auch nur zum Schutz der Schwachen, der Kinder zum Beispiel. Und was für Diesel gilt, bitte auch gleich für den Benziner.

Bleibt nur das Problem der Alternativen. Beim Rauchen war es einfach. Nämlich: Nicht rauchen. Beim Auto ist das etwas schwieriger. Denn die Alternativen, so sagen es uns die Autohersteller, stünden noch nicht bereit.

Das kann man glauben oder nicht. Aber zu wetten ist: Sobald das Verbot von Diesel- und Benzinfahrzeugen ausgesprochen wird, werden die Alternativen schon da sein, Denn eins ist sicher: Geld verdienen wollen die Autohersteller auch weiterhin, auch ohne Diesel und Benzin. Geforscht an Alternativen wurde schon viel, Gas- und Elektroautos fahren bereits rum. Was fehlt, ist der Beschleunigungsfaktor, um diese Alternativen im Straßenbild zu etablieren. Das Verbot von Diesel und Benzin könnte dieser Beschleunigungsfaktor sein.

Die Politik sollte also mutig sein. Die Autohersteller haben die Politik belogen und betrogen, sich nicht an Gesetze gehalten, sie sogar gezielt und wahrscheinlich untereinander abgestimmt gebrochen. Warum sollte die Politik die Autohersteller weiter mit Samthandschuhen behandeln?

Die Politik muss schauen, in welcher Verantwortung sie steht. Entscheidet sie sich wie die deutsche Regierung, so spannt sie sich vor den Karren der Autoindustrie. Sicher, die beschäftigt in Deutschland hunderttausenden Menschen. Aber die Mehrheit der Gesellschaft ist das nicht.

Entscheidet sich die Politik so wie in Paris, wo Dieselfahrzeuge ab 2020 nicht mehr fahren sollen, oder wie in Norwegen, wo Neuwagen mit Verbrennungsmotoren ab 2025 nicht mehr verkauft werden sollen, oder auch wie in der Wallonie, wo die neue Regierung 2030 den Ausstieg aus dem Diesel fordert und jetzt schon den Fuhrpark in Namür mit umweltfreundlicheren Autos bestückt.

Ja dann fühlt sich die Politik der Gesellschaft verpflichtet, der Mehrheit der Gesellschaft, und der Gesundheit von allen. Und an gesunden Bürgern hat ein Staat durchaus Interesse. An Dieselverseuchten nicht.

Kay Wagner - Foto: Alexander Louvet

Kommentar hinterlassen
5 Kommentare
  1. Dieter Leonard

    Ein wirklich treffender Kommentar Herr Wagner!
    Er hält vor allem denjenigen einen Spiegel vor, die ihre vermeintlichen Freiheitsrechte in Sachen Auto-Mobilität über dem Allgemeinwohl ansiedeln.
    Zudem zeigt er auf, dass sich mit Festklammern an Technologien des vergangenen Jahrhunderts keine zukunfstfähigen Entwicklungen befördern lassen.
    Er ist ein Hinweis, dass sich nur mit Mut und Optimismus die Zukunft gestalten lässt.
    Wenn die deutsche und europäische Autoindustrie und die politisch Veranwortlichen weiter zaudern und den Technologiewandel verschlafen, werden sie auch den wirtschaftlichen Wettbewerb verlieren.
    Dem unaufhaltsamen Paradigmenwechsel in Richtung E-Mobilität werden sie dann nur als Hinterbänkler zuschauen.
    Im Kommunikationssektor gilt z.B. Nokia hierfür als Anschauungsbeispiel.
    Danke für diesen Kommentar!

  2. Marcel Scholzen eimerscheid

    Bei dieser Diskussion sollte man bedenken, dass auch bei der Produktion von Strom Abgase erzeugt werden, genau wie bei der Herstellung von Photovoltaikanlagen. „Die“ emisionsfreie Energieerzeugung existiert nur in den Köpfen von Öko-Fantasten und von fanatischen „Klimaschuetzern“. Jede Energieerzeugung ist mit Eingriffen in die Natur verbunden.

    Die aktuelle Diskussion hat fast religiöse Züge, gegen Diesel und für Elektrofahrzeuge. Und ist auch guter Gradmesser für Tolleranz in der Gesellschaft.

  3. Wotschke Anja

    mag ja sein dass Diesel & Benzinfahrzeuge Gesundheitsschädlich sind, aber fahren denn nur die normalen Bürger solche und Politiker allgemein was anderes ? ich denke nicht, Ich verfolge das Ganze ja ebenso und stelle mir schon die frage, wenn alle Diesel und Benziner verschwinden – dann schließen ja theoretisch auch viele Tankstellen da ja keiner dies mehr benötigt. So und wie wollen die Staaten und die obererste Politikerliga den Steuereinnahmenverlust davon kompensieren ? an wessen Brieftasche werden die sich dann bedienen ? natürlich am und beim kleinen Bürger . Vor allem müssen dann ebenso Schiffe, Flugzeuge, Züge usw auch verboten werden und nicht nur die Autos. Ja ok das meiste fährt ja nicht in Innenstädten und in einem auch Straßenbahnen, Busse, Taxen , Transporter, LKW´s…..am besten man geht ins Mittelalter zurück

  4. Jochen Decker

    Umweltfreundlicher sind Elektroautos nur, wenn der Strom ausschließlich umweltfreundlich erzeugt wird. Wird er das?
    Klar ist, dass die bisherige Infrastruktur nicht ausreicht, wenn alle Autos elektrisch fahren. Milliardeninvestitionen sind nötig, wer zahlt – mal wieder?

    Die Herstellung der Batterien ist energieintensiv und was geschieht mit den Milliarden Tonnen von Sondermüll, die bei der Ausmusterung der Batterien anfallen?
    Gibt es bereits fertige Konzepte oder wird wie so oft, siehe Energiewende Deutschland, Murks zum Nachteil aller, inklusive Umwelt, fabriziert?

    Schnellschüsse können sich im Nachhinein als teurer Reinfall erweisen. Zuerst ein komplettes schlüssiges Konzept auf den Tisch legen, das alle Punkte berücksichtigt und dann ans Werk gehen, nicht vorher.

    Die deutsche Energiewende sollte uns ein mahnendes Beispiel dafür sein, was passiert, wenn wichtige Entscheidungen lediglich aus einem Bauchgefühl heraus getroffen werden.

  5. Guido Scholzen

    @Leonard: Nokia verschwand weitgehend vom Markt, weil es Produkte anbot, die der Kunde nicht mehr wollte; der Markt für Smartphones wurde verpennt, die Konkurrenz bot bessere Produkte. Das nennt man FREIER MARKT.
    Und genauso ist es auch mit Elektro-Autos. Sie werden nicht gekauft, weil unfexibel, teuer und technisch nicht ausgereift. Sie fristen deshalb ein Nischendasein, da die Mehrzahl der Käufer keins will. Das selbe Schicksal wie die Nokia-Handys. Der Staat zwingt uns ein unnötiges Produkt auf.

    Aber bevor der Kunde zum Zwangskauf „animiert“ wird, wird die Industrie genötigt. (Ist Nötigung nicht strafbar?) Es werden Fantasiegrenzwerte eingeführt, die auch nicht mehr Umweltschutz bringen. Es wird verschwiegen, dass E-Autos auch keine bessere Umweltbilanz bieten wegen der Verwendung anderer seltener Elemente (Lithium, es wird zentnerweise Kupfer gebraucht…). E-Autos werden nicht dadurch umweltfreundlicher, weil deren Propaganda grün angestrichen ist. Nein, die grüngesinnte Presse haut noch drauf. Der BRF-Kommentator macht auch keine Ausnahme.
    Ich fahre gerne Diesel!

Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150