Politische Sandkastenspiele – Ein Kommentar

Die politische Krise im frankophonen Landesteil nimmt immer absurdere Formen an. Seitdem CDH-Chef Benoît Lutgen den Stecker ausgezogen hat, herrscht in der frankophonen Politikszene Chaos. Politiker schießen aus allen Kanonenrohren, verteilen verbale Schimpftiraden, die weit unter die Gürtellinie gehen und liefern sich Schlachten, aus denen nur Verlierer hervorgehen können. Denn in der Öffentlichkeit schüttelt man nur noch den Kopf über diese Sandkastenspiele, meint Chantal Delhez in ihrem Kommentar.

Im frankophonen und wallonischen Sandkasten ist zur Zeit die Hölle los. Die Kinder beschmeißen sich mit allerlei Unrat. Sie graben um die Wette, um so viel wie möglich Dreck zu finden, den andere hinterlassen haben. Ab und zu stoßen sie dabei auch auf Mist, den sie irgendwann selber gebaut haben und vergraben ihn wieder, damit die anderen ihn nicht sehen.

Plötzlich platzt dem kleinen Benoît mit dem orangen T-Shirt der Kragen. Er will nicht mehr mit seinen Freunden mit den roten Mützchen spielen. Bis dahin hatten sie mit ihren Förmchen gemeinsam Sandburgen gebaut. Das will Benoît nun nicht mehr.

Denn die mit den roten Mützchen haben das Spielchen zu weit getrieben, sich die Taschen zu voll gesteckt und Berge von Lutschstangen kassiert, obwohl sie nichts dafür getan haben. Der kleine Benoît hat dann laut geschrien und verkündet, dass die Freundschaft zu Ende sei.

Jetzt sucht Benoît nach neuen Freunden. Die mit den blauen T-shirts warten schon lange darauf, die Macht im Sandkasten zu übernehmen. Sie saßen nämlich in einer Ecke und mussten sich von den Kindern mit den roten Mützchen so allerlei gefallen lassen. Bis dahin wollten sie an der Burg mitbauen und schafften es nicht so richtig.

Dann geschah ein Wunder: Benoît bot ihnen die Freundschaft an. Zusammen wollen sie mit ihren Förmchen in den Händen die noch nicht ganz zu Ende gebaute Sandburg zerstören und eine neue, viel schönere, viel bessere, viel standhaftere Burg bauen. So wollen sie gemeinsam die Kinder mit den roten Mützchen in die Ecke drängen. Mit denen wollen sie nichts mehr zu tun haben.

Gemeinsam sind wir stark, sagen die Kinder mit den orangen und blauen T-Shirts, aber doch eben nicht stark genug. Denn, wenn die Kinder mit den selbstgestrickten grünen Pullovern mit an der Burg arbeiten würden, dann wäre man noch stärker. Die Kinder mit den grünen Pullovern haben sich für eine Antwort auf die Freundschaftsanfrage einen guten Monat Zeit gelassen, doch schließlich nehmen sie sie nicht an. Eine Burg bauen? Ja, sagen sie, aber nicht ohne die entsprechende Moral. Gut, wenn die nicht wollen, bleibt ja noch der Junge mit dem lila-roten Hemd, der Olivier. Der hat nämlich die Karten in der Hand und spielt seelenruhig Katz und Maus.

Inzwischen geht das Chaos im Sandkasten weiter. Die Kinder mit den grünen Pullovern wollen dem Teufel nicht ihre Seele verkaufen. Die mit den roten Mützchen und den orangenen und blauen T-Shirts beschmeißen sich weiterhin mit Dreck.

Es ist Zeit, dass dieser Zirkus aufhört, es ist Zeit, dass die Sandkasten- und Machtspielchen ein Ende nehmen und jeder endlich über seine Nasenspitze hinaus schaut. Das Pausengeplänkel hat genug gedauert. Das Theater, das die jammernde Politik zur Zeit der Öffentlichkeit vorspielt ist, verdient keine Auszeichnung. Geht es um die wichtigen Herausforderungen in der Gesellschaft, um die wirklichen Probleme der Menschen oder geht es wieder einmal nur im Macht?

Den Grünen gingen die Zusagen über eine ethische Revolution und eine Reform der Regierungsführung nicht weit genug. Sie erklärten sich nicht bereit, an Koalitionsverhandlungen teilzunehmen. Vor diesem Hintergrund muss die Frage erlaubt sein, ob denn für einen Benoît Lutgen, der einen bösen Zeigefinger auf die Roten mit ihren Affären hält, ethisches Handeln wirklich im Mittelpunkt steht?

Und wie steht es mit den Liberalen? Sie werden Benoît Lutgen wohl dankbar sein müssen, dass er ihnen den Weg zur Macht freimacht. Spielen diese Politiker uns nicht gerade das vor, was sie bei anderen so heftig kritisieren?

Wie wäre es, wenn sich jeder in der Runde einen Spiegel vorhalten würde, denn der Standpunkt hängt immer vom Platz ab, den man gerade im Sandkasten einnimmt.

Chantal Delhez - Foto: Achim Nelles/BRF

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Ein Kommentar
  1. Jean-Pierre DRESCHER

    Kein Wunder. Leben diese Gauner und Ganoven der haute volée doch schließlich göttlich von unseren Steuergeldern bzw. sogar dem Geld der Ärmsten der Gesellschaft.

    Da kann man sich sicher mal die ein oder andere Party der besonderen Art gönnen, um der Welt und den europäischen Nachbarn mit aller Macht klarzumachen, wie wichtig man ist bzw. öffentlich zur Schau zu stellen, was man mit den „Richtigen Genen“ für Sonderrechte in diesem Land sowie der EU ggü. dem rechtmäßig schufftenden Proletariat genießt.

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