„Der Gletscher“: Christian Klinkenbergs zweite Oper steht vor der Uraufführung

Am 25. Oktober erlebt Christian Klinkenbergs zweite Opernkomposition ihre Uraufführung. Der Eupener Musiker hat nach dem Erstling "Das Kreuz der Verlobten" diesmal ausgehend von Texten verschiedener ostbelgischer Autoren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sein neues Werk "Der Gletscher" komponiert. Darin stecken zwei Jahre harter Arbeit, deren Ergebnis diesmal nicht nur in Ostbelgien, sondern auch in Brüssel und New York zu sehen sein wird.

Gletscher in Patagonien

Illustrationsbild: Pixabay

Vor zwei Jahren brachte der 43-jährige Christian Klinkenberg seine erste Oper „Das Kreuz der Verlobten“ heraus. Jetzt folgt mit „Der Gletscher“ ein weiteres Gesamtkunstwerk, in dem Musik, Schauspiel, Film und bildende Kunst eine Einheit ergeben.

Die Handlung beruht auf Texten mehrerer ostbelgischer Autoren des frühen 20. Jahrhunderts. „Zwei Brüder besteigen gemeinsam einen Berg auf der Suche nach einem Gletscher“, erzählt Klinkenberg. „Der eine, Max, ist ein strukturiert denkender Wissenschaftler, der andere Bruder, Gabriel, ein heiterer unbefangener Humanist, der sich vollkommen unbedarft auf das Abenteuer einlässt und dabei zu Tode kommt. Das Spannende ist dann der weitere Verlauf der Geschichte: Max sucht Gabriel und am Ende werden sie wieder zusammenfinden.“

Christian Klinkenberg setzt bei der Komposition ganz unterschiedliche stilistische Mittel ein. Wie in zahlreichen Klinkenberg-Kompositionen begegnen sich rockiger Groove, die Möglichkeit der Jazzimprovisation und vor allem neue Kompositionstechniken der aktuellen Musik. Besonders wichtig ist ihm der Einsatz der Mikrotonalität. „Die Oktave ist ja in acht diatonische Töne oder zwölf Halbtöne aufgeteilt, dies entspricht bildlich den weißen und schwarzen Tasten eines Klaviers. Aber es kann weitaus mehr als nur diese zwölf Halbtöne in einer Oktave geben. Es gibt Systeme, die die Oktave in 19 oder 41 einteilen, und es existieren noch viele andere Raster, die hier in die Oper einfließen.“

Dadurch entstehen auch ganz neue emotionale Eindrücke, denn auch die Musik entwickelt sich weiter. Nahezu Unerhörtes ist das Ergebnis, das vom zwölfköpfigen Ensemble und dem Sänger Jean Bermes gespielt und gesungen wird.

Christian Klinkenberg (Bild: OstbelgienFestival)

Christian Klinkenberg (Bild: OstbelgienFestival)

Dabei liegt den Ausführenden eine Partitur in graphischer Notation vor, für die Klinkenberg eine eigene Schreibtechnik entwickelt hat. „Ausgangspunkt der Notation ist ein 40 Zentimeter breites Blatt Papier. Darüber lege ich Transparente, die unterschiedliche Raster aufweisen, von 2 cm bis 3 mm. Auf diese transparenten Raster male ich die Noten, die enger aneinander liegenden Noten werden schneller gespielt als die weiter auseinander stehenden. So wird das Tempo vorgegeben. Meine Entwürfe hat dann der Künstler Marc Kirschvink sehr schön in die endgültige bildliche Form gebracht.“

Die Umsetzung von Marc Kirschvink kann der Besucher dann ebenfalls bei den Aufführungen mitverfolgen, aber die Projektionen während der Vorstellung des „Gletschers“ umfassen noch mehr. „Ludwig Kuckartz verbindet in seiner Videoproduktion Aufnahmen der Situationen vom Gletscher mit Bildern des verunglückten Bruders, denn Jean Bermes singt die Partien der beiden Brüder. Des weiteren wird die Videopartitur projiziert, so dass das Publikum das gleiche wie die Musiker sehen kann.“

„Der Gletscher“ ist eine Koproduktion von arsVitha, Chudosnik Sunergia und Ostbelgienfestival. Die Aufführungstermine sind am 25. und 26. Oktober im Alten Schlachthof Eupen sowie am 31. Oktober und 1. November im Triangel St. Vith. Vier weitere Vorstellungen gibt es in Brüssel und New York.

Regisseurin Nicole Erbe (Bild: Katrin Margraff/BRF)

Regisseurin Nicole Erbe (Bild: Katrin Margraff/BRF)

Hans Reul

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