50 Jahre nach der Erstaufführung: Gelungene Neuinterpretation von Brels „L’homme de la Mancha“

Vor genau 50 Jahren brachte Jacques Brel in der Brüsseler Oper "La Monnaie" seine Version des Broadway-Musicals "L'homme de la Mancha" heraus. Jetzt wagt sich die Monnaie gemeinsam mit der Königlich Flämischen Schauburg KVS an eine Neuinterpretation, die das Original nie verrät, aber doch neue Akzente setzt.

Michael De Cock

Regisseur Michael De Cock (Bild: Danny Willems)

„Rêver un impossible rêve“ – träume einen unmöglichen Traum – das war und das ist die Botschaft dieses Musicals rund um Don Quichote. Jacques Brel hatte das Musical von Dale Wasserman und Mitch Leigh am Broadway gesehen und war so angetan, dass er im Oktober 1968 seine französischsprachige Fassung in Brüssel herausbrachte. Er selbst spielte den Ritter von der traurigen Gestalt.

Von dieser Aufführung gibt es nur einige Bilder und kurze Filmauszüge, leider keine Gesamtaufnahme. Aber wenn man jetzt Filip Jordens auf der Bühne der KVS in Brüssel sieht, denkt man gleich an Brel. So genau in Bewegung und Sprechduktus folgt Jordens dem Vorbild. Zurecht gilt er als der Brel-Interpret unserer Zeit, mehr noch: Er ist fast die Imitation Brels, so sehr geht er in Person und Rolle auf.

Die Regisseure Michael De Cock und Junior Mthombeni haben das Musical in Ansätzen aktualisiert, ohne das Original zu verraten. Wir erleben Theater im Theater, denn auch Cervantes, der Schöpfer Don Quichotes, ist auf der Bühne.

Cervantes erwartet mit dem Manuskript des Don Quichotte unter dem Arm das Urteil der Inquisition und er möchte wie sein Alter Ego Don Quichote diesen unmöglichen Traum träumen und leben. Das lohnt sich auch in unserer immer mehr von Ab- und Ausgrenzung geprägten Gesellschaft. Auf der Bühne sind bewusst verschiedene Kulturen vereint und am Ende der Vorstellung schreiten Don Quichote, Cervantes und Dulcinea durch das offene Tor der Bühnenrückwand der KVS in den Brüsseler Nachthimmel. Dies ist nur eines von vielen sehr gelungenen Bildern dieser Neuinterpretation.

Denn es ist keine Kopie des Originals, die die Macher anbieten. Neben den immer noch wunderschönen Originalmelodien kommen neue Songs hinzu, mal von Rap, dann wieder von Pop geprägt, auch klassische Elemente oder eine Einbindung des populären Musiktheaters Murga aus Uruguay. Das passt ebenso wie die Projektionen von Videoaufnahmen mit Bildern aus dem sonnendurchfluteten spanischen Mancha und dazu im Gegensatz die tristen und doch durch Tanzszenen aufgeheiterten Bildern von Abrissarbeiten in Brüssel. Starke Gegensätze, die uns die Realität bei allen Träumen und Hoffnungen vor Augen führen.

Neben Filip Jordens überzeugen auch die weiteren Darsteller. Allen voran Junior Akwety als rappender Sancho Pansa ebenso Ana Naqe in der Doppelrolle der Aldonza und Dulcinea oder auch der junge Tenor Michel Debret, der als Padre und Barbier sowohl stimmlich als auch komödiantisch zu begeistern versteht. Musikalisch wird die Produktion glänzend vom bläserbetonten Kammermusikensemble der Monnaie unter der Leitung von Bassem Akiki getragen.

Noch bis zum 28. September steht „L’homme de la Mancha“ auf dem Programm der KVS, vom 18. bis 22. Dezember wird die Produktion fünf Mal im Théâtre de Liège gegeben.

Bassem Akiki

Dirigent Bassem Akiki (Bild: Kama Bork)

Hans Reul

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