Aus dem schlauen Füchslein wird Foxie, die emanzipierte junge Frau

"Foxie" steht derzeit auf dem Spielplan der Brüsseler Oper La Monnaie. Foxie? Es gibt keine Oper mit diesem Titel. "Foxie" ist hier ganz einfach der Rufname des schlauen Füchslein aus der gleichnamigen märchenhaften Oper von Leos Janacek. Regisseur Christophe Coppens hat aus der Tier-Fabel eine moderne Oper über das Coming-Out einer ganzen Generation gemacht - und das Experiment ist geglückt.

"Foxie" in La Monnaie

Wenn ein Regisseur glaubt, der Handlung einer Oper ein völlig anderes Konzept verleihen zu müssen, dann ist dies leider oftmals ein Fehlgriff gewesen. Aber es kann auch klappen, und wie! Das zeigt die aktuelle Produktion von La Monnaie. Der belgische Theatermann und Modedesigner Christophe Coppens, der vor Jahren schon für Lady Gaga und das belgische Königshaus Hüte kreierte, hat aus der Janacek-Oper, in der die Tierwelt den Menschen gegenüber gestellt wird, eine ebenso spannende wie schlüssige Geschichte um das Erwachsenwerden gemacht, in deren Mittelpunkt das Mädchen Foxie steht.

Christophe Coppens wollte nicht bei seiner ersten Opernregie überhaupt in eine idyllische Welt der Tiere eintauchen. Nein, bei ihm werden aus den Tieren Jugendliche, die ihren Weg suchen in der Erwachsenenwelt, die Generation Z, wie er sie nennt.

So wird bei Coppens der Wald zu einer Mehrzweckhalle und diese nimmt eindrucksvoll die gesamte offene Bühne im Palais Monnaie, der Ausweichspielstätte des Opernhauses auf dem Gelände von Tour et Taxis, ein. Rechts sehen wir eine originalgetreue Cafetaria, wie wir sie aus so vielen Sportzentren der 1970er Jahre kennen und die heute noch in vielen Dörfern oder Kleinstädten zu finden ist, links ist das Büro des Security-Personals und dazwischen die offene Sporthalle. Hier tummeln sich die Kids, sie spielen und tanzen, es ist ihr Treffpunkt.

Das Phantastische ist: Diese Übertragung funktioniert ab der ersten Szene. Coppens hat nicht eine einzige Note aus der Janacek-Partitur streichen müssen. Das passt alles. Hier spürt man, dass ein ganzes Team genau überlegt und es auch konsequent umgesetzt hat.

Der Erfolg ist auch einem sehr spielfreudigen Ensemble zu verdanken. Neben den Sängern, allen voran eine herausragende und glaubwürdige Lenneke Ruiten als Foxie, sind zahlreiche Jugendliche nicht als Statisten sondern als agile Mitwirkende zu sehen. Es wird getanzt und gealbert. Was so natürlich aussieht, ist sicher das Ergebnis intensiver Proben. Jeder weiß, was er zu tun hat, und trotzdem wirkt alles improvisiert.

Dies wird unterstützt vom wieder einmal glänzend aufspielenden Orchester der Monnaie unter der Leitung von Antonello Manacorda. Diese Produktion ist für Jugendliche ein perfekter Einstieg in die Welt der Oper. Sie sehen Gleichaltrige auf der Bühne und können Dramatik und vor allem auch die Poesie und Lyrik des Musiktheaters direkt erfahren.

Bis zum 2. April steht „Foxie“ auf dem Spielplan von La Monnaie.

Hans Reul - Bild: Bernd Uhlig/La Monnaie

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