La Monnaie begeistert mit „Capriccio“ von Richard Strauss

Prima la musica dopo le parole! Oder doch eher umgekehrt? Was ist wichtiger für eine Oper: Wort oder Musik? Das ist das eine Thema der Oper "Capriccio" von Richard Strauss, aber es geht auch um die Liebe.

Capriccio von Richard Strauss in der Brüsseler Oper La Monnaie

Die Brüsseler Oper La Monnaie bringt die Strauss-Oper in einer vorzüglichen Produktion auf die Bühne. Hier stimmt alles: Inszenierung, das Solistenensemble sowie das hervorragend disponierte Orchester.

„Capriccio“ spielt in der Nähe von Paris, um 1775, zu der Zeit, als Christoph Willibald Gluck an der Pariser Oper tätig war und seine Opernreform durchsetzte. Auch dies wird am Rande behandelt in diesem Konversationsstück für Musik, wie Richard Strauss seine letzte Oper „Capriccio“ nannte.

Der Dichter Olivier und der Komponist Flamand werben um die Gunst der jungen Gräfin. Bei deren bevorstehender Geburtstagsfeier wollen sie neue Werke präsentieren, darunter auch eine gemeinsame Arbeit, die vom Theaterdirektor La Roche einstudiert werden soll. Lebhaft wird die Frage diskutiert, ob der Text oder die Musik wichtiger für das Gelingen einer Oper sei. Die Gräfin soll zwar entscheiden, aber sie kann kein Urteil fällen, ebenso wenig wie sie sich zwischen den beiden Verehrern entscheiden kann.

Das ist der Plot dieser letzten Oper von Richard Strauss. Wie das Werk nun in Brüssel auf die Bühne gebracht wird, ist begeisterndes Musiktheater. Die Inszenierung des in Ungarn geborenen und in Deutschland lebenden Regisseurs David Marton wurde schon 2013 in Lyon gezeigt und ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass man Oper auf sehr feinsinnige und elegante Art aktualisieren kann.

Marton lässt in einem beeindruckenden Bühnenbild von Christian Friedländer spielen: Wir sind in einem Theater, Logenplätze wie Parkett sind aufgebaut, ebenso die Bühne, die sich auch in einen Salon verwandeln lässt. Hier haben die Sänger, die allesamt auch hervorragende Schauspieler sind, Raum, die Geschichte zu erzählen. Und wenn Marton zusätzliche Mitwirkende einbringt, dann ist dies von einer großen Logik: etwa die Spiegelung der Gräfin als Kind, junge Erwachsene und ältere Frau.

Die Ausweichspielstätte der Brüsseler Oper, das große Konzertzelt „Palais Monnaie“ auf dem Gelände von Tour et Taxis, ist bisher noch nie so sinnvoll genutzt worden wie in dieser Produktion. Dazu tragen auch die Projektionen auf zwei seitlich platzierte Leinwände bei, die uns Nahaufnahmen der Darsteller zeigen.

Und das ist besonders bemerkenswert: Man spürt in jeder Szene, dass die Sängerinnen und Sänger sich ganz auf das Spiel einlassen. Die Personenführung ist perfekt. Hier haben Wort und Musik, Schauspiel und Gesang wirklich gleiche Bedeutung. Die Besetzung lässt keine Wünsche offen. Sei es Sally Matthews als Gräfin, Kristinn Sigmundsson als Theaterdirektor La Roche oder Dietrich Henschel – wieder einmal überragend – als Graf. Aber an und für sich müsste man sie alle erwähnen.

Ein besonderes Kompliment gebührt dem Orchester. Man weiß, dass die akustischen Verhältnisse im Palais Monnaie alles andere als ideal sind, umso erstaunlicher war es, wie es dem Dirigenten Lothar Koenigs gelungen ist, die Vielfalt der Straussschen Klangfarben herauszustellen: vom intimen Streichsextett zu Beginn bis hin zur traumhaft schönen Mondscheinmusik, die zur Finalszene führt. Das ist allerbester Strauss in seiner ganzen Lyrik und Dramatik, ohne jemals die Stimmen zu überdecken.

Bis zum 16. November wird Capriccio noch in Brüssel gegeben.

Capriccio von Richard Strauss in der Brüsseler Oper La Monnaie

Hans Reul - Fotos: La Monnaie

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