Flandern diskutiert über einen „Maulwurf“

Die Reality-Show "De Mol" wurde in Flandern erfunden, erfolgreich sogar ins Ausland exportiert. Nach mehreren Jahren Pause feierte "De Mol" 2016 ein erfolgreiches Comeback im flämischen Fernsehen, das bis heute anhält. Gerade läuft die zehnte Staffel. Seit Sonntagabend ist "Der Maulwurf" in Flandern wieder in aller Munde.

Depression (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / ikurucan)

Illustrationsbild: © Ikurucan/Panthermedia

Bei „De Mol“ geht es – grob zusammengefasst – um folgendes: Zehn Kandidaten – fünf Frauen und fünf Männer – müssen möglichst viel Geld sammeln. Das erreichen sie dadurch, dass sie unterschiedliche Aufgaben bewältigen. Mal geht es um Kraft, mal um Geschicklichkeit. Eine von diesen zehn Personen ist „De Mol“, der Maulwurf.

Er versucht, die Anstrengungen seiner neun Kameraden zu sabotieren, darf dabei aber nicht auffliegen. Den Maulwurf zu entlarven, ist wiederum die Aufgabe der anderen Kandidaten. Wer am Ende jeder Spielrunde zu wenig weiß über den Maulwurf, der fliegt raus.

Am Sonntagabend waren noch sieben Kandidaten auf den Kanarischen Inseln versammelt, wo die aktuelle Staffel von „De Mol“ gerade stattfindet. Dann passierte das Unerwartete: Der Maulwurf gab sich selbst zu erkennen – und katapultierte sich damit aus dem Spiel. So etwas hatte es noch nie gegeben.

Zu hoher Druck

Der Maulwurf heißt Philippe Minguet, ist 35 Jahre alt und Physiotherapeut. Er begründete seine Aufgabe mit dem hohen Druck, dem er nicht mehr gewachsen gewesen sei. Nachdem er einmal nachts angeblich im Schlaf gesprochen und sein Zimmergenosse ihn darauf angesprochen hatte, verbot sich Philippe in den folgenden Tagen zu schlafen – aus Angst, dass er seine Identität als Maulwurf im Schlaf preisgeben könnte.

Dadurch sei eins zum anderen gekommen. Er sei schwach geworden, unkonzentriert, habe sich in einem Tunnel befunden, sich als schlechtesten Maulwurf aller Staffeln gefühlt. Kurz für fünf Minuten habe er nur noch geschlafen, wenn er sich auf der Toilette eingeschlossen hatte.

Druck und Stress

Die Psychologin Sarah Van Pelt war an dem Auswahlprozess der zehn Kandidaten für die aktuelle Staffel von „De Mol“ beteiligt. Bei der VRT wehrte sie sich am Dienstagvormittag dagegen, eine schlechte Wahl getroffen zu haben. „Wir wählen natürlich die Kandidaten vorher aus und schauen auch, ob sie psychologisch den Anforderungen einer solchen Spielshow gerecht werden können. Aber so eine Sendung wie „Der Maulwurf“ ist eben alles andere als eine normale Situation. Druck und Stress sind sehr hoch“, sagte sie.

Druck und Stress seien vor allem für den Maulwurf sehr hoch. Der habe zudem noch das Problem, dass er sich keinem anvertrauen könne. Er sei bei dem Spiel auf sich allein gestellt. Dass Philippe dann die Reißleine gezogen hat und das auch damit begründet, dass alles letztlich ja nur ein Spiel sei und er es falsch finde, dafür seine Gesundheit zu ruinieren, findet die Psychologin gut. Das sei sehr menschlich. Auch im normalen gesellschaftlichen Leben sollte man so handeln.

Zumal die von Philippe gewählte Methode, auf Schlaf zu verzichten, ganz grundsätzlich keine gute Lösung sei, mit Problemen, Stress oder Druck umzugehen. Denn Schlaf sei sehr wichtig. Ohne Schlaf kann man nicht mehr loslassen, nichts mehr relativieren, nichts mehr bewältigen, nichts mehr sacken lassen, sagt die Psychologin.

Zuspruch

Im Internet und in der flämischen Presse bekommt Philippe übrigens sehr viel Zuspruch für seine Entscheidung. Wenn jemand an seine Grenzen stößt, das erkennt und dann als Konsequenz eine Sache beendet, sei das ein Zeichen der Stärke und nicht der Schwäche, so der Tenor der positiven Reaktionen.

Keine Kritik auch von den Machern der Sendung. Showmaster Gilles De Coster kündigte an, jetzt einen neuen Maulwurf zu benennen aus den sechs verbliebenen Kandidaten. So etwas habe es halt auch noch nie gegeben bei „De Mol“, sagte er: Zwei verschiedene Maulwürfe, die entlarvt werden müssten.

Kay Wagner