Tipps für Briefmarkensammler und Häuslebauer: Frühere Ratgebersendungen beim BRF

Wussten Sie, dass es im BRF mal eine Rubrik gab für Briefmarkensammler. Oder beliebte Tipps für Haus und Garten. Oder eine Sendung für die emanzipierte Frau? Nach einer Programmreform wurden die beliebten Ratgebersendungen gegen Mitte der 1980er Jahre eingestellt - genauer gesagt vor genau 35 Jahren.

BRF-Pionierinnen unter sich (v.l.n.r.): Inge Gerckens, Irene Janetzky und Alice Grünebaum, die am 30. September 1986 ihre letzte Sendung moderierte (Bild: BRF-Chronik

BRF-Pionierinnen unter sich (v.l.n.r.): Inge Gerckens, Irene Janetzky und Alice Grünebaum, die am 30. September 1986 ihre letzte Sendung moderierte (Bild: BRF-Chronik)

So hörte es sich an, als am 30. September 1986 Alice Grünebaum in ihre Sendung einführte: „Guten Tag, liebe Hörerinnen. Alice Grünebaum begrüßt sie zu ihrer letzten Sendung. Gestern sprachen wir über zwei nicht alltägliche Frauenberufe. Da war von der ersten Schweizer Personalberaterin die Rede und von einer Frau, die in Brüssel die deutsche Monatsschrift ‚Der Kontakt‘ herausgibt …“

Von der aktuellen Debatte ums Gendern waren wir da noch himmelweit entfernt. Als frühe Mitarbeiterin des heutigen BRF wusste Alice Grünebaum aus eigener Erfahrung, wovon sie sprach: „Wenn ich von nicht alltäglichen Frauenberufen gesprochen habe, liebe Hörerinnen, so dürfen wir nicht vergessen, dass gerade der BRF auf diesem Gebiet ein Wörtchen mitzureden hat. Denn die Pionierarbeit, die Aufbauarbeit unserer deutschsprachigen Sendungen, die wurden ja von einer Frau, von Irene Janetzky, geleistet. Und das wollte vor 40 Jahren etwas heißen, mit solch einer Aufgabe betraut zu werden.“

Dass sie das gerade in dieser Sendung erwähne, so Alice Grünebaum in freundlich-verbindlichem Tonfall, habe zwei Gründe – persönliche und berufliche: „Erstens war es mir vergönnt, als erste Mitarbeiterin Irene Janetzkys mithelfen zu können beim Aufbau unserer BRF-Sendungen. Und zweitens beende ich heute diese journalistische Tätigkeit.“

„So möchte ich die Gelegenheit nicht verfehlen, Ihnen allen, liebe Hörerinnen und liebe Hörer, sehr herzlich zu danken für das Interesse, das Sie unseren Sendungen all die Jahre hindurch entgegengebracht haben. Halten Sie auch weiterhin unserem Sender die Treue. Der BRF wird ganz bestimmt auch weiterhin die Frauen nicht vergessen und Sie mit Informationen und Tipps, vor allem aus Belgien und den Grenzgebieten, versorgen.“

Tipps für Häuslebauer und -bewohner

Tipps aus dem Radio gab es seinerzeit nicht nur für die emanzipierte Frau, sondern auch für Häuslebauer und -bewohner: „Haus und Heim“ hieß eine Ratgebersendung mit Willy Emonts. Sie lief von 1969 bis zum 16. September 1986 – und das klang dann so: „Guten Tag, meine sehr verehrten Zuhörer. Dies ist ungefähr so meine 400. Sendung und nach über 17 Jahren wohl meine letzte in dieser Form. Ich glaube, dass in diesen 400 Sendungen wohl vieles gewesen ist, was Sie hat interessieren können.“

„In diesen ganzen Jahren hat es sicher auch einige wenige gegeben, denen diese Ratgebersendung nicht gefiel. Es gab Neider, aber die verschwinden vor der großen Zahl von Zuhörern, die diese Sendung gemocht haben.“ Der Architekt Willy Emonts zeigte auch als Moderator Ecken und Kanten: „Und sicher wäre auch schon längst etwas an dieser Sendung geändert worden, wenn sie nicht schon lange zu einer Institution in diesem Rundfunk geworden wäre.“

Es habe, so Willy Emonts, wohl kaum ein Thema gegeben, dass nicht angeschnitten worden wäre: „Es ist von Ausstellungen gesprochen worden, von Fertighäusern, von dem damals schon auftauchenden Problem der Immobilienmakler. Ich sehe hier in einer Sendung von 1970, dass es schon Häuser von Immobilienmaklern für 590.000 Franken gab. – Wie fein!“

Meistens sei es aber um konkrete Dinge gegangen, zum Beispiel um Wärmeisolierung: „Wo und wie sie angebracht wird. Es sind dann noch weitere Bauteile untersucht worden: Welche Arten von Dächern es gibt – vom Satteldach übers Walmdach zum Flachdach und zum Industriedach. Und wenn Urlaub gewesen war, habe ich das beschrieben, was ich im Urlaub gesehen hatte: italienische Städte wie Venedig, Florenz und so weiter.“

Die nachträgliche Beschäftigung mit den Ratgebersendungen gibt nicht nur Einblick darin, wie und worüber früher Radio gemacht wurde – es ist auch wie ein Zurückblättern in der Geschichte des BRF: „Damals hieß der Belgische Rundfunk noch RTB – Emissions en langue allemande“ und zuständig war für mich Frau Grünebaum. Die Studios befanden sich in Brüssel am Place Flagey. Dann bekam unser Belgischer Rundfunk langsam den Namen BHF – das hieß Belgischer Hörfunk. Nur diese Ratgebersendung hat immer „Haus und Heim“ geheißen.“

Die letzte Ausgabe nutzte Willy Emonts zu einer präzisen Beschreibung der Produktionsabläufe: „Zur Information: Eine Fünf-Minuten-Sendung erfordert etwa drei Schreibmaschinenseiten, eine Acht-Minuten-Sendung etwa fünf Schreibmaschinenseiten. An einer Fünf-Minuten-Sendung arbeitet man etwa eine bis anderthalb Stunden, an einer Acht-Minuten-Sendung arbeitet man etwa zweieinhalb bis drei Stunden. Soll ich Ihnen sagen, dass die Summe meiner Sendungen, die ich immer aufbewahrt habe, zwei dicke Ordner füllt?“

„Ich habe mir einmal ausgerechnet, dass dabei ein Buch herauskäme, welches 1.600 Schreibmaschinenseiten und so etwa 800 gedruckte Buchseiten ergäbe: ein Wälzer von mindestens sechs Zentimeter Dicke.“ Das hätte sich Willy Emonts bei den Anfängen 1969 wohl nicht vorstellen können: „Es gab kein eigenes Aufnahmestudio und Frau Janetzky führte in Brüssel das Zepter auf ihre bekannt sympathische Art. Ich machte damals meine Sendungen, mal mit Jacques Keil und in einer Schar von anderen freien Mitarbeitern wie Inge Gerckens und einigen anderen mehr.“

Auch von Inge Gerckens, die dem BRF noch über viele Jahre treu geblieben ist, haben wir ein älteres Tondokument gefunden – aus dem Jahr 1965, das wir an dieser Stelle einbauen wollen: „Ich danke Ihnen recht schön. Jetzt wechseln wir mal über zum Tonbandclub.“

Eine beliebte Freizeitbeschäftigung, natürlich lange bevor es WhatsApp und andere Messenger-Dienste gab, war das Sammeln von Briefmarken. Auch dafür gab es Anregungen in einer eigenen Sendung – vor allem für diejenigen, die gerade damit anfingen, sich für die Philatelie zu begeistern: „Da ist zunächst die Gretchenfrage: Gestempelt oder ungestempelt. Für welche dieser beiden Möglichkeiten man sich entscheidet, bleibt natürlich jedem Einzelnen überlassen. Nur sollte man sich für die eine oder die andere Möglichkeit entscheiden, keinesfalls für beide. Denn es ist eine der Todsünden der Philatelie, gestempelte und ungestempelte Marken in buntem Durcheinander zu sammeln – womöglich noch innerhalb des gleichen Satzes.“

Auch wer nie in seinem Leben Briefmarken gesammelt hat, hört aus den Worten von Adolf Kurthen, wie ernstzunehmend dieses Hobby ist: „Jeder gewissenhafte Sammler sollte sich zum Prinzip machen, dass nur unbeschädigte Marken und solche mit einem guten Stempel in sein Album kommen. Beschädigte Marken gehören in den Papierkorb und Marken mit einem Wellenstempel ebenfalls. Das sollte der junge Sammler von Anfang an beachten, dann wird er immer viel Freude an seiner Sammlung haben.“

Für Adolf Kurthen und seine Philateliesendung war der 30. September 1986 auch der letzte Ausstrahlungstermin: „Meine sehr verehrten Zuhörer, dieses war die letzte Sendung für Briefmarkenfreunde. Seit mehr als 16 Jahren habe ich diese Sendung betreut und möchte mich nun herzlich bei Ihnen bedanken für Ihr Interesse und Ihr Verständnis.“

Wie schon im Frühjahr 1978, als der BHF in BRF umbenannte wurde, stand Mitte der 1980er Jahre wieder eine Programmreform an: Die Ratsgebersendungen mussten weichen, die Themen sollten in die Morgen- beziehungsweise Unterhaltungssendungen eingeflochten werden. Willy Emonts bemerkte dazu spitz: „Mal gucken, wie’s wird.“ Für die freien ehrenamtlichen Mitarbeiter, die teils seit den 1960er Jahren für den BHF/BRF gewirkt hatten, hieß es Abschied nehmen, im September 1986.

Stephan Pesch