1996: Der Mädchenmörder Dutroux und die Fehler bei den Ermittlungen erschüttern das Land

Die Belgier reagieren mit Würde beim "Weißen Marsch".

Beim "Weißen Marsch" solidarisieren sich die Belgier mit den Opfern und zeigen ihr Unverständnis für die Fehlleistungen der Ermittler (Archivbild: Belga)

Beim "Weißen Marsch" solidarisieren sich die Belgier mit den Opfern und zeigen ihr Unverständnis für die Fehlleistungen der Ermittler (Archivbild: Belga)

Der Skandal um den Mädchenmörder Dutroux nimmt seinen Lauf, als sehr schnell die Frage im Raum steht: Wurden die Mädchen und jungen Frauen auch Opfer der Rivalität zwischen Gerichtspolizei und Gendarmerie? Die Gendarmerie hatte eigenmächtig eine geheime Schattenoperation unter dem Decknamen Othello gestartet und war dabei gescheitert.

Neben dem Schock über die Ermittlungs- und Kommunikationsmängel erschüttert das Land die Frage, ob es sich bei Dutroux und Komplizen um Einzeltäter handelt. Es entstehen zwei Lager: Menschen, die an Netzwerke glauben, und andere, die glauben, dass Dutroux und seine Komplizen allein gehandelt haben.

In diesem Sommer erhält das Vertrauen der Bevölkerung in Polizei, Justiz und Politik tiefe Risse. Der „Weiße Marsch“ mobilisiert 300.000 Menschen. Stimmen im Ausland schmähen Belgien als Kinderschänderland.

Die nächtlichen Fernsehübertragungen der Anhörungen des parlamentarischen Untersuchungsausschusses erreichen Spitzenquoten. Aufschlüsse bringen sie nicht. Wohl führen sie zur Auflösung der eigenmächtigen Gendarmerie als eigenständiges Polizeikorps und zur Bildung einer juristischen Instanz zur Prüfung der Anträge für vorzeitige Haftentlassungen.

Els Herrebout