Belgium WW II: Neues Geschichtsportal online

Geschichte mal anders erleben - nicht aus alten Büchern, sondern ganz einfach am Computer. Das neue Web-Portal "Belgium WW II" ist eine virtuelle Reise in die Zeit des Zweiten Weltkrieges und erzählt die Geschichte von Belgien und seinen Bewohnern.

Nikolaus Brüll aus Eupen war im Mai 1940 gerade mal 17 Jahre alt. Seit seiner Geburt war er Belgier, seine Eltern Deutsche. Am 10. Mai 1940 fielen deutsche Truppen in Belgien ein. Ein Jahr später wurde er Deutscher und zur Wehrmacht eingezogen. Er wurde Zwangssoldat. Seine Geschichte, die noch weiter geht, ist nur eine von vielen, die man auf dem neuen Web-Portal „Belgium World War Two“ nachlesen kann.

Es ist das erste Mal, dass Historiker aus allen drei Gemeinschaften für ein solches Projekt zusammengearbeitet haben. Die Idee zum Projekt stammt von Bruno de Wever und Koen Aerts von der Uni Gent. Dem CegeSoma, dem Studien- und Dokumentationszentrum für Krieg und zeitgenössische Gesellschaften, wurde die Leitung des Projektes übertragen, was zur Finanzierung des Projektes notwendig war. Eine virtuelle Enzyklopädie ist entstanden, die verschiedene Ereignisse vorstellt und dem Nutzer die Geschichten von Zeitzeugen näher bringen soll.

Historiker Christoph Brüll, dessen Großvater – der schon erwähnte Nikolaus Brüll war, war an der Erstellung der Webseite beteiligt. Er hat im Interview erklärt, wie die Seite aufgebaut ist: „Das Portal ist so ausgebaut, dass man verschiedene Zugänge hat – einmal den Zugang über Namen von Persönlichkeiten, über Ereignisse, über Fragen, denn im Mittelpunkt des bisherigen Webauftritts stehen eigentlich die Fragen nach der Kollaboration, der Rolle der Justiz während des Zweiten Weltkriegs, aber auch in der Nachkriegszeit, was dann vor allem die Strafverfolgung der Kollaboration bedeutet. Es ist ja so gewollt, dass hier die drei Gemeinschaften versuchen, einen Blick auf diese Vergangenheit zu werfen.“

Eine Herausforderung, für alle Autoren war es, die Geschichte „internetkompatibel“ zu beschreiben. Da Wissenschaftler im sich kurzfassen, eher ungeübt sind, eine schwierige Sache. Zwischen 60 und 70 internationale Autoren haben – neben zwei Fulltime Historikern – an den Texten für das Portal gearbeitet. Recherchearbeit habe man kaum betrieben, so Brüll, da viele der Autoren Experten für die Kriegspersönlichkeiten sind.

Auch er hat Texte verfasst, unter anderem über das Leben seines Großvaters und hatte so die Gelegenheit, seine Familiengeschichte noch einmal anders kennen zu lernen: „Man erfährt etwas über seine eigene Familie, man sucht auch nochmal nach Fotos, die man früher sonst nie angeschaut hat. Das war in meinem Fall eine ganz neue Erfahrung, weil ich diese Bilder meines Großvaters, die man auf der Webseite sehen kann, bisher noch nicht kannte und sie zum ersten Mal wirklich eingesehen habe. Es gibt auch ein Interview, in dem ich über die Erfahrung einerseits als Enkel und andererseits als Historiker über den eventuellen Zusammenhang darüber reflektiert habe.“

Neben der Geschichte von Nikolaus Brüll, wird auch die gesamte Situation der Ostkantone während des Krieges thematisiert und bebildert. Eine eher seltene Sache, wenn es um die Geschichte Belgiens während des Krieges geht.

Das Portal Belgium WW II kann in allen drei Landessprachen abgerufen werden. Es sind jedoch nicht alle Texte, die es auf Flämisch und Französisch gibt, auch ins Deutsche übersetzt worden. Eine Vollfassung in Deutsch wird es wohl erstmal nicht geben, da die finanziellen Mittel, die dafür benötigt werden, nicht zur Verfügung gestellt werden.

lo/sr

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