Zwischen Mythos und Wirklichkeit: Ausstellung in Stavelot über die Tempelritter

Nach dem großen Erfolg der Ausstellung über Anne Frank setzt die Abtei von Stavelot auf den nächsten Selbstläufer: die mythenumwobenen Tempelritter. Schon einmal hatte sie deren Geschichte thematisiert - allerdings nur für kurze Zeit. Diesmal soll sich die Schau vor allem an den historischen Gegebenheiten ausrichten - und gleichzeitig noch attraktiver sein.

Ausstellung in der Abtei von Stavelot über die Tempelritter

Klar: Dan Browns Bestseller „The Da Vinci Code“ – auf deutsch: „Sakrileg“ – und seine bekannte Verfilmung dürfen ebenso wenig fehlen wie die Theorien um ein mögliches Fortbestehen des Templerordens in Geheimbünden und Freimaurerlogen. Oder das Geheimnis um den legendären Schatz der Tempelritter, die ein regelrechtes Bankensystem entwickelt hatten. Bei der Ausstellung hat sich Murielle Denis von „Espaces Tourisme et Culture“ aber in erster Linie von historisch verbrieften Tatsachen leiten lassen, angefangen bei der Entstehung des Ordens zum Schutz von Pilgern im Gefolge der Kreuzzüge.

Jacques de Molay kommt 1314 als letzter Großmeister des Templerordens auf dem Scheiterhaufen um und verwünscht noch schnell jene, die dafür verantwortlich sind. Wenig später sterben Papst und König, wobei wir wieder an der Grenze zur Legendenbildung wären. Jedenfalls hat die Faszination für die „Templer“ die Jahrhunderte überdauert – noch heute spricht man vom Freitag, dem 13. als einem Tag, der Unglück bringt. An einem Freitag, dem 13. im Jahr 1307 wurde die systematische Verhaftung der Tempelritter angeordnet, unter dem Vorwand der Ketzerei und der Hexerei, tatsächlich ging es um den Einfluss und die Reichtümer des supranational organisierten Ordens, wie Ausstellungsmacher Virgile Gauthier erklärt.

Vor zehn Jahren hatte es bereits eine Ausstellung über die Tempelritter in der Abtei von Stavelot gegeben – mit großem Zulauf – aber eben nur vier Monate lang. Inzwischen haben Virgile Gauthier und sein Team einiges an Erfahrung hinzugewonnen und sich an eine Neuauflage gewagt, aber eben auch in einer anderen Form. Bernard Valette, der mit sich mit seiner Vereinigung aus dem französischen Mâcon den mittelalterlichen Orden widmet und vieles zu der Ausstellung beigetragen hat, war schon 2006 dabei. An der neuen Schau gefällt ihm vor allem die Schlichtheit, die dem Mönchsritterorden gerecht werde.

Darüber hinaus soll die Ausstellung möglichst die ganze Familie anziehen, erklärt Murielle Denis. Zur Ausstellung gibt es auch Erläuterungen in deutscher Sprache. Ein regionaler Exkurs ist dem Kreuzfahrer Walram gewidmet, der Anfang des 13. Jahrhunderts Graf von Luxemburg und Herzog von Limburg war und in der Abteikirche Rolduc begraben ist.

Anders als die erste Ausgabe vor zehn Jahren wird die neue Ausstellung über die Tempelritter länger zu sehen sein: Sie bleibt bis Mai kommenden Jahres in der früheren Abtei von Stavelot.

Text und Bilder: Stephan Pesch/BRF

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Ein Kommentar
  1. Damien Francois

    Da es die Templer tatsächlich gegeben hat, müsste es heißen: „Légende“. Ein Mythos hingegen, ist nicht in der Realität verankert. Auch „Ethik“ und „Moral“, zum Beispiel, werden heutzutage durcheinander gebraucht; es sind aber 2 unterschiedliche Konzepte.

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