Die belgischen Maler des Impressionismus haben sich zwar von französischen Künstlern inspirieren lassen. Sie waren aber fest in einer realistischen Tradition verwurzelt, erklärt Vincent Delvaux, wissenschaftlicher Berater der Agentur Tempora, die die Ausstellung konzipiert hat. Angefangen hat die Entwicklung Ende des 18. Jahrhunderts mit Landschaftsbildern. Dominierten bei den belgischen Malern zunächst noch dunklere Farben und realistische Motive, konzentrierten sie sich im Laufe der Zeit immer mehr auf die Wirkung von Licht und Farbe.
Es zog sie an die Ufer der Flüsse, in die Wälder und Parks. Sie malten aber auch Porträts - eine belgische Besonderheit, sagt Vincent Delvaux. Denn die französische impressionistische Bewegung tat sich mit dem Genre des Porträts eher schwer. Sie ist eher für ihre Landschaften bekannt. Die impressionistische Technik eignete sich eigentlich nicht besonders gut für Porträts. Die Belgier konnten jedoch beweisen, dass es mit dieser Technik – in diesem Fall dem Neoimpressionismus – im Gegenteil sehr wohl möglich war, wunderschöne Porträts zu schaffen.
Neben belgischen Meisterwerken zeigt La Boverie auch Bilder bekannter großer französischer Namen wie Monet und Renoir, von denen einige aus der Sammlung des Museums stammen. Es gab damals sehr intensive Beziehungen zwischen Paris und Brüssel, weiß Vincent Delvaux. Französische Künstler wurden nach Belgien eingeladen und umgekehrt – belgische Künstler waren in Frankreich ebenfalls herzlich willkommen. Das galt nicht nur für die Kunstschaffenden, sondern auch für belgische Intellektuelle und große Schriftsteller, die oft in den französischen Salons zu Gast waren und dazu beitrugen, dass die belgische Malerei auch im Ausland strahlte.

Ein Ausstellungssaal ist den Malerinnen des Impressionismus gewidmet. Für Frauen war es damals schwierig, ohne die Begleitung ihres Mannes in die freie Natur zu gehen, erläutert Delvaux. Das machte es natürlich kompliziert, unbeschwert Landschaften auf dem Land zu malen, da man immer in Begleitung sein musste. Das erklärt, warum sich die Malerinnen oft auf intimere Themen konzentrierten: auf Innenansichten, Blumen oder Gärten. Das waren Dinge, die zu ihrem privaten Alltag zu Hause gehörten – Orte, an denen sie sich frei bewegen konnten.
Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs prägte der Impressionismus die belgische Kunst. Mit dem Übergang in die klassische Moderne endet die Ausstellung in La Boverie, die noch bis Ende März zu sehen ist.
Mehr Infos und Tickets gibt es auf der Webseite des Museums La Boverie.
Michaela Brück

















