Eine Frau in pinken Kleidern schwebt im Wasser - doch die Idylle trügt gewaltig. Das Wasser ist verseucht, die Natur so gut wie zerstört. Das Foto gehört zur Serie "Pink Depression" des Künstlerduos Barbara und Michael Leisgen, das jahrzehntelang konzeptuell mit Fotografie gearbeitet hat.
"Pink Depression": 40 Jahre alte Umweltkritik aktueller denn je
Das Ikob zeigt hier Bilder, die vor über vierzig Jahren entstanden sind, heute aber aktueller wirken als je zuvor, sagt Brenda Guesnet, Kuratorin und stellvertretende Ikob-Direktorin.
"In der Serie "Pink Depression" geht es stark um eine Kritik unseres Umgangs mit der Umwelt. Die Bilder stammen aus den 80er Jahren, als erstmals ein Bewusstsein für Waldsterben, Wasserverschmutzung entstand. Da sind wir jetzt natürlich ganz wo anders angekommen. Aber gleichzeitig sind diese Arbeiten enorm wichtig. Vielleicht sogar noch mehr, weil wir uns in Sachen Klimawandel und Umweltschutz vielleicht gerade rückwärts bewegen statt vorwärts."
Das Künstlerduo lebte und arbeitete jahrelang in Ostbelgien, wo auch die gezeigten Fotos aus der Region stammen.
"Shiftings": Wenn Weben zur abstrakten Malerei wird
Doch das Ikob setzt nicht nur auf Fotografie. In der zweiten Ausstellung namens "Shiftings" wird es haptisch: Hier präsentiert Céline Vahsen ihre gewebten Werke. Die Künstlerin, die ebenfalls aus Ostbelgien stammt, ist im Ikob keine Unbekannte: 2022 gewann sie hier den regionalen Förderpreis des Feministischen Kunstpreises. Jetzt kehrt sie mit einer eigens für Eupen entwickelten Schau zurück.
Kuratorin Brenda Guesnet beschreibt den besonderen Zugang der Künstlerin: "Wenn man die Arbeiten sieht, versteht man erst mal gar nicht, dass es um Weberei und Textil geht. Sei spannt ihre gewebten Materialien auf Leinwand. Es ist der abstrakten Malerei sehr verwandt. Sie arbeitet auch sehr intensiv mit Farbe, mit dem Färben ihrer Fäden. Dadurch entstehen dies abstrakten Muster, die sehr unterschiedlich sind und einen Rhythmus kreieren."
Obwohl die Medien und Stile kaum unterschiedlicher sein könnten, verbindet beide Ausstellungen eine tiefe Verwurzelung in der Region - und der geschärfte Blick für das Wesentliche.
Die Doppelausstellung markiert gleichzeitig das Ende einer Ära für das Eupener Museum: Kuratorin Brenda Guesnet wird das Ikob verlassen. Guesnet, die im Januar 2021 nach Ostbelgien kam und seither 16 Ausstellungen sowie ein neues Artist-in-Residence-Programm realisierte, wechselt zum 1. August nach Genk. Dort wird sie die neue allgemeine und künstlerische Leitung der zeitgenössischen Kunstplattform "Jester" übernehmen.
Manuel Zimmermann





