Wer durch Eupen geht, begegnet den Werken von Christian Stüttgen meist, ohne es zu wissen. Am Marktplatz, auf dem Friedhof oder an alten Hausfassaden hat der Bildhauer bis heute Spuren hinterlassen.
"Bei bei der Einsicht der Sammlung über Christian Stüttgen, die bei uns im Archiv noch besteht, ist uns erst mal klar geworden, wie viele Skizzen-Modelle und Gipsfiguren wir besitzen und dass die eigentlich noch gar nicht richtig aufgearbeitet worden sind. Die gehen auch über das hinaus, was wir im Stadtbild finden", erklärt Museumsleiterin Catherine Weisshaupt.
Stüttgen wurde im Aachener Stadtteil Oberforstbach geboren, zog aber schon als Kind nach Eupen. Früh fiel sein zeichnerisches Talent auf. Nach der Schule studierte er Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Und obwohl Stüttgen dort bereits Erfolg hatte, entschied er sich gegen die große Kunstmetropole. In Eupen arbeitete er als Bildhauer und Zeichenlehrer, unter anderem am Heidberg-Gymnasium, und entwarf Büsten und Grabsteine, Urkunden und Werbegrafiken.
Die Ausstellung führt auch in Stüttgens Atelier "Mon Plaisir". Skizzen und Entwürfe zeigen, wie aus Ideen später fertige Werke wurden - und erzählen von einer Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts, in der Kunst nicht mehr der Elite vorbehalten blieb.
"Kunst und Kultur wurde zugänglich für jedermann. Künstler wie Christian Stüttgen haben Formate etabliert, wie Kunstausstellungen oder Kollektivausstellungen, wo auch ihre Schüler irgendwie mal ihr Werk präsentieren konnten und wo man versucht hat, eine breite Öffentlichkeit für eine gewisse Ästhetik zu sensibilisieren, wo man ein Kunstverständnis gefördert hat und wo junge freischaffende Künstler die Möglichkeit hatten, Netzwerke aufzubauen", sagt Catherine Weisshaupt.
Über Stüttgens Privatleben ist nur wenig bekannt. Zuletzt lebte er zurückgezogen in seinem Atelier in der Eupener Unterstadt. Und bei den Recherchen zur Ausstellung machte Museumsleiterin Catherine Weisshaupt eine überraschende Entdeckung: Jahrzehntelang kursierte offenbar das falsche Porträt des Künstlers.
"Wir sind immer von einem Porträt ausgegangen, das wir von einem Bild auf der Kunstausstellung 1910 sehen. Das war der Mann, den man immer für Christian Stüttgen gehalten hat. Im Staatsarchiv ist uns dann eine Fotografie aus dem Franken-Archiv in die Hände gefallen, die ein ganz anderes Bild zeigt. Das heißt, eigentlich war seit den Siebzigerjahren immer das falsche Bild von Christian Stüttgen im Umlauf. Jetzt hat der Künstler endlich wieder sein wahres Gesicht bekommen und geht jetzt auch mit seinen richtigen Gesichtszügen an die Öffentlichkeit."
Die Ausstellung endet nicht im Museum - sie führt auch hinaus in die Stadt. Die Pferdetränke am Rotenberg ist ein Werk von Christian Stüttgen, und auch am Marktplatz hat er Spuren hinterlassen: Das sechseckige Becken des Marienbrunnens stammt von ihm.
"Die Mariensäule mit dem Brunnen existierte seit Mitte des 19. Jahrhundert, war aber in die Jahre gekommen und musste erneuert werden. Die Säule ist eine neogotische Arbeit von Christian Mohr, das war ein deutscher Künstler, und die sollte weiterhin erhalten werden. Stüttgen hat dann dieses Becken geschaffen und sich dem neogotischen Stil angepasst. Er hat etwas geschaffen, wo er die Formensprache eines anderen Stils aufgreifen musste, damit das Gesamt-Ensemble natürlich stimmig und einheitlich bleibt."
Die Ausstellung erzählt damit nicht nur vom Leben eines Bildhauers, sondern auch ein Stück Eupener Stadtgeschichte. Wer künftig am Marienbrunnen vorbeigeht, schaut vielleicht genauer hin.
Die Ausstellung im Stadtmuseum Eupen ist bis zum 23. August zu sehen.
Am Mittwoch 17. Juni, Sonntag, 5. Juli und Freitag, 14. August werden öffentliche Führungen angeboten.
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Gaby Zeimers













