Zugegeben, der Titel der Ausstellung "Regards pluriels - L'art belge et l'utopie communiste au XXe siècle" ("Vielfältige Perspektiven: Die belgische Kunst und die kommunistische Utopie im 20. Jahrhundert") mag beim ein oder anderen Assoziationen an staubige Politikbücher und einschlägige politische Pamphlete wecken. Aber darum geht es den Ausstellungsmachern nicht.
Sie wollen vielmehr mit der Vorstellung brechen, dass Künstler quasi im luftleeren Raum und von ihrer Umwelt isoliert in ihren Ateliers vor sich hin werkeln, erklärt Museumsdirektor Xavier Roland, oder dass ein einmal fertiggestelltes Werk unabhängig vom Künstler und seinen Lebensumständen betrachten werden kann. Künstler lebten doch in ihrer jeweiligen Welt und würden durchdrungen von dem, was um sie herum passiere. Und das schlage sich dann unweigerlich auch in ihrer Arbeit nieder.
In anderen Ländern sei diese Wechselwirkung zwischen Künstlern und Gesellschaft beziehungsweise Politik in Ausstellungen schon gezeigt worden. Es sei frappierend, dass die belgischen Museen in dieser Hinsicht immer extrem zurückhaltend gewesen seien, unterstreicht auch Paul Aron, der Kommissar der Ausstellung. Dabei helfe es doch auch, manche Werke besser zu verstehen, fügt der Direktor hinzu.
In diesem Kontext sei der Kommunismus besonders interessant, auch wenn er politisch das Land nie dominiert habe. In puncto künstlerische Dimension und gesellschaftliches Engagement sei die Partei in Belgien trotzdem prägend gewesen. Und man finde in ihrem Umfeld eine große Anzahl wichtiger Künstler.
Auch Künstler, von denen das allgemein nicht oder nur wenig bekannt war. So wie zum Beispiel René Magritte. Einer der roten Fäden der Ausstellung ist deshalb auch, die Besucher entsprechende Künstler und Werke entdecken zu lassen - sowohl bekanntere als auch eher unbekanntere vom Anfang bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.
Das erlaube es auch, Kunstwerke zusammen zu zeigen, die sonst nie in der gleichen Ausstellung auftauchen würden, betonen die Macher. Zusammengenommen ergebe das ein ziemlich unglaubliches Panorama mit einer großen Bandbreite an Techniken, Stilen, Künstlern und Werken, wie Roland hervorhebt.
Die Ausstellung ist dabei sowohl chronologisch als auch thematisch aufgebaut. Die verschiedenen Räume sind bestimmten Zeitabschnitten der belgischen Geschichte und bestimmten Kunstformen gewidmet, zum Beispiel Kunst im Dienst der Propaganda, Kunst in Zeiten des Widerstands, Sozialistischer Realismus, Abstrakte Kunst und so weiter.
Auch wer geschichtlich nicht so bewandert sei, gehe in der Ausstellung nicht verloren, verspricht der Museumsdirektor: Dafür sorgten schon die Emotionen, die in den verschiedenen Werken spürbar seien - und natürlich auch ihre Qualität. Denn Emotionen sind definitiv auch ein ganz wichtiger Aspekt dieser Ausstellung.
Sobald sich ein Künstler in diesem Kontext künstlerisch ausdrücke, stünden Überzeugungen dahinter, Engagement und ein Wille, die Gesellschaft voranzubringen. Das spüre man wirklich in den meisten der gezeigten Werke.
Die Ausstellung "Regards pluriels - L'art belge et l'utopie communiste au XXe siècle" im Kunstmuseum CAP in Mons läuft noch bis Mitte August. Mehr Informationen und praktische Details sind auf der Webseite der Museen von Mons zu finden.
Boris Schmidt










