Was für Europa die "Mona Lisa" ist, ist für Japan Hokusais "Große Welle vor Kanagawa" - ein weltbekanntes Symbol der japanischen Druckkunst. In Stavelot ist sie, neben vielen anderen Reproduktionen, zu sehen.
Kuratorin Murielle Denis erklärt, die Ausstellung wolle nicht nur Meisterwerke zeigen, sondern auch die Entwicklung einer Kunstform, die einst populär war wie heutige Comics. Holzschnitte des 18. Jahrhunderts waren günstig, massenhaft verbreitet und für alle zugänglich - genau wie Mangahefte heute.
Präsentiert werden unter anderem die Werke dreier großer Künstler: Hokusai, Hiroshige und Utamaro - gewissermaßen die Michelangelos und Van Goghs Japans. Ihre Landschaften, Wetterstimmungen und Alltagsszenen prägten das visuelle Gedächtnis des Landes. Besonders Hokusais Serie "36 Ansichten des Bergs Fuji" oder Hiroshiges "53 Stationen der Tōkaidō" zeigen die Schönheit des alten Japan.
Den internationalen Durchbruch erlebte diese Kunst erst 1867 auf der Pariser Weltausstellung. Europas Künstler wie Van Gogh oder Monet waren fasziniert von der Klarheit und Leichtigkeit der japanischen Holzschnitte - und ließen sich davon inspirieren. Später, nach dem Zweiten Weltkrieg, übernahm Japan wiederum westliche Einflüsse, etwa aus den Zeichentrickstudios Walt Disneys. Daraus entstand die moderne Manga-Kunst.
Auf der zweiten Etage der Ausstellung treffen Besucher auf Figuren aus der Popkultur: Son-Goku, Naruto, oder der Serie Captain Future. Originalzeichnungen und Skizzen zeigen, wie viel handwerkliches Können in jedem Bild steckt - und wie stark die Wurzeln im alten Japan verankert bleiben.
Neben Kunstwerken sind auch japanische Alltagsgegenstände und eine originale Samurairüstung zu sehen. Die Ausstellung verdeutlicht eindrucksvoll, dass Kunst nicht stillsteht, sondern sich wandelt - von der Holzgravur über das Druckbild bis zum modernen Manga.
"De l’Estampe au Manga - Le Japon Artistique" ist noch bis Ende November in der Abtei von Stavelot zu sehen.
Manuel Zimmermann


















