„Art Brussels“ wieder am Puls der zeitgenössischen Kunst

Am Donnerstag hat nach zwei Jahren Pause die größte Messe für moderne und zeitgenössische Kunst in Belgien wieder ihre Pforten geöffnet. Auf der "Art Brussels" sind noch bis Sonntag die neuesten Trends des internationalen Kunstgeschehens zu begutachten.

"Art Brussels" wieder da (Bild: Laurie Dieffembacq/Belga)

Bild: Laurie Dieffembacq/Belga

Noch mehr Malerei als bereits in den vergangenen Jahren, kaum noch Videos und auch weniger Fotos: Das sind erste Eindrücke aus den Ausstellungsräumen der „Art Brussels“, die seit Donnerstag ihre 38. Ausgabe feiert – ein letztes Mal in den Räumlichkeiten von Tour & Taxis. Nächstes Jahr soll die Brüsseler Messe für moderne und zeitgenössische Kunst wieder in den Messehallen auf dem Heysel-Gelände stattfinden.

Zwei Mal musste die 38. Ausgabe der „Art Brussels“ pandemiebedingt verschoben werden. Als Ersatz wurde eine Brüsseler Kunst-Woche organisiert. Doch das sei nicht das Gleiche wie eine Kunstmesse, betonten die beiden Direktorinnen der „Art Brussels“, Anne Vierstraete und Nele Verhaeren. „Nichts kommt an den Erfolg einer Messe heran. Ein Platz unter einem Dach, wo man ein Momentum schafft“, wie Verhaeren es auf der Pressekonferenz vor der Messeeröffnung ausdrückte.

Die Pressekonferenz kann als eine Art letzte Huldigung an die Pandemie-Zeit gesehen werden. Nur online und in Englisch fand sie statt. Der Besucher braucht sich um solche Einschränkungen nicht mehr kümmern.

Mischung aus Altbewährtem und aufregend Neuem

Auf ihn wartet in echt und real eine gesunde Mischung aus Altbewährtem und aufregend Neuem in den Räumlichkeiten von Tour & Taxis. Als altbewährt kann das Konzept der unterschiedlichen Sektionen, in die die Messe aufgeteilt ist, gelten: Die Sektion „Prime“ für Künstler, die den Durchbruch bereits geschafft haben. Die Sektion „Discovery“ für Künstler, die am Aufstreben sind. „Rediscovery“ für vergessene oder „zu wenig bekannte“ Künstler, wie es seitens der Organisatoren heißt. In der Sektion „Invited“ können neue Galerien mit ungewöhnlichen Konzepten entdeckt werden. Die Sektion „Solo“ zeigt Werke von jeweils nur einem Künstler.

An den Puls der Zeit führt die Messe den Besucher auf der Entdeckungsreise in die Welt der digitalen Kunsterschaffung. Die Sphären von Blockchain, Non-Fungible Token, Metaverse oder Web3 sind Laien wahrscheinlich wenig bekannt, nehmen im zeitgenössischen Kunstschaffen und -markt aber immer mehr Raum ein.

"Art Brussels" wieder da (Bild: Laurie Dieffembacq/Belga)

Bild: Laurie Dieffembacq/Belga

Verbindung zur Biennale

Eine Verbindung zur gerade in Venedig eröffneten Biennale schafft die „Art Brussels“ durch ihren Raum „L’Oeuvre et Son Double“ – „Das Werk und sein Doppelgänger“. „Einige der ausstellenden Künstler zeigen Werke, die von ähnlichen Serien stammen wie die, die in Venedig und anderen Orten gezeigt werden mit der Idee, eine Doublette, Kopie oder ein Spiegelbild des anderen Werkes darzustellen“ erklärt Direktorin Verhaeren das Konzept.

Aktualität schafft die „Art Brussels“ auch mit dem Raum, den Künstler und Galerien aus der Ukraine bekommen. Nach Ausbruch des Kriegs sind spontan mehrere von ihnen in die Sektion „Invited“ eingeladen worden. Anstecknadeln mit Werken des rumänischen Friedens-Künstlers Dan Perjovschi werden verkauft. Der Erlös soll das Konsortium Ukraine 12-12 bei seiner Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine unterstützen.

Insgesamt 157 Galerien aus 26 Ländern machen die „Art Brussels“ auch dieses Jahr wieder zu einer guten Adresse des europäischen Kunstbusiness. Zur Spitzengruppe der wichtigsten Messen für moderne und zeitgenössische Kunst in Europa zählt Brüssel damit weiter nicht – aber weiter auch zum gehobenen Mittelfeld. In den vergangenen Jahren zog die „Art Brussels“ regelmäßig rund 25.000 Besucher an.

Kay Wagner